Selten wurde schon vor der ersten Vorstellung ein Stück so totgesagt wie «Kehruus – en andere Dootetanz». Doch Totgesagte, meint ein altes Sprichwort, leben länger. Und so wurde, allen Unkenrufen zum Trotz, am 4. Februar die Premiere des 26. Glaibasler Charivari ein voller Erfolg. Der mutige Schritt nach vorn in Sachen Vorfasnachts-Veranstaltungen hat sich für das Team gelohnt, und Basel um ein Stück Fasnachts-Kultur reicher gemacht.
Die Vorgeschichte: Schälterli, ein Spitzentambour, verliert am Donnerstagmorgen nach der Fasnacht bei einem Tramunfall den linken Arm. Das kostet ihn nicht nur den Arbeitsplatz, sondern nach und nach auch die Lebensfreude. Denn was soll ein Tambour mit nur einem Arm?
Das Stück beginnt zwei Jahre später. Schälterli (Reinhard Stehle), verbittert und voller Selbstmitleid, wirft am Morgestraich beim Käppelijoch seine Trommel in den Rhein. Ein Sakrileg, das in Basel nicht ungestraft bleibt. So löst er unbewusst den Basler Totentanz aus. Der Herold (Raphael Bachmann), eine mephistophelische Gestalt, konfrontiert ihn mit den Menschen, welche einst zu seiner Fasnachtswelt gehörten.
So trifft er auf Emanuel T. Rosskopf (Werner Bachofen). Der Bankdirektor, sein ehemaliger Chef, wird sich an der Fasnacht als Prinzessin verkleiden. Sein Hauswart Markus Vileda (Hugo Buser) geht als König, und Kurt Aeskulap (Patrick Bardelli), Apotheker und Pfeiferinstruktor, als Pfarrer. Schälterli begegnet auch einem kleinen Mädchen (Lena Einsele), welches sich auf den Kinderumzug am Fasnachtsdienstag freut, und dem Koch Ernst Schaltenbrand (Roland Herrmann). Er war bis vor zwei Jahren Wagenführer von dem Tram, in welches Schälterli damals gelaufen ist.
Bei all den Begegnungen hält der Herold Schälterli den Spiegel vors Gesicht und fordert ihn immer wieder auf, seinen Fatalismus aufzugeben. Als sie sich am Käppelijoch treffen, gesteht Schälterli endlich, dass er dabei sein möchte. Der Herold hängt ihm seine Trommel an und fordert ihn auf, so dem Totentanz Einhalt zu gebieten. «Und jetzt: Schälterli, vorwärts, marsch!» Und Schälterli führt das «Ziigli» mit Koch, Prinzessin, König und Pfarrer durch die Gassen.
So grossartig wie die schauspielerischen Leistungen sind auch die musikalischen Beiträge. D Pfyffer begeistern mit Arrangements von Michi Robertson. Ihre jubilierenden Piccolos widerlegen Schälterlis Aussage, Pfeifer seien Glasschneider. Die Chriesibuebe, eine ad hoc zusammengewürfelte Gruppe der besten Schweizer Tambouren, sowie die Tambouren der Fasnachts-Zunft Ryburg beweisen, dass es auch ausserhalb Basels Spitzentambouren gibt. Beeindruckend auch der Feuertanz mit Alex Wäber am Schlagzeug und Zoë Geistert als Tänzerin.
Musikalisch hervorragend präsentiert sich als Soldaten das Sirius Brass Quintett – Blechbläser aus der Schweiz, Frankreich, Schweden und den USA – sowie als Trauergesellschaft des Dudels Kern, welche Dudelsack, Blockflöte, Trommel und Bassgeige meisterhaft beherrschen. Schaurig-schön und gut zum Inhalt des Stückes passend das New Orleans Neger-Begräbnis der Guggemuusig Schänzli-Fääger.
Die «Junge Garde» mit Regisseur Tino Krattiger und seinem Assistenten Jean-Pierre Farner, dem musikalischen Leiter Alex Wäber, Produktionsleiter Jonas Blechschmidt und Bühnenbildner Christoph Knöll hat die Texte der drei Autoren (Armin Faes, Tino Krattiger, Jean-Pierre Farner) perfekt umgesetzt.
«Kehruus ist eine Geschichte zum Mitdenken und zum Nachdenken», so Obmann Armin Faes. Nun, dem Premierenpublikum hats gefallen. Das bewies der langanhaltende Schlussapplaus, welcher nicht nur den Mitwirkenden, sondern auch dem Stück galt.
Leider haben noch nicht alle Interessierten gemerkt, dass dieses Jahr die Billetts nicht mehr verlost, sondern direkt bezogen werden können. So gibt es, besonders für die Sonntagsvorstellungen, immer noch Karten. Am 18. Februar überträgt Radio Basilisk die Derniere.



