Drummeli 2001: AGB als multimedialer Höhepunkt

18. Februar 2001 | Von | Kategorie: Nachrichten

Vor der Premiere wurde vor allem eine Nummer des diesjährigen Drummelis als absolutes Highlight gehandelt: Die VKB im Zusammenspiel mit der Schola Cantorum Basiliensis. Dieser Auftritt kam zum Schluss und war sicher kein missglücktes Experiment; der absolute Höhepunkt des diesjährigen Monsters war aber klar der Auftritt der Alte Glaibasler (AGB) mit ihrem Trommelsolo.

Die AGB waren die Einzigen, welche die neuen Möglichkeiten des Video-Beamers voll ausnützten: Der Tambourmajor kam virtuell eine Treppe hinab, und während der grandiosen – und immer schneller werdenden – Trommelwirbel spulte eine Uhr unbarmherzig die Fasnachtsstunden herunter. Eine Nummer, die nicht durch Extravaganz bestach, sondern durch ihre einfache Genialität.

Auch sonst war traditionell das fasnächtlich-musikalische Element bestimmend für das Drummeli – und praktisch alle haben brilliert. Den Anfang machte allerdings gerade die Ausnahme in Gestalt der Alten Richtig, deren «Pfyffer-Retraite» ein Gast in der Pause als «mutig» bezeichnete; «unbedarft» wäre auch möglich gewesen. Besser waren da schon die Schnooggekerzli mit dem Herold, wobei Bauhelme und Bademäntel nicht unbedingt fasnächtliches Outfit sind. Auch bei der Wettstai-Clique wurde an der Larve gespart, nicht aber an der «Regimäntsdochter mit Donizetti».

Und was sich die Regie dann überlegt hatte, gleich zwei US-Nummern hintereinander laufen zu lassen, entzieht sich rationellem Denken. Zuerst die Spezi-Clique mit dem «Yankee», ein gelungener Auftritt mit viel Personal. Danach die Spale-Clique, bei der die Pfeifer mit dem «Washington Post March» brillierten, die Tambouren aber noch etwas Übung benötigen (oder haben die Pfeifer schlicht zu schnell gespielt, wie ein Tambour danach beim Bier meinte).

Danach zeigten die Schnurebegge mit dem «10. Värs», dass sie nicht nur «glatti Sieche» sind, wie in ihrer 75 Joor-Broschüre steht, sondern auch musikalisch bestehen können. Die darauf folgenden AGB wurden bereits genügend gelobt, aber auch der «Vaudois» der Basler Dybli war süffig, wie der «Twomblomini» (eigentlich Piccolomini) der Sans Gêne speziell. Mit einer Glanznummer beschlossen die Alte Stainlemer den ersten Teil; sie zeigten mit viel Gershwin vor allem, dass die Trommelschule nicht so tröge sein muss wie meist bei dieser Veranstaltung.

Als Gugge sollten die Glaibasler Schränz-Brieder nach der Pause eröffnen; sie taten dies wunderschön in Kostüm und Musik, hätten mit diesem Vortrag aber auch beim Musikantenstadel auftreten können. «Schränzen» scheint halt zu Gunsten von «Schöner Musik» immer mehr ins Hintertreffen zu geraten; das «Schotten-Syndrom» greift um sich. Apropos Schotten: als solche präsentierten sich die Rhygwäggi mit einem saftigen «Gin and Tonic», bevor die Rhyschnoogge als rassige Argentinier einen «Tango» aufs Parkett legten.

Und dann konnte man in Ferien-Sehnsucht schwelgen. Zuerst die Basler Rolli mit ihrem «Espagnol» andalusisch, dann die Breo Clique mit «Veinte Años» (dabei sind die 105!) karibisch und schliesslich Gundeli mit einer originell arangierten «Neuen Basler Tagwacht» arabisch. Eher traditionell – was beileibe keine Kritik ist – zeigten sich danach die J.B. Clique Santihans mit dem «dritt Värs» und d Glunggi mit einem Drehorgel-begleiteten «Marche Baloise», bevor die Junteressli mit dem «Syydelärvli» zum Träumen einluden. Zum Schluss dann die bereits erwähnte VKB mit einem gelungenen Spagat mit der Schola Cantorum Basiliensis.

Klar profitiert haben die Rahmenstücke – das frühere Sorgenkind – durch die Blutauffrischung bei Textern und Schauspielern. Grandios war das Mini-Musical über das Fest zu 500 Jahre Basel bei der Eidgenossenschaft, obwohl zu befürchten ist, dass die «Ode an Elio» bei einem Tessino-Basler zu Anfällen von Grössenwahn führen könnte. Ein «Alters»-Stück im «Lamm» lebte von der Komik der Einzelnen, der «Abfallsack-Rap» von musikalischer Genialität, hinter der wohl nicht zu Unrecht die arrangierende Hand von Barbara «Kurtli» Kleiner vermutet werden darf. Beim Rahmenstück über die Einbürgerung hätte man sich etwas mehr Aktualität gewünscht (Italiener waren vor 20 Jahren ein Thema), dafür etwas weniger abgestandene Schenkelklopfer. «König Alex‘ Tafelrunde» zeigte dafür eine Selbstkritik, die nicht viele beim Comité vermutet hätten.

Zum Schluss noch ein Wort zu den Schnitzelbänggen: Den Schuufle Buur darf man dazu beglückwünschen, dass es endlich wieder einen «Zircher-Vers» gibt, der nicht primitiv wirkt. Klar ausgestochen wurde er aber durch die Zahnstocher, die zwar «nur» drei Sänger auf die Bühne brachten, dafür zum Schluss aber nicht weniger als 20 Helgenträger. Es ist nicht anzunehmen, dass sie auf diese Weise im «Hahn» oder «Schafeck» auftreten werden…

Das Fazit: Ein schöner, sehenswerter Jahrgang des Monstre mit den gewohnt traditionellen Elementen und (noch) zu wenigen Formationen, welche die neuen technischen Möglichkeiten nutzen. Der Kenner und Geniesser von perfekter Fasnachtsmusik kommt auf alle Fälle auf seine Kosten.