Die publikumsstärkste Vorfasnachts-Veranstaltung verliert eine ihrer Top-Attraktionen: «In dieser Form werde ich am Mimösli nicht mehr auftreten», erklärt Schorsch gegenüber Basler Fasnacht Online unmissverständlich. Der Star-Bänggler und seine musikalische Begleitung haben im Häbse-Theater in den vergangenen Jahren jeweils wahre Begeisterungsstürme ausgelöst – damit ist nun Schluss.
Der Grund: Der ohnehin schon reich befrachtete Mimösli-Spielplan wird im kommenden Jahr um weitere sechs auf insgesamt 58 Vorstellungen aufgestockt, womit die Marke von 20 000 Zuschauern geknackt wird. Und die Zahlenspielerei geht weiter: Das Programm erstreckt sich zwischen dem 8. Januar und 22. Februar über 46 (!) Tage; während sechseinhalb Wochen sind nur gerade zwei Tage spielfrei – samstags und sonntags sind jeweils zwei Vorstellungen angesetzt. Für Schorsch gehen die Pläne des Teams um Häbse H.J. Hersberger eindeutig zu weit; ein derartig langfristiges Engagement komme für ihn unter keinen Umständen in Frage.
Harald Lachnit, Produktionsmanager beim Häbse-Theater, gibt unumwunden zu, dass die Mimösli-Premiere 2004 aus finanziellen Interessen bereits am 8. Januar über die Bühne gehen wird. «2005 wird die Fasnacht sehr früh sein – da werden wir nicht einmal 40 Vorstellungen realisieren können», so Lachnit. Der Manager bezeichnet die jeweils restlos ausverkaufte Vorfasnachts-Veranstaltung denn auch als «Rückgrat» und «Fundament» für das Theater an der Klingentalstrasse. Mit anderen Worten: 2004 soll das verdient werden, wozu im drauffolgenden Jahr (Morgestraich bereits am 14. Februar) keine Möglichkeit besteht.
Die Mimösli-Verantwortlichen sind überzeugt, auch für 58 Vorstellungen ein attraktives Programm zusammenstellen zu können. «Auch 2004 werden wir wieder einen vermutlich nicht ganz billigen Stargast präsentieren», verrät Lachnit. Doch ist dieses Mammut-Programm den «Amateuren» der Fasnachtsszene noch zuzumuten? «Uns erreichen zahlreiche Anfragen von Leuten, die sehr gerne im Mimösli auftreten würden», sagt Lachnit – «dennoch sind natürlich Wechsel im Programm nicht auszuschliessen». Namen nennt er keine; Schorsch scheint aber kein Einzelfall zu bleiben. Natürlich müsse das private Umfeld bei einem derartigen Effort «mitspielen», so Lachnit, aber man dürfe nicht vergessen, dass die Auftritte auch gut entlöhnt würden.
Trotz rekordverdächtiger Spielzeit wird das Mimösli wohl auch 2004 restlos ausverkauft sein. «80 bis 90 Prozent der Tickets gehen jeweils an die ‹Freunde des Häbse-Theaters›», so Lachnit – wer die Jahresgebühr von 50 Franken auf den Tisch blättert, geniesst Vorkaufsrecht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass alleine das Mimösli viele Leute zu einer Mitgliedschaft bewegt. Gemäss Lachnit könnte es durchaus sein, dass bei 58 Aufführungen auch der oft geäusserte Wunsch nach «Komplett-Vorstellungen» vermehrt berücksichtigt werden könne – bisher ist dies ausschliesslich dem Touring-Club der Schweiz (TCS) vorbehalten. Nicht mehr inbegriffen sind dann allerdings die Verse des «Schorsch vom Haafebeggi II».



