Au bim dritte Schuss isch s drogge voruss

7. März 2001 | Von | Kategorie: Nachrichten

Wieder hatten die Aktiven und Zivilisten, die den Cortège von gestern Nachmittag genossen, grosses Glück. Petrus muss eben doch ein Basler sein, denn während des ganzen Nachmittags fiel trotz schwerer Wolken am grauen Himmel kein einziger Tropfen Regen. «Der Vati-kan s net mit de Woiber» kommentierte der Stamm der Alti Stainlemer mit Schwyzer Gardööse im Vortrab das Ende des Heiligen Jahres. Vielleicht wäre es ja klüger, vom «Mami-kan, der Mutter aller Weiber» zu sprechen…

Einen sakralen Auftritt hatte auch der «grausam hailigi» Stamm des Dupf-Clubs, der allerdings konfessionell ein wenig verwirrt wirkte. Hoffentlich verbrennen sie auf ihrem Scheiterhaufen nicht die Falschen!

Mit weltlicheren Dingen beschäftigten sich d Letzi Türmler. «Aadie Fäldschlössli» meinten die gelb leuchtenden Pfeifer, die selber bis zum Bauch im Bier steckten. Und die Wikinger und Burgfräulein der Alten Garde der Muggedätscher bemerkten: «S’hett sich ebbis zäme braut». (Am Himmel scheint allerdings noch immer die Sonne). Im Schleppzug eine imposante Laterne: Ein ungehobelter Wikinger mit einem Carlsberg-Gürtel fällt in Rheinfelden ein und tritt achtlos aufs kleine Feldschlösschen. «Skoool!»

Durch einen gekonnten Auftritt und musikalisches Können fiel dagegen die Junge Garde der Seibi-Clique mit ihren gut 30 Pfeifern auf. Sie erzählten uns einmal mehr die «entliche Geschichte» vom Äntli-Rennen – sozusagen das Starsujet der Fasnacht 2001.

Und schon traten «very special old Persons» auf den Plan: die Breo-Jüntli 1960 als prächtige rosarote alti Dante. Sowieso hatten die klassischen Fasnachtsfiguren auch dieses Jahr einen gebührenden Auftritt. Zu erwähnen wären da auch die grün-weissen Ueli und die blau(äugig)en und roten Harlekin der Wettstai-Gniembbi. Mehr im Trend lagen die Luuskaibe: In ihrem peppigen Outfit kratzten sie die Kurve auf der Suche nach der Street-Parade und stimmten ins Lied der Alten Garde der Vereinigten Kleinbasler ein, die in ihren regenbogenfarbenen Kostümen einen Prachtsauftritt hatten: «Bio? – Oh, lago mio!»

Da gackerten die süssen Moorhühner, die wohl frisch aus dem Buschinäscht der Wiehlmys geschlüpft sind, aber schön auf! Und ihr Stamm lamentierte: «S hänggt ammene dinne Faade, ebs KISPI goht go baade.» Ob das die wunderbaren Könige des Stamms der Aagfrässene wieder ins Lot bringen könnten? Wohl kaum! Denn mit der Hand vor den Augen und den Ohren lässt sich erfahrungsgemäss nicht gut politisieren.

Vielleicht helfen ja die Ritter des Stamms der Schnurebegge mit etwas brachialeren Methoden nach. «Eynscht taten, um die Welt zu schrecken, sich zämme wackre Schnurenbecken», steht holperig in den Chroniken geschrieben. Das ist nun 75 Jahre her, doch die Jubiläumsclique scheint noch absolut «rüschtig in dr Rüschtig» und hatte einen entsprechend prächtigen Auftritt.

Rüstig gab sich auch die Alte Garde der Basler Bebbi Basel. Sie fordern «Freystooss im Altershaim». Ob das gut kommt? Für den Fall der Fälle folgt eine Horde Krankenschwestern ins Joggeli.

Vielleicht grassiert dort ja bereits «d Cohn-Manie am Rhy», vor der die originell gestalteten Gottesanbeterinnen der Sporepeter den Steinenberg hinauf flohen.

Doch auch eine andere Epidemie sei zur Zeit keineswegs zu unterschätzen: Die Junge Garde der Gundeli bekam davon bereits hässliche Gehirnverrenkungen. «Big Gaga – Verbleeden uff Raate!» bringe uns der grosse Bruder aus dem Container.

Auch wenn sich der Cortège allmählich seinem Ende zuneigte, die Fasnacht war damit noch lange nicht vorbei und fand seine Fortsetzung beim späten «Gässle».