Es ist jedes Jahr wieder erstaunlich, was die Masse an Pfeifern und Tambouren beim «Monstre» praktisch ohne Bühnenerfahrung und -probe auf die Bretter des Muba-Festsaales bringt. Und es war dieses Mal speziell erstaunlich, wie witzlos man Rahmenstücke verfassen kann, trotzdem nun doch ein professionelles Texterteam dahinterstecken soll. Die Darsteller, an denen es nun wirklich nicht lag, mussten einem leid tun.
Im Prolog wurde nochmals auf das Fest «500 Jahre Basel bei der Eidgenossenschaft» zurückgeblickt; je eine Gruppe von Städtern und Rammeln keifte sich gegenseitig und sprach so ziemlich alle Clichés an, die man zu dieser Thematik schon seit Jahren nicht mehr hören kann. «Wenn dies das Niveau der diesjährigen Textbeiträge bedeutet…», argwöhnte da schon Mancher – und wurde nicht enttäuscht. Die «Rähme», Gott seis gepfiffen und getrommelt, schwankten zwischen mässig und oberpeinlich. In letztere Kategorie gehören zweifellos das Seminar für Strassenmusikanten und Solo fir e Schnitzelbängglere. Beneidenswert, wem es gelingt, hier auch nur eine treffende Pointe zu finden; der Verfasser dieser Zeilen ist an der Aufgabe gescheitert. Nur leicht besser das «Bundesrots-Raisli», wobei die «dickste» Pointe hier das demonstrativ präsentierte Hinterteil einer Magistratin war.
Dass es aber keineswegs unmöglich ist, auf der Monstre-Bühne gleichzeitig Lustiges und Gehaltvolles zu präsentieren, bewies vorzüglich der Singvogel. So wissen wir nun, was den Bundesrat mit einem Schulbuben verbindet: Wenn man die Rechenaufgabe 26/26plus nicht versteht, einfach zum Fenster rausschauen und warten, bis es läutet. Und auch die Erklärung, warum dem Schnitzelbänggler Feldbusch besser gefällt als Zanolari, leuchtet ein. Beide reden zwar sehr unbedarft, stellt man den Ton ab, bleibe bei Verona immerhin noch das Bild.
Ausnahmslos zumindest gute, manchmal sogar sehr gute Kost wurde im musikalischen Bereich geboten. Da wurden in klassischer Manier und Aufstellung sauber Märsche intoniert wie etwa «d Naarebaschi» mit dem Aeschlemer oder «d Muggedätscher» mit dem Saggodo. Andere liessen sich noch einiges an Nebeneffekten und Begleitshow einfallen. Sensationell in diesem Zusammenhang der Dupf Club als Schweizer Turner mit ihrer Pfyffer-Daagwach: Zuerst der Einmarsch mit vaterländischem Turnerlied, dann die Aerobic-Begleitung zur fasnächtlichen Musik – ein Höhepunkt des ersten Teils.
Ebenfalls begeistern konnten «Die Versoffene Deecht», welche zum Wettstaimarsch die Euro-Sonne aufgehen liessen, oder «d Verschnuuffer» mit einer Glopfgaischt-Show, die an Mummenschanz erinnerte. Sehr schmissig auch der «Barbara-Club» mit den Brite 79, und mit viel Feuer und Feuerwehr die anscheinend personell wieder erstarkten «Rootsheere». Seltsam allerdings die Regie, welche anschliessend die «Pfluderi» mit dem identischen Sujet auf die Bühne liess. Diese Doubletten scheinen System zu haben, nach dem bereits erwähnten Dupf kamen mit den «Wiehlmys» grad nochmals Turner.
Das relativ neue Element des Beamers wird immer noch sehr zurückhaltend eingesetzt. Eine der lobenswerten Ausnahmen stellte das erste Geburtstagskind dar. «D Lälli» feierten ihren 100. mit der Urauführung des für sie geschriebenen und auch Lälli genannten Marschs. Die einzelnen Elemente des Cliquensignets wirbelten derweilen munter über die Leinwand und die weiss gewandeten Musikanten
Ganz auf fasnächtliche Musik verzichteten die «Aagfrässene», welche das Programm nach der Pause wieder aufnahmen; dafür kamen sehr kritische Töne in Form einer Brandrede in bester Tradition eines Otti Rehoreks. Die Clique selbst diente lediglich als Cupli-schlürfendes Festpublikum. Schade, dass diese Nummer nur an der Premiere geboten wurde. Und anschliessend donnerte es wieder musikalisch, dies in Form der Gugge «Messingkäfer», welche den Saal mit Reinhard Mey über den Wolken schweben liess.
Für die Glanzlichter des zweiten Teils sorgten – sozusagen als Doppelschlag – «Olympia» und «Opti-Mischte». Die Olymper liessen sich von einer Brass Band begleiten und brachten mehr als nur einen Hauch New Orleans auf die Muba-Bretter. Dazu war das Ganze auch eine gelungene Demonstration für mehr traditionelle Fasnacht, mit Plakaten wie «Arabi statt Döner» und ähnlichem mehr. Die «Opti-Mischte» wiederum verwandelten den Festsaal in ein Ballhaus mit ihrem Wenzel-Marsch. Genannt haben sie ihn absichtlich so, obwohl der Name Radetzky geläufiger ist – und zwar, um vielleicht Mitklatscher abzuhalten. Es hat leider nichts genutzt.
Sehr gefallen im zweiten Teil haben auch die «Seibi« mitsamt «Seibi-Mysli» und dem neuen Marsch Le Volé (Zandona/Schaub/Büchler), die Charlie Chaplin-Hommage der CCB, der Hofnaar der «Rätz» oder der Festival Marsch der «Basler Bebbi». Und die «Stroossewischer» standen als zweiter Bangg dem Singvogel kaum nach und kooperierten auch gut mit diesem (den Rest muss man sich anschauen).
Ueber die «Rähme» des zweiten Teils soll anstandshalber nur so viel gesagt werden: Sie waren nicht schlechter als diejenigen der ersten Hälfte, was aber auch nur schwer machbar gewesen wäre. Die letzte Nummer immerhin, unter dem Namen «Service public», überzeugte mit guter Dramaturgie, fein gesungenen Liedern und – man höre und staune – sogar mit einigem Witz. Ansonsten bleibt aber die Frage offen, wo die Wirkung des hochgelobten neuen Texterteams bleibt.
Das Wichtigste am Monstre ist und bleibt aber die Fasnachtsmusik – und hier kann gar nicht genug Lob verteilt werden. Dass dabei viele Cliquen sich wieder auf das ursprüngliche, traditionelle besinnen, muss kein Fehler sein; dass andere immer wieder auf die Suche nach neuen Formen gehen, aber auch nicht.



