50 Jahre Cliquen-Geschichte mal drei

29. Januar 2002 | Von | Kategorie: Nachrichten

Kenner behaupten, die Wettstai sei die beste Kleinbasler Clique, die
fast nie im Kleinbasel anzutreffen sei. Zu späterer Stunde soll es jedoch
einzelne Wettstainlemer, von ihrem Stammlokal Stadtkeller aus, hin und
wieder auch über den Rhein ziehen.

Ehemalige Fasnächtler der 100-jährigen Lälli-Clique (bz vom 23.Januar)
gründeten vor 50 Jahren die Wettstai-Clique. Zwei der Gründungsmitglieder
sind immer noch aktiv dabei.
Bereits nach zehn Jahren erhielt die jüngere Generation ihre eigene
Abteilung, die im Jubeljahr dafür sorgt, dass die Wettstai keine
Nachwuchs-Probleme kennt. Zusätzliche Vorträbler wären allerdings sehr
willkommen, wie Obmann Peter Kolp betont.

Um die 80 Mädchen und Buben lernen zur Zeit bei der Stammclique das Trommeln
und Pfeifen. Ausserdem kommt der Trommelkönig der Jungen, Daniel Kolp, aus
den Reihen der Wettstai-Knorzi. Der Sohn des Obmanns hat heuer seinen
letztjährigen Titel verteidigen können. Die Alte Garde feiert dieses Jahr
ihr 15-jähriges Bestehen und umfasst die stolze Zahl von
50 Männern und Frauen.

Neben zahlreichen cliqueninternen Anlässen, kommt die gemischte Stammclique
im Jubeljahr zu einem einmaligen Auftritt am Drummeli (7.Februar), natürlich
mit dem «Wettstai-Marsch» mit Zwischenspiel. Geplant ist ausserdem die
Herausgabe eines Jubiläumsbuchs anfangs Dezember. «Die Wettstai hat den
familiären Charakter im letzten halben Jahrhundert beibehalten», so Obmann
Peter Kolp, «und wird es zweifellos auch in den nächsten 50 Jahren tun.»

Die Aagfrässene. Kalt soll es gewesen sein, an jenem 4. Dezember im Jahre 1952, als sich acht
«aagfrässeni Dammbuure» mit Wurzeln in der Rätz-Clique zur Gründung einer
neuen Clique trafen. Ein Name war schnell gefunden, die
Fasnachtsgesellschaft die Aagfrässene war geboren. Obwohl sie damals nur aus
einer Handvoll Tambouren bestanden, meldeten sich die Aagfrässene beim
Comité gleich als Stammclique an – damals gab es diesbezüglich noch keine
Auflagen.

Die Fasnachtsgesellschaft wuchs trotz Rückschlägen stetig und konnte 1970
ihren Cliquenkeller am Nadelberg einweihen, einer der ersten seiner Art. Aus
zwei trostlosen Löchern, die zum Teil unter Wasser standen, wurde in grosser
Gemeinschaftsarbeit ein prächtiger Gewölbekeller, erinnern sich die
Aagfrässene in ihrer Jubliäumsschrift. Für manch aktiven Fasnächtler ist es
zur Tradition geworden, am Fasnachtsdienstag im Cliquenkeller der
Aagfrässene Dixie-Musik von den «Harlem Ramblers» aus Zürich zu hören, auch
im Jubeljahr wird dies wieder möglich sein.

1972 wurde eine gemischte Junge Garde gegründet. Gleichzeitig beschloss man,
keine Frauen mehr in den Stamm aufzunehmen. Die Aagfrässene sollten langsam
wieder zu einer Männerclique werden. Damit der weibliche Nachwuchs nach der
Zeit in der Jungen Garde nicht cliquenlos dasteht, wurde die
«Frauenabteilung» Rosshofspatze ins Leben gerufen. 1996 entstand eine Alte
Garde.

Wie die fünf Mitjubilarinnen, haben auch die Aagfrässene in ihrem Jubeljahr
viel vor, vor allem viel Spezielles. Der Drummeli- sowie der
Fasnachtsauftritt dürfte überraschen…

Giftschnaigge. Politisch und konfessionell neutral, laut den Statuten, formierten sich vor
50 Jahren ein paar ehemalige Schnurebegge neu zur Fasnachtsgesellschaft
Giftschnaigge. In einem halben Jahrhundert hat sich die Gruppe, die gerne
provokative, politische Fasnachtssujets wählt, als Stammgesellschaft mit
Junger Garde (1967) und Alter Garde (1997) etabliert.

Zuhause sind die Giftschnaigge im unteren Kleinbasel. «Wir mussten uns mit
der Tatsache auseinandersetzen, dass unser Cliquenkeller im Bläsischulhaus
im Quartier mit dem höchsten ausländischen Bevölkerungsanteil liegt», so
Obmann Ede Buser. Die Giftschnaigge beschlossen deshalb, allen
Interessierten offenzustehen. «Vor 20 Jahren war das natürlich ein heikles
Thema, aber die Stimmung ist heute toleranter.» Nun sind in der Jungen Garde
weit mehr als die Hälfte des Nachwuches ausländische Kinder, während das
Verhältnis im Stamm (noch) umgekehrt ist.

Trotzdem stehen die Giftschnaigge einem Problem gegenüber, das viele Cliquen
kennen. Nachwuchs zu finden, ist nicht einfach, die Fasnacht habe neben dem
grossen Freizeitangebot an Attraktivität verloren, so Buser.

Vor 20 Jahren ebenfalls noch ein heikles Thema war die Öffnung der Cliquen
für Frauen. Die Hälfte aller Giftschnaigge konnten sich damit nicht abfinden
und gründeten neue Formationen wie die Trommelgruppen Ueli und Galgevögel.
Nun sind ein Grossteil der jüngsten Giftschnaigge-Tambouren weiblichen
Geschlechts. Und das ist gut so…, betont die Stammgesellschaft zum
Jubiläum.

Zu hören sein werden der Nachwuchs und die restlichen Giftschnaigge am
diesjährigen Drummeli mit dem neuen Marsch «Jeannot».

Die komplette bz-Serie über die Jubelcliquen 2002 (im PDF-Format):

100 Jahre Barbara-Club

100 Jahre Lälli-Clique

75 Jahre Spale-Clique

50 Jahre Die Aagfrässene

50 Jahre Giftschnaigge

50 Jahre Wettstai-Clique