Das Wichtigste am Zofingerconzärtli ist natürlich das «Stiggli» mit seinen dramatis personae, vulgo den «Lyyche». Schon der Titel des diesjährigen Stücks «Das 4-4-2-System am Marthalerpahl» machte klar, dass es neben Kulturellem auch Sportliches zu bewundern gab – und tatsächlich: Gleich zwei der Hauptpersonen sind beim FCB anzusiedeln.
Da wäre zum einen Chrigel Grosszilla, unschwer als derjenige Schweizer Fussballtrainer zu erkennen, der sich auch bei penibelsten Leistungen seiner Jungs nicht die Haare raufen kann. Ueber ihn wurde gereimt:
Uff’s Toupet duet är oft verzichte
Es wurd sy Image au vernichte
Sehr cool und ohni Emotione
Will är dr Winner stark betone
Auch die weibliche «Lyyche» war leicht zu identifizieren: Emmi Mammi bemutterte ihre beiden kickenden Söhne und machte nebenbei auch dem Trainer klar, wer hier eigentlich das Sagen hat:
Als Mammi isch si schträng und hart
Doch d’Söhn zue ihre fyn und zart
Und ohni dass me das kah gseh
Beherrscht si ganz dr Effcebee
Bleibt noch der Aspekt «Kultur» (wobei damit nicht gesagt werden soll, dass der FCB nicht zur Kultur gehöre), bestens abgedeckt durch einen Zürcher Import namens Fristlos Spart-kai-Taler, der – nicht nur in diesem Stück – aufzeigt, dass Geldausgeben mit vollen Händen noch keineswegs volle Säle garantiert:
Theatersäle gähnen
und auch dem Publikum
das kaum noch zu erwähnen
dem ist’s zum Gähnen drum.
Alles andere als zum Gähnen war vor allem das Double des FCB-Trainers auf der Bühne, selbst das Original zeigte sich in der Pause beeindruckt (und gleichzeitig mit beinahe baslerischem Humor). Derselbe Schauspieler hatte im vergangenen Jahr einen fantastischen Jacques Herzog gegeben; dieses Jahr gelang ihm nochmals eine Steigerung. Dem Vernehmen nach tritt er heuer auch noch auf der Nationalrats-Wahlbühne an; gelingen ihm dort ähnlich fulminante Auftritte, dürfen sich die arrivierten Politgrössen auf einiges gefasst machen.
Ebenfalls grandios, wenn auch naturgemäss etwas leiser, war die Marthaler-Rolle besetzt. Viel Hintersinn, manchmal sogar etwas Hinterlist, wurde da ausgespielt. Die dritte «Lyyche» litt etwas darunter, dass nun wirklich keine Ähnlichkeit zur echten Ermine Yakin auszumachen war; die Texte konnten sich aber ebenfalls sehen lassen.
Nicht ungefährlich ist, dass die Fagunzen vermehrt auf musikalische Zwischenspiele setzen, ist Gesang doch nun wahrlich nicht jedermann gegeben. Trotz einiger daneben geratener Töne (in «Deutschland sucht den Superstar» hat man allerdings Schlimmeres gehört) sind diese Nummern eine Bereicherung und garantieren für Lacher und Applaus.
Im musikalischen Teil, und das sei beileibe nicht nur der Vollständigkeit halber erwähnt, brilliert Christian Brunner mit Virtuosem von Mozart und setzt damit einen feinen und gut abgestimmten Anfang. Sehr schmissig sind nach der Pause die Märsche der Olymper. Alles in allem ein Zofingerconzärtli, bei dem die an der Premiere nicht Anwesenden nur eines stören muss: Es hat leider keine Tickets mehr.



