Aktueller geht es kaum: Am Mittwoch die grosse Debatte im Grossen Rat zur Integration – und einen Tag später die Mimösli-Premiere mit dem genau gleichen Thema. Während die Pointen im Rathaus aber eher unfreiwillig und oft nicht frei von Peinlichkeit waren, präsentieren sie sich im Häbse gewollt und in erfreulich reicher Zahl.
Und eins sei Häbse und seinem Ensemble von Anfang an attestiert: Befürchtungen, es würde auf dem nicht unglitschigen Parkett der Integrations- und Ausländerfrage zu xenophoben Ausrutschern kommen, wurden keineswegs bestätigt. Im Gegenteil wurde sensibel der Wunsch zu integrieren genauso verpackt wie der ebenso berechtigte Anspruch der «Eingeborenen», dass sich die Zuziehenden auch um etwas Anpassung bemühen. Dass dies über weite Strecken mit viel Witz geschah und die Schenkelklopfer dieses Mal etwas seltener waren – dies hat dem Mimösli 2001 alles andere als geschadet.
Höhepunkt vor der Pause war nach der überraschenden Eröffnung (alles wird hier nicht verraten) denn auch das Solo eines Farbigen, der sich selber «black is beautiful» attestierte, gleichzeitig aber auch um Verständnis für das Baseldeutsche bemüht war – wenn auch nicht immer erfolgreich. So kam er glasklar zur Erkenntnis, dass im Laufe des Abends noch eine Tragtaschen-Band spielen werde, denn «Gugge» sei doch das Pendant zu ebendiesem «Sagg». Die verzweifelten Übersetzungsversuche erinnerten an eine Glanznummer des früheren Ces Kaiser, die durch die Aktualisierung und Übersetzung in die Fasnachtsszene sehr gewann.
Ihm in fast nichts nach stand das Basler Wienerli. Arth Paul war zwar an der Premiere noch nicht ganz textfest, aber überspielte seine kleinen Aussetzer mit dem gewohnten Charme. Und auch er mogelte sich am Generalthema nicht vorbei: Hätte Frau Schaller seinen Rat, sich besser ins politische Leben zu integrieren, früher beherzigt, wer weiss… Spontanen Applaus gab es für den Abgesang der Abgewählten (Der kleine rote Kaktus) und für die Begrüssung eines neuen Bundesrates (Hello Dolly – äh: Sämi). Kurz war das Basler Wienerli, und im Laufe der (vielen) Vorstellungen wird er sicher noch zur gewohnten Souplesse finden.
Perfekt integriert war auch der musikalische Teil, auch wenn sich Mozart trotz brillianter Adaption durch Michi Robertson als etwas zu schwer für Piccolo erwies. Ansonsten gab es an den Hofnaare und an den Schwynsnaare vom Daig (perfekter Pumperniggel) wie erwartet nichts zu kritisieren – im Gegenteil: Ob romantisch verspielt oder karibisch rasant war diesen Könner(inne)n anzumerken, was sie auf Schreiholz und Kalbsfell in pettohatten.
Nicht der Integration entzogen hat man am Mimösli auch die ältere Generation. Dr Schorsch vom Haafebeggi II bringt den Weltrekord von 50 Jahren Bänggeln auf die Bühne und wirkt, angetrieben von seiner massiv verbesserten Band, wie ein Jungspund. Dass die Verse seines internen Konkurrenten Ständerlampe eigentlich besser sind, tut dem in nichts Abbruch: Auch wenn der «Schorsch» das Telefonbuch vortragen würde, so genügen seine Ausstrahlung und sein Vortrag längstens, um die Zuschauer nach Zugaben schreien zu lassen (und wären es dann die «Gelben Seiten»).
Und apropos Alter: Seit wann tritt eigentlich Alfredo auf? Und seit wievielen Jahren erlebt er tosende Beifallsstürme bei seiner Schlagzeugdarbietung? Bei der als Höhepunkt angepriesenen Gemeinschaftsnummer mit Benny Rehmann und den beiden Piccolo-Virtuosen Thomas Weber und Claudio Cotti waren die Schreihölzer zwar anfangs nur mässig in die Musik integriert, was aber dem Vergnügen, einfach Alfredo zuzusehen, keinerlei Abbruch tat. Und zum Schluss fanden sich dann alle zur – eben – totalen Integration.
Bleibt noch die Gugge: Der Schlag der Rhyschwalbe war von sensationellem Temparament, was das übrige Orchester aber lange nicht mitzureissen vermochte. Aber auch das dürfte mehr der Premierennervosität zuzuschreiben sein. Wird dies noch bewältigt, so sind auch die Schränzer voll ins Mimösli 2001 integriert – und dann ist das absolut gelungene Vorfasnachtsereignis noch perfekter, als es ohnehin schon ist. Eine schwierige Aufgabe wurde mit Bravour gelöst, oder um es mit dem Fasnachtssujet zu sagen: Dr Schuss isch duss – und är hett voll ins Schwarzi droffe!



