«Wir sind gar nicht so barbarisch»

28. Januar 2002 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Der Barbara-Club existiere nicht mehr, hiess es vordem — aber hier kommt ein Trupp Unverwüstlicher, von einem Napoleon geführt, und wenn da auch nicht jeder Tupfen sitzt, so ist doch das Herz dieser Fasnächtler auf dem rechten Fleck… noch lebt der Barbara-Club und wir hoffen, dass ihn diese Fasnacht wieder , denn er ist ein Stück Basler Fasnachtsgeschichte!»

So beschrieben die «Basler Nachrichten» den Barbara-Zug von 1930, und ihre Hoffnung hat sich erfüllt: Das «Stück Fasnachtsgeschichte» hat überlebt und wird dieses Jahr 100-jährig. Stamm und Junge und Alte Garde feiern das Jubiläum zusammen, auch wenn letztere noch nicht ganz hundert Jahre auf dem Buckel haben. Und gefeiert wird tüchtig: Im Juni findet auf dem Barfi ein Fest aller sechs jubilierenden Cliquen statt. Im August reist ein Teil der Barbaren für fünf Tage nach Edinburgh, und im November findet das Jubeljahr seinen Abschluss mit dem internen Cliquenfest.

Der Höhepunkt soll natürlich die Fasnacht werden. «Im Jubiläumsjahr feiern wir uns ausnahmsweise selber», so Obmann Markus Roos. «100 Joor kai Fasnacht ohni uns», sagen sich die Barbaren, in Anlehnung an ihr letztjähriges Sujet «500 Joor kai Schwiiz ohni uns.» Die Kostüme werden traditionelle sein, wie der Obmann verriet, ein Zug aus lauter Waggis, Ueli, Blätzli-Bajass, Alti Dante und Harlekin — und alle in den Barbara-Club Farben Rot und Grün. Auch mit den diesjährigen Laternen wird das Jubiläum gemeinsam von Stamm, Alter und Junger Garde zum Ausdruck gebracht. Es soll hier jedoch nicht alles verraten werden…

Im Jubeljahr ist der Barbara-Club ausserdem am Drummeli dabei. Die Trommelschule der Jungen Garde wird unter der Leitung des Trommelkönigs Pascal Caviezel, der am letzten Samstag seine letztjährige Krone erfolgreich verteidigte, auftreten. Beim zweiten Barbara-Auftritt werden Stamm, Junge Garde und einige der Alten Garde zusammen die «Brite 79» ruessen.

Der Ursprung des heute 200 Aktive umfassenden Stammvereins ist militärisch. Eine Tambourengruppe des Artillerievereins Basel-Stadt nahm seit 1880 verschiedentlich auch an der Fasnacht teil. 1902 gründeten einige dieser Tambouren die «Fasnachtsgesellschaft der Inneren Stadt» und vereinfachten 1904 ihren Namen: zu Ehren der Schutzpatronin der Artilleristen und Bergleute nannte sich die Gruppe Barbara-Clique. Einige Jahre später änderten sie den Namen nochmals in Barbara-Club. «Ob das wohl vornehmer klang?», fragte man sich in der Chronik zum 75-Jahr-Jubiläum.

1910 gründete der Barbara-Club gar eine Gesangsektion, die Schnitzelbänke zum besten gab. Bereits 1923 wurde die Frage nach einer Alten Garde aktuell, fand aber kein Gehör. So gründeten einige Barbaren mit anderen Fasnächtlern die Rumpel-Clique, welche heute die älteste Alte Garde ist. 1982 schliesslich war die Zeit reif für den Barbara-Club Alte Garde. Ein Jahr später nahmen die «Alten» unter dem Sujet «Mir sinn ändlig do» an der Fasnacht teil. Die Jungi Barbara existiert seit 1957 und umfasst im Jubeljahr 90 Nachwuchsfasnächtlerinnen und
-fasnächtler.

Andere Zeiten, andere Sitten: Die Mode des «Bubikopfs» empörte die Barbaren offensichtlich genug, um 1925 daraus ein Sujet zu machen. Die Darstellung einer eher leichtbekleideten Boulevard-Dame mit «Bubikopf» auf der Laterne von Emil Rudin brachte der Clique allerdings eine Busse ein. Frauen haben beim Barbara-Club jedoch nicht in erster Linie als Laternen-Sujet eine lange Tradition. (Siehe Infobox.)

Übrigens: «Wir nennen uns zwar selber oft Barbaren, sind aber gar nicht so barbarisch», versichert Obmann Markus Roos lachend.


Infobox

Frauenförderung

1921 wurde der Barbara-Club zum Stadtgespräch -mit den ersten aktiven Fasnächtlerinnen. Eine gewisse Helly Oppermann pfiff, und ihre Freundin Esther Abt trommelte im Barbara-Zug mit. Und das, obwohl damals Frauen nur beim Intrigieren, Schnitzelbank-Singen und auf Wagen anzutreffen waren! Das Comité befürchtete, die Fasnacht würde mit der Teilnahme von Frauen auf die schiefe Bahn geraten. Im Stamm des Barbara-Clubs waren also schon früh Frauen anzutreffen, bis 1970 die Gründung der Barbara-Gumsle dem ein Ende setzte. Vor zehn Jahre beschloss der Vorstand eine neuerliche Öffnung des Stamms für Frauen, im Jahre 2000 schliesslich fusionierten die Gumsle mit dem Stamm. (siw)

Die komplette bz-Serie über die Jubelcliquen 2002 (im PDF-Format):

100 Jahre Barbara-Club

100 Jahre Lälli-Clique

75 Jahre Spale-Clique

50 Jahre Die Aagfrässene

50 Jahre Giftschnaigge

50 Jahre Wettstai-Clique