Wären am Montagnachmittag am ehesten Liegestuhl und Sonnenschirm angebracht gewesen, müssen wir uns heute mit Plastikpellerine und Regenschirm den Cortège zu Gemüte führen. Doch vorerst halten es die «Einheiten», die vom Bankenplatz her den Steinenberg abwärts kommen sollten, wie das Wetter: Sie tröpfeln erst vereinzelt herunter. Zu ihnen gehören die Zoggelischletzer, die kurz und bündig sagen. «Mir mänätsche». Nicht das Wetter, denn es beginnt bereits stärker zu regnen, doch ihren Wagen haben sie wirklich gut gemanagt. Er ist ein überdimensionierter Goldbarren, und die Bosse hocken wichtig mit verschränkten Armen und der nötigen, herablassenden Gestik auf Goldsesseln.
Viel besser läuft es zu Beginn des Nachmittags auf der Konterroute. Nach den Baggemugge, die als herrliche rot-weisse Ueli vorbeischränzen, rollt Wagen um Wagen bergan. Die Privé-Waggis, neun verschiedene Originale, zeigen ihr geliebtes Kleinbasel. Die Warteck-Rueche fragen «Basel quo vadis?» (au mir mechte in d Heechi), und haben ihrem Wagen ein wunderschönes Himmelblau verpasst. Angesichts des heutigen garstigen Wetters mit zeitweiligen Windböen blanker Hohn… A propos Böen: Die vier Lumpeditti in der Chaise können einem leid tun. Ihre mächtigen grauen Perücken sind so vom Winde verweht, dass die vier leichten Damen kaum duuregseen.
Die beiden Säuliwääg-Tramper machen ihrem Namen nicht unbedingt Ehre, denn trampen tun sie nicht. Sie spielen «em Ängel si Woonzimmer» aus, und in eben diesem Wohnzimmer fahren sie auf Rollern. Das täten die Gugge-Zwärgli, die alle ein Schweizerkreuz auf dem bunten Kostüm haben, gewiss auch gerne. Denn mit dem andauernden Regen wird es immer schwieriger, heil über den seifig gewordenen Räppli-Teppich zu waten. Wenn die bischöflichen Rauracher-Rueche «In nomine patri et filii et minestranti» sagen, dann bitten sie nicht um besseres Wetter, sondern spielen mit ihrem als Kathedrale gestalteten Wagen die Verfehlungen geistlicher Würdenträger aus. Die kühlen Temperaturen vergessen wir für kurze Zeit beim Anblick der Châlet-Rueche. Sie sind «armi Arbeiter-Deifel», die in der lodernden Arbeiter-Hölle schmoren.
Wieder einmal ist die lange Wartezeit auf der absteigenden Steinenberg-Route für Momente zu Ende. Köstlich die Herremättli-Clique, die das kranke Gesundheitssystem aufs Korn nimmt und gleich als «Herremättli-Spittel» die Route absolviert.
Und die Karawane rollt dahin – so lange bis die gewaltige Mohrekopf auf den Plan schränzt: mit gut 40 fussballverrückten, wunderherrlichen weissen Pierrots. Ganz gross in Form auch die Glaibasler Schränzbrieder. Ihr Sujet heisst «22.00 h, Psssst: Nachtrue!» Im Wagen, der den Zug anführt, sitzt der Nachwuchs als Schloofkappe, die ihre Ruhe wollen, der Guggenmajor ist die «armi Schuggersau, wo fir Rue muess sorge», und das überaus grosse Spiel besteht aus stummen Petern, die Ruhe geben. Aber nicht jetzt, denn sie schränzen, was das Zeug hält. Im Kontermarsch bergauf noch beeindruckender die Negro-Rhygass, mit dem Major als Walter Mittelholzer, der 1923 in Afrika notlanden musste und den schränzenden Königen von Kleinbasel. Sie meinen im übrigen: «D’Nääger das simmer syt 45 Joor, nit nummen an der Fasnacht, au s ganze Joor». Von mir aus können Sie es auch weiter bleiben…
«Us em Lääre schöpfe» muss die Gugge Fährischiffli wegen der teuren Krankenkassenprämien. Sie haben sich deshalb in die «alten Lumpen» des letzten Jahres gekleidet. Wir müssen aus dem Leeren schöpfen, weil auf dem völlig durchnässten Notizblock schlicht nichts mehr zu lesen ist…
Weitere Informationen:
bz-Berichte Fasnacht 2003



