Steinenberg, 13.25 Uhr. Besorgte Blicke der vorerst noch spärlichen Zuschauer zum grau-schwarz verhangenen Himmel. Bis wenige Minuten zuvor ist noch feiner Nieselregen aus den Wolken gefallen, doch wie schon am Morgestraich hat Petrus auf wundersame Weise den Hahn rechtzeitig zugedreht.
Punkt halb zwei Uhr setzen sich die ersten «Einheiten» in Bewegung, nein sie rollen daher. Die Kloschterräbe machen sich über «Art Baggestai» lustig, ihr Wagen zeigt das Atelier eines berühmten Künstlers beim Entwerfen von Backstein-Malereien. Der gleichen Thematik haben sich die P(r)oscht-Waggis angenommen, ihre grün glänzenden Kostüme heben sich vom eintönigen Backstein-«Kunstwerk» wohltuend ab. Die Samba-Waggis, acht «Versoffene» in einer Bierkutsche mit Rössligespann, meinen «Calsschlössli? Nai Dangge!»
Die Sumpfdotter-Clique entwickelt bereits Zukunftsvisionen zum neuen St. Jakob-Park und reimt: «In dr Loosche het s Sitzblätz und Rampe, numme kunnt kuum aine go yynetrampe!»
Die erste Wagen-Karawane erfährt einen wohltuenden Unterbruch mit der Pfeifergruppe Sirpfli, die eine allerliebste Chaise mit sich führen und das Sujet «I love you» gewählt haben. Wir Euch auch!
Dann ist eine erste derjenigen Guggen im Anmarsch, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen: die Kratzbyrschte. Der Nachwuchs, mindestens 15 schwarz-weisse Ueli, darf auf dem Wagen vorausfahren, der Major ist das Rueteruthli (es geht klar um die AHV), und die Musiker sind vor lauter Rentensorgen bereits zum Skelett abgemagert.
Auf der Gegenseite rollt der «Pavillon suisse» den Steinenberg herunter. Die sieben Eidgenossen, pardon Rhywasserkepf, die als Älpler, Jodler und Trachtenbrüder auftreten, haben die Expo 2000 in Hannover mit dem Sujet «Schytterbygi 2000» glänzend umgesetzt. So wünschen wir uns die Waggis-Wagen!
Am Container-Wagen der Alti Bäbeli, die als «Big» Bäbeli unterwegs sind, stossen wir auf folgenden Vers: «Ob Sex oder Lämbbe, bim Luege muesch sicher nit dängge». Beim Dichten wahrscheinlich auch nicht . . .
Lassen wir das und freuen uns ein-fach über die Rauracher-Rueche, die das US-Wahltheater mit neun wunderschönen, farbenfrohen Käschperli aufs Korn nehmen.
À propos Farben: Die Schotte-Clique ist wieder zurück, siebenfarbig, der Major repräsentiert sieben farbige Jahre, und der Sound? Der lässt sich gar nicht in Farben ausdrücken, weil es deren nicht so viele gibt. Im Schlepptau führen sie einen Wagen mit, auf dem die Passagiere durch grosse Sonnenschirme geschützt sind. Das macht durchaus Sinn. Denn genau in diesem Moment bricht am Steinenberg die Sonne durch die grauen Wolken.
Ein eigentümlicher Sound ist dann beim Herannahen der Crème-Waggis zu vernehmen. Sie feiern laut Rädäbäng 35 Jahre (auf dem Wagen steht zwar 25) nach dem Motto «Friener-hitte-morn-35 Joor und immer no in Form». Dass die Form stimmt, beweisen sechs Jubeltambouren mit rot-weissen Ordonnanztrommeln, auf die sie mit viel Körperverrenkungen und Schlegel-in-die-Luft-werfen die Streiche legen. Für diese Nummer haben sie den Szenenapplaus der Kiebitze verdient.
Nochmals zurück zu den Guggen: Die Märtfraueli, dirigiert von einem Major in Gestalt eines Ölfasses, erscheinen als das, was sie vielleicht gerne selber wären: gut betuchte, weiss gekleidete Scheichs. Mit dem Geld, das sie haben, kaufen sie die Fasnacht. Und noch einmal Scheichs: Die Räpplischpalter haben das Sujet «Dr Mäss-Duurm vo Basel» ausgewählt, der Major ist die Messe Basel, die Musiker 49 (!) bordeauxrote Scheichs (die ja den ersten Turm in Babylon hatten), und mit furiosem Spiel schränzen sie für den Rest des Cortège die letzten Regenwolken weg…



