Am Dienstagmorgen ist die Stadt leergefegt, kaum eine Menschenseele auf der Strasse, nur vor den Beizen herrscht Betrieb, sie nutzen die ruhigen Stunden, um sich mit Nachschub einzudecken.
Doch sobald man den Münsterberg erklimmt, ist man wieder in der Fasnachtswelt – und zwar der schönsten Art. Die Ausstellung der knapp 200 Laternen auf dem Münsterplatz lässt jedes Fasnachtsherz höher schlagen. Wie jedes Jahr haben die Cliquen mit viel Herzblut gelungene (zumindest der Grossteil davon) Kunstwerke geschaffen.
Ein Blickfang gleich zu Beginn der Ausstellung ist das Werk des Pfluderi-Asyl. Auf einem Wappen dreht sich majestätisch lächelnd Shawne Fielding um ihre Achse, ihr wurde auch eine riesige Krone aufgesetzt. Im Gegensatz zu «Königin Shawne» hat unsere auf der Krone verewigte Landesregierung wenig Erhabendes an sich.
Die jubilierenden Giftschnaigge fragen sich zum 50 Geburtstag «Duet sich Kloone loone?» Auf der Vorderseite ihrer Laterne hat ein Forscher das (schwarze) Schaf Dolly bei einem Tänzchen im Griff, auf der Rückseite sieht es allerdings anders aus: Das Schaf packt den merklich geschrumpften Forscher am Kragen. Und noch ein wohlgemeinter Tipp der Giftschnaigge:
Dr Schild iberleggt, ob s sich ächt wurd loone,
iin sälber als Bolizeykommandant z kloone.
Auch die VKB haben zum Thema Klonen etwas zu sagen und warten mit einem Vorschlag für das Nachwuchsproblem auf: «Pfyffer kloone wurd sich lohne.» Noch ein Vorschlag zur Güte, diesmal an die Adresse von Basel Tourimus: «Basel tiggt wermer» meint die Alte Garde der Märtplatz-Clique und unterstützt ihre Vision von «Doux Bâle» mit rosa Wolken auf und rosa Ballonen um die Laterne.
Unterdessen haben sich sogar ein paar Sonnenstrahlen den Weg auf den Münsterplatz gebahnt. Wenn da nur nicht der bange Gedanke wäre, dass es für diese Fasnacht wahrscheinlich die letzten sind… In der Sonne gut zur Geltung kommt die Laterne der Schnurebeggli. Die Junge Garde hat zum Sujet «Glaasfääri» sehr phantasievoll ein «Laternenaquarium» geschaffen und nach einem Blick hinein sind wir mit den Schnurebeggli einig:
Sit me seht was so im Rhy duet schwimme,
schmeggen is d Fisch-Stäbli nimme.
Und noch eine Junge Garde mit Spitzenlaterne: Die Spezi mit dem Sujet «S isch fimf vor zwelfi – Mensch pennsch?» Neandertaler reiten auf der Friedenstaube, ein furchteinflössender Tod hält sein Zepter über die Welt, er ist nicht schwarz, sondern rot gewandet, weil er findet, diese Farbe stehe ihm besser…
Ein weiteres beliebtes Laternensujet ist natürlich der Zürcher Filz. Grossartig dargestellt hat dies die Alte Garde der Muggedätscher. Auf ihrer ganz in schwarz-blau gehaltenen Laterne krallt sich eine riesige Filzlaus in den Globus, der eigentlich nur aus Zürich besteht. Auf der Rückseite schwebt ein bedrohlicher Totenkopf, um zu warnen, wohin Misswirtschaften führen. Doch auch etwas zum Schmunzeln von dieser Laterne:
Dr Corti bruucht die zwelf Millione
zem sich e Perigge kloone.
Prächtig zu diesem Thema auch die ganz in gelb gehaltene Laterne der Rätz-Clique, auf der sich ein gieriger Manager das Geld gleich hampfelweise in den Mund stopft.
Alle Jahre wieder kommt die Basler Regierung an die Kasse. So etwa auf der Lampe der Spinner-Clique, auf der drei bestens erkennbare Gesichter thronen, flankiert von einem riesigen Stempel. («Gsuech fir e Aadraag fir e Bewilligung») Dazu heisst es:
Dr Schild gseht nyt, d Schneider macht nyt,
dr Vischer sait nyt, sie mache’s, wie die drei biriemte Affe.
Neben den grossflächig gepinselten Laternen gibt es natürlich auch die Exemplare, in deren Betrachtung man sich lange, lange vertiefen müsste, um jedes Detail zu erfassen. So etwa die grosse quadratische Laterne der Basler Bebbi, die gemäss ihrem Sujet «make love not war» sowohl als auch auf ihrem professionellen Kunstwerk dargestellt haben.
Die Rhygwäggi schliesslich fordern auf: «Bebbi kumm – und lueg Di aa!» Ihre Laterne besteht aus mehreren quadratischen Blöcken, einige mit Spiegeln versehen und auf jeder Seite starrt der Lällekönig die Betrachterin oder den Betrachter unverwandt an. Dazu meinen die Rhygwäggi:
Dä Keenig doo, syg informiert,
hänn mir us Augsburg importiert.
Wer die Laternenausstellung gesehen hat, weiss hingegen: Es gibt auch in Basel Könige, zumindest königliche Maler und Malerinnen.



