Was sich schon bei der Trockenlese abgezeichnet hat, ist am Montagabend durch die Live-Auftritte der 26 Comité-Schnitzelbänggler bestätigt worden: Abgefallen ist eigentlich – sieht man vom «Sonderfall Gartezwärg» einmal ab – kein Bangg. Das Durchschnittsniveau ist erfreulich hoch und die zwangsläufige Häufung der gleichen Sujets und Pointen-Kombinationen fast unvermeidlich.
Erfreulich auch, dass die Vorträge fast ausnahmslos gut verständlich und manche Helgen schon kleine Kunstwerke waren. Bei den Melodien ist weitgehend auf Bewährtes zurückgegriffen worden. Ausnahme hier zwei neue Bängg, die wegen ihrer Melodie die Pointen unter ihrem Wert «verkaufen». Das gilt speziell für d Fätzerysser, die blues-artig singen und mit diesem Vers zu gefallen wussten:
D Boscht hett uns ins Gilet ghuucht,
wäg de Schnier wos nümme bruucht.
Als Schnitzelbänggler maine mir: diend an die Arme dängge
und d Gnungele wo übrig sin an «d Striggede» verschängge.
Auch die Blauäugige haben es mit ihrer bei den französischen Chansonniers entlehnten Melodie schwer, das Publikum zu überzeugen. Dabei haben sie Verse wie diesen:
Me iberbrieft und tscheggt und misst vo alle Site,
doch was duet Expo akurat uf dytsch bedytte?
Ex haisst Ändi, fertig, Schluss, dien mir ergrinde –
und was Po haisst, dien mir au no uusefinde!
Das einstige «Sorgenkind» Hanslimaa hat sich auch äusserlich gewandelt und singt als flotter Musketier:
Wenn die z Bärn, die eelände Rappespalter,
esoo wyter dien schruube am Räntenalter,
griegsch d AHV erscht uff e Kuchi-Disch,
wenn scho vierzää Daag under em Boode bisch!
Als bewährtes klerikales Quartett kombinieren d Seeleweermer zum Thema Schmiergeld:
D Roche die zaalt z Amerika – was si zuegänn –
Zwai Milliarde Dollar will si bschisse hänn.
Do kaa kain me saage, das syyg nur e glaine Hund,
und bhaupte Vytamyyn die mieche gsund
D CDU die lauft au dry, und zaalt zer Stroof Millioone yy.
Ich sälber kaa nimm pfuuse und die Gschicht het mi verwirrt,
denn uns het s IWB mit Stromsparbonus gschmiirt.
Akurat in Silber und Schwarz tritt d Filzluus auf und hat den auf Lager:
Wenn d Mozart spiilsch im Stall de Kieh,
lauft d Milch bi dääne wie no nie.
Und wenn dä Gölä no losch laufe,
kasch d Milch diräggt als Kääs verkaufe!
Mit einer «Jubiläums-Show» der ganz besonderen Art hat s Glettyse das Publikum in den Sack gesteckt. Schon beim Einzug der beiden grimmigen Glettere, die seit einem Vierteljahrhundert mit von der Partie sind, gab es Auftrittsapplaus, der auch danach wohl mehr der Show, aber auch Versen wie diesem zu einer Kunstaktion während der «Art199» galt:
Es zaige hundert fidleblutti Männli,
Am Kohlebärg ihr Bonsai-Tännli,
Do maint e Waggis zer Pomeranze:
Sitt wenn dien d Bebby Spargle pflanze?
Der zweite Jubilar schreibt zwar meist hervorragende Vierzeiler, aber beim Vortrag haperts. Selbst Verse wie den folgenden vermasselte der Gartezwärg bei seinem 20. Auftritt:
Y weiss nit, was «comme il faut» isch, wemme Crossair wott fliege.
Eb d Bsatzig scho bim Abflug e Dringgäld duet griege?
(En andere Tipp wäri, au no, e ganz e gaile:
Zämme mit ere Hostess go s Zmörgeli daile).
Die Fernsehreportage hat auch d Passe-vite inspiriert. Ihr Vierzeiler – mit Bandonéon-Begleitung vorgetragen – hat eine überraschende Pointe:
Die Eiger-Show het mi beriert.
I has am Noodlebärg brobiert.
Bim Uffstiig gseen i d Fendt – jä Sii:
Die isch scho voll im Abstiig gsii.
Der Schuuflebuur tritt zwar fast mit einer ganzen Brassband auf, doch die ist musikalische Dekoration, denn das Singen hat nur er (und die verbalen Hiebe seiner besseren Hälfte auch):
Gescht zoobe bin ych in d1Baiz fir e Jass,
spööter bin ych noch zwai Stund uff d’Gass.
Denn haan ych der Fritz und der Megge droffe –
und dehaim bin ych in e Urschrey gloffe!Buure-Regle:
Das Urschrey-Gschrey goht gly verbyy,
wenn nit, denn muess es Friehlig sy.
Ein bei den Bängglern beliebtes Reizwort hat d Käärnebigger zu dieser Kombination inspiriert:
Vo däm bleede «Maschendrahtzaun» dien alli reede,
was dä «Maschendrahtzaun» bedytet, waiss e jeede.
Dä «Maschendrahtzaun» isch nämmlig dä – mir häns verstande –
wo d Schwyzer Schy-Kanoone maischtens drin dien lande.
Kurz und bündig ist der im modischen schlamm-goldenen Kostüm auftretende Pierrot, der mit diesem Vers viel Zustimmung findet:
Dr Färnsehreporter uff em Eiger,
huucht in’s Mikrophon, jetzt haig er,
doch emoole gseh wie schwär,
Färnseh uff hegschtem Niveau wär.
Ein Teil der pausierenden Unvolländete sind in diesem Jahr als Schwoobekäfer mit Pickelhaube und Stechmücken-Larven unterwegs. Perfekt ihr Vortrag, bissig die Pointe des Verses über die Bundespräsidentin 1999:
Wenn unser Ruthli Dreyfuess im politische Ballett,
e Pirouette drillt no waisch: s git Grääbe ins Parkett!
Do simmer ab däm Bundes-Ruth sym dritte Fiessli froh,
Wo allewyl no frei isch zum in jede Fättnapf z’stoh!
Mit einem klaren Vortrag brillieren auch die vier als Maronni-Guggen kostümierten Sänger der Gasladärne. Ihr Kommentar zu der auch von der Bänggler-Konkurrenz vielzitierten Handymania:
Der Murat und der Pietro, d Corinne und au d Sandy,
hänn wie die maischte in der Klass ihr aige Handy.
Der Lehrer maint, sy miesses gar nid go verstegge,
fir ihn sygs praktisch – so kenn är si sofort wegge.
Als Schnecken sind d’Syydiaane unterwegs und verteilen – verbal – Blumen:
E Zwyygli fir d’Frau Metzler fir dää nätti Bundesroot.
E Zwyygli fir dr Schoellkopf Niggi well äär ändlig goot.
Mit em letschte Zwyygli wird vo uns dr Ogi geert,
well äär in dääre SVP no zue de Hällere gheert.
Ganz auf «Körperwelten» ausgerichtet sind der Banggomaat, und der Fäärimaa, die von Hagens Gruselkabinett zu solchen Versen animierte:
Gseehsch Häärzli, Nierli, Raucherlunge.
Bruschtwäärzli, Pfyffli, gräucht! Zunge!
S’hett Fingerbeeri, Sportler-Wäädli
und Musggelsträng wie Subbe-Fläädli!
So hänn mir imme Glaas – ganz unde au
s’bruuni Loch – vom Haider gfunde!Um so e Närvekostüm z extrahiere
dueni maischtens vyl z vyl Zyt verliere
mit ere schnällere Technik – dr Frau Dreyfuess sei Dangg
leggt die im Jiang Zemin syni Närve blangg
Wie immer ein sicherer Wert und mit dem Refrain «und wüsch der Drägg ewägg…» auch beim mitsingenden Publikum beliebt, d Stroossewischer, die eine neue Kollegin bekommen:
Will unseri Stadt so dräggig syygi hämmer doo,
als Stroossewischer e Bewäärbig iberkoo.
Die Dame syg zwoor Koch und au e bitz e Schääse,
doch kunnt s ys grad no rächt, mer bruuche none Bääse.
Bei der Kuh Peperoni samt Vreneli und Bauer tönt es zum Thema Koch so:
D’SP Schwyz fyyrt e zimlig harti,
sälbschtreinigendi Halloween-Party.
E Huffe hooli Kirbiskepf
naagle sich an d’Wand
und d’Oberhäx isch unterwäggs –
in Richtig Pfäfferland.
Lokalpolitisch bleibt der Singvogel, der auch diesen zwitschert:
Wo TeleBasel dr Herr Kuenz befrooge loot,
wies ihm denn gfall als Mitglied im Verfassigsroot,
do schruubbt dä zerschd am Hörgrät, suecht s Gebiss, nit wyt,
und maint: Me kunnt halt so no e bitz under d’Lyt.
Schlusskommentar d’Zahnstocher:
Schöni Wohnige gäbs z Basel, dasch gewaltig,
us däne vyle Hüüser vo dr Staatsverwaltig.
Do seit, bevor är s Büro ruumt, so ain ganz ehrlig:
«Also Sii, do inne schlooft me wirgglig heerlig!»



