Schon die Präsentation des «Ridicule 2003» macht Lust auf mehr. Da hat Regisseur und Organisator Helmut Förnbacher die regionalen Medienleute im lauschigen Foyer seines Theaters versammelt – und er wiederholt sich in seinen Ausführungen scheinbar ganz bewusst: «Intim», sei sie, die Vorfasnachts-Veranstaltung in der Theaterhalle des Badischen Bahnhofs, «hier spürt man die Fasnachtsmusik körperlich».
Vom 22. Januar bis 1. März wird «e Nase voll Fasnacht» im 4. Jahrgang insgesamt 20 Mal zu sehen sein; durch die bescheidene Zahl von maximal 180 Besucherinnen und Besuchern pro Vorstellung setzt das «Ridicule» jedoch mit Absicht (und natürlich zwangsläufig) einen Kontrapunkt zu den anderen Vorfasnachts-Veranstaltungen: «Wir spielen ohne Tonanlage und sind deshalb poetischer, angriffiger und frecher als andere dies können», sagt Förnbacher – «oder dies vielleicht auch wollen.» Der sogenannte Schenkelklopf-Humor wird am «Ridicule» nicht geboten.
Seit Sommer des vergangenen Jahres laufen die musikalischen Proben unter der Leitung von Silvia Fuchs (Pfeifer) und Patrick Surbeck (Tambouren). Förnbacher lässt sich noch etwas tiefer in die Karten blicken: «Das gesamte Programm des Ridicule 2003 konzentriert sich auf die Fasnacht – und behandelt die Fragen: Was ist Fasnacht? Wer macht Fasnacht? Warum macht man Fasnacht?» So spielen einige Nummern im (seit Jahren angekündigten) Fasnachtsmuseum: «Man muss sich einfach vorstellen, dieses sei im ehemaligen Förnbacher-Theater am Badischen Bahnhof endlich realisiert worden – dies an Stelle einer Ladenpassage…», erklärt der Berufs-Schauspieler – und fährt damit eine zusätzliche Spitze gegen die Deutsche Bahn, die die Räumlichkeiten inskünftig kommerziell nutzen will. Bis März 2004 bleibt die «Helmut Förnbacher Theater Company» aber noch vor Ort, so dass auch im kommenden Jahr das «Ridicule» in bewährter Umgebung (das Rattern der vorbeifahrenden Güterzüge inklusive) stattfinden wird. Für die Zeit danach, so Förnbacher, laufen Verhandlungen mit dem Scala in der Freien Strasse.
Auf der Liste der Autoren des «Ridicule 2003» taucht (nebst Hampe Feuz, Paul Göttin, Peter Heitz, Jürg Jösslin, Georges Merkofer, Carl Miville und Walo Niedermann) erstmals auch der Berufs-Kleinbasler und Charivari-Obmann Armin Faes auf. Weil sich das Ridicule-Team laut Förnbacher nicht als Konkurrenz, sondern Ergänzung zu den übrigen Vorfasnachts-Veranstaltungen sehe, sei das Fremdgehen von Faes absolut unproblematisch.
Die Schauspieler der Theater-Company (Victor Behounek, Thomas Hardegger, Kristina Nel, Barbara Schwager, Hanspeter Stoll, Jürgen von Tomëi, Stefan Uehlinger und Helmut Förnbacher) wechseln sich auf der Bühne mit den «Ridicule-Tamboure» und «Ridicule-Pfyffer», den Schnitzelbängg «Gluggersegg» und «Kratzbürschtli», den Swingvögeln (dieses Jahr werden die Piccolo-Klänge mit einem Fagott verschmolzen), der Guggemuusig «Haanedropfer» sowie den «Marblebags» (englisch für «Gluggersegg»… sic!) ab. Ein weiterer Höhepunkt sei ebenfalls verraten: Tenor Marcel Lang und Altus Christian Bader werden der Herkunft einiger Basler Fasnachtsmärsche auf den Grund gehen – «viele davon entsprangen nämlich alten Studentengesängen oder Liedern des Mittelalters», so Förnbacher.
«Ich denke, wir haben uns in der Vorfasnacht etabliert», sagt Förnbacher zum Abschluss. Ganz zufrieden ist er jedoch nicht: «Viele Fasnächtlerinnen und Fasnächtler halten uns für zu anspruchsvoll und kommen deshalb nicht ans Ridicule.» Erhebungen hätten gezeigt, dass sich das Publikum meist aus ganz angefressenen Fasnächtlern und Leuten, die ohnehin als Theatergänger gelten, zusammensetzt. «Wir wollen vermehrt an die Cliquen gelangen.» Zu wünschen wäre es: Am Badischen Bahnhof wird – Zitat Förnbacher – «Fasnacht zum Mitfiebern und Mitfühlen» geboten. Intim eben…



