Ladärnli 2002: Gewagter Spagat, der letztlich gelingt

19. Januar 2002 | Von | Kategorie: Nachrichten

«E feyni Vorfasnacht». Diesen Anspruch erhebt das diesjährige Ladärnli im Gundeli-Casino in seiner Programm-Unterzeile. In Tat und Wahrheit zeigte sich an der Premiere von gestern Abend, dass der vierte Ladärnli-Jahrgang einen (manchmal zu) breiten Spagat zwischen einem eher beliebigen Cliquen-Anlass und einer Vorfasnachts-Veranstaltung von höchster Qualität macht. Die (nicht wenigen) Höhepunkte sind gleichermassen auf Wort- und musikalische Beiträge verteilt.

«BVB» – alles dreht sich während den rund zweieinhalb Stunden um das Drämmli. Wobei das Kürzel, dies wird zu Beginn mittels Lautsprecher-Durchsage der «Laidschtell» unterstrichen, durchaus auch für «Basler Vorfasnachts-Brogramm» stehen kann. Und dieses ist gespickt mit einigen Überraschungen: Da legen etwa die Tambouren und Pfeifer von «DéjàVü» einen rassigen «San Carlo» (in fantastischen Kostümen) sowie einen traditionellen, aber nicht minder messerscharf und glasklar dargebotenen «Elfer» auf die Bühne. Da jubiliert auch die Pfeifergruppe «Schtundetaggt» mit dem Brielmann-Märschli «Dante Schuggi» (sic!) in den höchsten Tönen. Und da sorgen die «Troubasticks» für ein regelrechtes Schlegel-Inferno, getragen von einem minutenlang pulsierenden Schlagzeug. Für eine Prise Fernweh sorgt die Pfeifer-Virtuosin Xenia Fünfschilling mit ihren «Friends» – irisch-amerikanische Märsche, dezent unterlegt von einer «Bass drum».

Für das musikalisch eher Traditionelle sind die Jungi Garde der Gundeli-Clique («Unggle Sam»), die Pierrot-Clique («Pierrissimo» – leider ist die Bühne mit neun Tambouren nicht nur optisch total überladen) sowie der Rhygwäggi Stamm («Basler Marsch», «Route Synfonie») verantwortlich. Ein gewisses Premieren-(Lampen-)Fieber war bei allen drei Formationen, speziell bei den Tambouren, nicht von der Hand zu weisen. Zwei Mal – zu Beginn und nach der Pause – kommt den «Fuege-Fäger» die Rolle der Programm-Eröffnung zu. Eine Rolle, die sie in gewohnt gekonnter Manier meistern, ob mit flotter Marschmusik oder einem rockigen «The Final Countdown».

Alljährlich wird an den «drey scheenschte Dääg» mit Spannung die Qualität des Schnitzelbangg-Jahrgangs beurteilt – und sollten der «Dipflischysser» und «Peperoni» als repräsentativ gelten, so darf der singenden Zunft getrost ein Spitzenjahr vorausgesagt werden. Nebst Joggeli-Rasen, Bahnhofsplatz-Chaos, Blaggedde 2002 und Facts-Kuhdorf-Artikel, kommt selbst FCB-Goalie Pascal Zuberbühler erstmals zu «Bänggler-Ehren».

In den Ansätzen sind auch die Ideen für die Rahmestiggli gelungen – der Kontrolleur Kurt Kalbermatten etwa zieht den «roten Faden» durchs Programm. Schauspielerisch überzeugend, wäre der einen oder anderen Ensemble-Nummer ein strafferer Ablauf gut angestanden. Beispiel dafür der an und für sich gelungene «Drämmler-Rap» sowie die Solonummer «dr Elsässer». «dr Bölche uss em Baselbiet», bereits in den vorigen Jahrgängen ein Lacherfolg, setzt im Ladärnli 2002 noch eins drauf – und avanciert in seiner Doppelrolle als BLT- und BVB-Drämmler («statt Güllerugger SVP, jetzt Waagefiehrer BLT») zu einem weiteren Höhepunkt. Etwa dann, wenn er die neuen Haltestellen-Ansagen im Visier hat: «Umstyyge Hörnli, haisst ab morn: Please change the train to little horn.» Und: «Mit nöier Aasaag, isch das nötig? Die hai uff Hochdütsch au Verspöötig!»

Langatmig, gar holprig fällt der Schluss aus, in der sich das Trio «The Penguins» («sunscht e Danz- und Unterhaltigsorchester», verrät das Programmheft) an Fasnachts-Melodien heranwagt. «Rag-eete», heisst die letzte Nummer, die (zu) lange nicht zünden will. Zum Glück ist bei der Pfeifergruppe «Luggefiller» der Name alles andere als Programm – die flotte Komposition von Thomas Heid (er feierte, bevor er zum «Mimösli-Star» avancierte, zusammen mit Thomas Weber auch schon Erfolge im Ladärnli) vermag den Abend aber letztlich dennoch mit einem weiteren Höhepunkt abrunden.