Au d Glygge sinn froh, isch d Sunne no koo

5. März 2001 | Von | Kategorie: Nachrichten

Hat der Morgenstraich doch nicht zu viel versprochen, so dass wir auch am Cortège vom Montag Nachmittag nicht im Regen stehen blieben. Unter uns all die Cliquen, die in vollem Saft drauf los ruessten und pfiffen, dass es eine wahre Freude war!

«Heb Sorg zem Bier», rät der Stammverein des Barbara-Clubs in herrlich biergelb leuchtenden Kostümen. Tatsächlich eine Bieridee?

Schon kommen grimmigere Gestalten um die Kurve, die sich kaum mit Ratschlägen begnügen: Die französischen Aufständischen der Alti Richtig scheinen ihren Sturz des Daigs schon sehr konkret ins Auge gefasst zu haben. Im Gefolge die Junte, die aus sage und schreibe 18 weiblichen Tambouren besteht.

Relativ harmlos hingegen der gemischte Haufen von Moorhühnern des Stamms der Rhyschnoogge, der nun aufs Parkett tritt – harmlos wie so manches Sujet an dieser Fasnacht…

Als Sujet genauso beliebt: die Kampfhunde oder «s’ Beschtiarium Helveticum» wie der Stamm der Wettstai-Clique sich auszudrücken pflegt. Imposant die Bestie auf der Laterne. Der Tambourmajor in Gestalt eines grossen Hundepfunds gibt die entsprechende Würze dazu. Auch der Stamm der Vereinigte Kleinbasler führt zur Zeit ein Hundedasein. Erfreulicherweise ruesst er genauso bissig wie es der Ausdruck der Larven erwarten lässt. Hunde kann man anscheinend auch an der italienischen Grenze antreffen. «Halt-Verda?» rufen die Zöllner des Stamms der Verschnuuffer. Alleine sind sie tatsächlich nicht: Es folgt ein Tross an Schmugglern, Pfärrern und Richtern – und natürlich eine grosse Zigarettenschachtel

Einiges dichter ist da schon eine andere Pforte: Jene, die in den Olymp der Fasnacht, sprich ins Comité führt. Will man hinein, muss man sich schon mit dem wunderschönen Tambourmajor des Stamms der Naarebaschi anfreunden, der den riesigen Schlüssel fürs filigrane Zugangstor besitzt.

Wunderschön auch die Stammlaterne der Basler Rolli: Eine hässliche Fratze eines Wildwestcowboys macht uns klar,«dass es als wie grööber zue und här goot.» Das meinen auch d’Iggslemer mit ihren versprayten Kostümen. «Les vendales de Bâle» scheinen unter uns zu sein.

Da erstaunt es doch, dass «die gmuurti Kunscht» , die die Junge Garde der Basler Bebbi Basel kunstvoll auf ihren Köpfen trägt, noch nicht versprayt wurde. Ihr «Chanson da Muur», eine Hommage ans Werk von Klaus Littmann, kann also weiter klingen.

Ein Lied der Farben stimmt hingegen der Stamm der J.B.-Clique Santihans mit seinen bezaubernden Kostümen an. Sein Sujet «Basel rollt anderscht» lässt einem aber auch nicht kalt. Und die Stammclique der Schnooggekerzli nennt die Bemühungen um ein attraktiveres Basel kurzum «an-stadt-narrketing».

«Jubiläomie» diagnostiziert die Alte Garde der Lälli-Clique. Vielleicht hat sie recht. Denn nicht nur Basel ist gross am Feiern, sondern auch die Basler Zepf Ziri. Den Schämpis zum Anstossen auf ihren Fünfzigsten haben sie in einer riesigen Flasche gleich selber mitgebracht.

Schweres Geschütz fuhr auch der Stamm der CCCB auf. Im Gefolge russisches Politkader. «D’Russe kemme – nimme so wyt…»

Auf dem Vormarsch scheint hingegen die Gentechnologie zu sein. «Si spiile Gott — ob är das wott» fragt etwa der Stamm der Alti Glaibasler, der sich am Drummeli gut eingetrommelt zu haben scheint… An ihnen scheint man bereits gebastelt zu haben: Sie tragen nun ihr Gehirn chique unter einer Glaskuppel zur Schau.

Mit schnellem Schritt sind auch die diversen Gratiszeitungen auf Basel zumarschiert. Nun unterstützt sogar die Alte Garde des Laiezorn «dr Zyttigskrieg» und verteilt Gratiszeedel! Ob die Zeitungen weiterhin alle im Basler Zeitungsparadies bleiben werden?

Aus dem Paradies vertrieben fühlt sich auf jeden Fall der Stamm der Opti-Mischte. «Kasch an alle Egge dr amtlig Schimmel-Pilz entdegge» Und so haben sie denn bereits ihre sieben Sachen gepackt, die sie in einem liebevoll und aufwändig gestalteten Zug durch die Fasnacht schleppen.

Doch solange wir nicht aus dem Basler Fasnachtsparadies vertrieben werden, ist ja alles gut!