Eine Zensur der aufwendigen Art

1. April 2003 | Von | Kategorie: Nachrichten

Oft ist der Titel des beim Comité angemeldeten Sujets unverfänglich, in Tat und Wahrheit wird am Cortège aber Gift und Galle gespuckt. An der Fasnacht 2003 sind so etliche Sujets ins Kreuzfreuer der Kritik geraten und haben teils heftige Diskussionen ausgelöst. Wie Recherchen zeigen, will das Comité nun wegen der Diskrepanz zwischen Sujetname und Ausgestaltung des Auftritts aussergewöhnlich rasch Konsequenzen ziehen: Bereits Ende Januar 2004 werden die am Cortège teilnehmenden Einheiten ihre Sujet-Umsetzung erstmals dem Comité vorführen müssen.

«Der Eintrag im Fasnachtsführer ‹Rädäbäng› muss aussagekräftiger werden», begründet Comité-Statthalter Felix Rudolf von Rohr auf Anfrage von Basler Fasnacht Online (BFO) diese ungewöhnliche Massnahme – und hat dabei insbesondere die unzähligen auswärtigen Gäste im Visier. Um dies erreichen zu können, müsse natürlich deutlich werden, welches Thema am Cortège ausgespielt wird. Das ist in der Praxis allerdings kein leichtes Unterfangen – entsprechend aufwendig kommt die Lösung daher, die gemäss BFO vorliegenden Informationen beschlossene Sache scheint.

«Das ist natürlich eine logistisch anspruchsvolle Sache», sagt Caroline Rietschi, Obfrau der Junteressli. «Die Kostüme müssen deshalb einige Wochen früher als in der bisherigen Planung fertiggestellt sein.» Um einen möglichst repräsentativen Eindruck des gesamten Zuges erhalten zu können, begutachtet das Comité beispielsweise bei Stammcliquen je fünf Vortrabs-, Pfeifer- und Tambourenkostüme – zudem müssen von Laterne, Zeedel und Tambourmajorskostüm aussagekräftige Entwürfe vorliegen. «Auch wenn die Regelung faktisch einer Zensur gleichkommt, sehen wir durchaus auch positive Aspekte», so Rietschi. «Durch den Dialog können allenfalls auch Vorschläge anderer Cliquen in der Detail-Ausarbeitung des Sujets berücksichtigt werden. Gewinnerin ist letztlich die Fasnacht.»

Ähnlich sehen dies auch von BFO befragte Exponenten von Guggemusiken und Wagencliquen. Bei letzteren genügt aus logistischen Gründen die Vorlage von Detailskizzen. «Wir beobachten diese Entwicklung natürlich sehr genau», antwortet André Auderset, Präsident der Basler Schnitzelbangg Gsellschaft (BSG), auf die Comité-Pläne angesprochen. «Es könnte noch soweit kommen, dass die Bänggler bald die einzige Gruppierung sind, die an der Fasnacht unzensiert ihre Meinung kundtun darf.» Aber da könnte sich diese täuschen: Im Polizei- und Militärdepartement (PMD) überlegt man sich nämlich, die Vorbegutachtung der Bänggler-Zeedel wieder einzuführen, die bis in die frühen sechziger Jahre bestand. Damals mussten die Bangg-Formationen ihren Zeedel vor der Fasnacht bei der Kantonspolizei einreichen, und je nachdem wurde behördlicherseits auch der eine oder andere Vers gestrichen. Laut PMD-Sprecher Klaus Mannhart ist aber noch nichts entschieden: «Wir prüfen diese Möglichkeit und würden für diesen Zweck, da die meisten Fasnächtler mittlerweile aus dem Baselbiet kommen, eine enge Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Liestal anstreben.»

Wie dem auch sei: Die Sujet-Vorführung dürfte zu einer durchaus interessanten Bereicherung der Vorfasnachts-Szene werden – BFO-Recherchen haben jedenfalls ergeben, dass das Comité für das Wochenende vom 30. Januar bis 1. Februar 2004 Räumlichkeiten in der Messe Basel angemietet hat. Weil die Sujets gegen aussen hin ja nach bewährter Tradition geheim bleiben sollen, dürfte die Eintrittskontrolle ebenfalls höchste Ansprüche an die Logistik stellen – respektive mit den bei Messen üblicherweise eingesetzten Fotoausweisen alles andere als kostengünstig daherkommen. Noch offen ist hingegen, mit welchen Konsequenzen die Einheiten bei Nichteinhaltung der Comité-Vorgaben zu rechnen haben.

Weitere Informationen:

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