Man konnte es in Basel in letzter Zeit nicht gerade oft sagen, dass etwas gutes von der Limmat kam; nicht so jedoch bei der Stubete 2002. Der absolute Star der sonst als heiter bis harmlos zu bezeichnenden Veranstaltung war der Zürcher Import Yvonne Kupper. Sie bestritt den Löwenpart des zweiten Teiles – und das war gut so! Ob als verwirrte Touristin am Centralbahnplatz oder als frustrierte Schweizerfrau, die es doch genau so gut könnte wie ihre Kolleginnen aus Paris, es war zum todlachen. Ein spezielles Highlight war dann das famose und altbekannte Landi-Lied, welches Kupper zusammen mit Werner Vögelin kräftig aktualisierte. So nach dem Motto «Die Arteplage am Bielersee…».
Ansonsten wurde auf grosse Stare verzichet, aber wie es im Eröffnungslied heisst: Es habe für jeden etwas «Gluschtiges» dabei – «fir jeede, wo gärn schlägge duet, hett s e chli Schlaagrahm.» Und tatsächlich hat es einige sehr schöne Nummern im musikalischen wie im gesprochenen Teil. Unter dem Schlagrahm war der Kaffe aber auch das eine oder andere Mal etwas dünn.
Für die Musik ist zu einem guten Stück Bettina Urfer verantwortlich, die vor allem Gastgeber Werner Vögelin meisterhaft begleitet, aber auch der ideale Nebenpart zu Christoph Müller ist, welcher unter dem Titel «Muusig-Zauber» ein traum- oder eben zauberhaftes Querflötensolo hinlegt. Toll war auch das Experiment, Querflöte und Piccolo mit Alphörnern zu kombinieren. Gefallen haben im weiteren die Pfeifer der Basler Dybli mit ihrer Routensimphonie, wobei man sich fragen muss, warum da zum Schluss auch gesungen wird. Der Zwischenruf aus dem Publikum «Ozapft is» passte auf alle Fälle perfekt. Bei zwei anderen Nummern hatte man das Gefühl, dass erste und zweite Stimmen das harmonische Miteinander noch nicht ganz gefunden hatten.
Anders die Tambourengruppe Bâlingua, die als absoluter Höhepunkt des ersten Teils einen Marsch «mit dr Schnuure» spielen, danach aber beweisen, dass sie auch ihr Instrument beherrschen. Man glaubt es kaum, aber es wurde im Trommelbereich mal wieder etwas gezeigt, was kein Déjà-vu-Gefühl auslöste. Berechtigter und kräftiger Applaus gegleitete die Gruppe in die Pause.
Wie schon Tradition, tritt an der Stubete jeden Abend ein Comité-Schnitzelbangg auf, der so die Gelegenheit zum Einsingen vor einem gut gelaunten Publikum bekommt. «Saggstargg» der Schuufle-Buur, der den Reigen an der Premiere eröffnete. Wenn dies den Standard der Bängglerkunst an der diesjährigen Fasnacht darstellt, dürfen wir uns freuen. Das «Gratzbürschtli» im zweiten Teil hatte sensationelle Helgen und ebenfalls einige sehr gelungene Verse, kam aber nicht ganz an dieses Niveau heran.
Unterschiedliches gibt es bei den Wortbeiträgen zu sagen, wobei ein Teil der Unsicherheiten sicher auf Premieren-Nervosität zurückzuführen sein dürfte. Diese erklärt aber nicht, warum Gastgeber Vögelin seine Rolle derart überinterpretierte, dass er Schnitzelbängge und Zürcher Gaststar langfädigst einleitete. Ansprechend war das «Reimseminar», in dem potentiellen Fasnachts-Verseschmieden beigebracht werden sollte, wie man dichten muss, damit sich der (übrigens anwesende) Karl Miville nicht mehr aufzuregen braucht. Werner Vögelin ging mit gutem Beispiel voran: Gut gereimt war dann nämlich der «Circus Maximus», mit dem der Schizirkus herrlich auf die Rolle geschoben wurde.
Insgesamt ein Vorfasnachtsanlass, der sich nicht mit den «Grossen» wie Charivari oder Drummeli messen kann (und dies ja auch gar nicht will), aber – vor allem im zweiten Teil – doch einige Sahnetupfer präsentieren kann.
Und übrigens: Basler Fasnacht Online hätte gerne auch einige Photos zur Stubete 2002 veröffentlicht, doch leider fand unser Fotograf an der Hauptprobe, wo Blitzen erlaubt gewesen wäre, keinen Platz mehr. Und benehmen wie gewisse Touristen am Morgenstraich wollten wir uns an der Premiere ja auch nicht…



