Basler Fasnacht Online: Am Mimösli 2004 werden der Schnitzelbänggler «Schorsch vom Haafebeggi II» und das «Basler Wienerli» Arth Paul nicht mehr dabei sein. Kommt es jetzt zu einem Umbruch?
Häbse H.J. Hersberger: Nein. Wieso Umbruch? Wenn zum Beispiel zwei verdiente Spitzenkräfte der Migros in ihren wohlverdienten
Ruhestand treten, bleibt die Migros trotzdem die Migros.
Das sind zwei gewichtige Abgänge – möglicherweise gibt es ja weitere?
Nein, es gibt keine weiteren Abgänge. Und selbstverständlich hätten wir Schorsch gerne noch einige Male am Mimösli gesehen, da er immer hervorragende Leistungen geboten hat. Aber wenn er – notabene mit 70 Jahren – nicht mehr mag, dann ist das eine Entscheidung, die wir selbstverständlich akzeptieren müssen. Und bei Arth Paul ist es leider so, dass er sich aus gesundheitlichen Gründen auf den Bühnen sehr rar machen muss.
Das Mimösli soll zudem um weitere sechs auf 58 Vorstellungen ausgebaut werden?
Es ist geplant, noch nicht definitiv beschlossen. Das ist aber bei beiden angesprochenen Künstlern, wie schon erwähnt, nicht der Grund fürs Aufhören. Übrigens hat uns Schorsch schon vor einem Jahr gesagt, dass er aufhören will und dies auf dem Zenit seines Erfolgs. Nach dem grossartigen Mimösli 2003 ist sein Abgang natürlich um so schöner. Er hätte also auch bei nur 25 Vorstellungen aufgehört!
Warum sind weitere Vorstellungen ein Thema?
Wir werden auch am Mimösli 2004 wieder eine ganz grosse Nummer präsentieren können. Und «ganz gross» heisst gleichzeitig auch sehr kostenintensiv. Mit den geplanten Mehrvorstellungen wollen wir zumindest einen Teil dieser Mehrkosten einspielen können.
Können Sie die Mehrkosten quantifizieren?
Ja, es handelt sich um immense Kosten…
… die Sie aber mit sechs Mehrvorstellungen kaum gänzlich abfedern können?
Wie ich schon gesagt habe, bei weitem nicht. Aber zumindest einen kleinen Teil daran wollen wir einspielen. Ich betone, dass es sich um nochmalige Mehrkosten handelt. Schon der diesjährige Auftritt von Hazy Osterwald hat den üblichen Rahmen bei weitem gesprengt.
Sie sprechen von einer Nummer. Kann man daraus schliessen, dass es sich um mehr als eine Person handelt?
Möglich – aber das werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten.
Wie sicher ist dieses Engagement?
Der Vertrag ist – Stand heute – so gut wie gemacht. Dazu waren natürlich lange Vorarbeiten nötig. Die ersten Gespräche für diesen Auftritt gehen auf das Frühjahr 2002 zurück.
Warum setzen Sie am Mimösli auf diese Starnummern?
Weil wir unseren Gästen immer etwas ganz Spezielles bieten wollen. Zudem will ich betonen, dass die Kritiken zum Mimösliprogramm 2003 durchs Band sehr gut waren – es war also keineswegs nur die Rede von Hazy Osterwald. Zudem ist das Verpflichten von Starnummern keine neue Erfindung, ich setze – im weitesten Sinn – meine am Charivari begonnene Arbeit fort. Dort gehörte ich ja zu den Gründungsmitgliedern und habe mitentschieden, war mitunter federführend, dass Auftritte wie etwa diejenigen des Neuen Orchesters Basel, der Knabenkantorei, von Mummenschanz oder Ralph Heid etc.stattfinden konnten. Heute verfolgt das Charivari ja nicht mehr diese Strategie – es macht nun allerdings mit dem jährlich neuen Theaterstück, das ein bisschen mit Fasnacht zu tun hat, etwas Grosses und Lobenswertes. Die Vorfasnachts-Veranstaltung im landläufigen Sinn findet aber im Häbse-Theater statt.
Zuschauermässig gehen Sie kein Wagnis ein – auch mit 58 Vorstellungen wird das Mimösli 2004 ausverkauft sein.
So denke ich auch. Die Nachfrage ist doch jeweils so gross, dass wir ohne Bedenken zusätzliche Vorstellungen ansetzen können.
Das kommerzielle Denken wird dem Mimösli interessanterweise aber immer wieder vorgehalten.
Diese Behauptung halte ich für eine Erfindung der Medien. Alle Vorfasnachts-Veranstaltungen finden doch aus kommerziellen Gründen statt. Auch das Fasnachts-Comité will mit dem Drummeli nicht einfach einen «glatten Abend» machen, sondern will mit den eingespielten Geldern Subventionen verteilen können. Oder denken Sie an unsere Mitbewerber im Sektor der Privattheater: Warum wird etwa im kommenden Jahr ein Pfyfferli aus dem Boden gestampft? Doch nur aus kommerziellen Überlegungen. Und die sind doch für jedes gesunde Unternehmen legitim!
Gutes Stichwort: Braucht es in Basel noch mehr Vorfasnacht?
Konkurrenz belebt. Wer ein gutes Produkt anbietet, wird Erfolg haben. Diesen wünsche ich der Familie Rasser auf jeden Fall; das Pfyfferli war bereits in früheren Jahren äusserst erfolgreich – warum also soll dies nicht wieder so sein? Der Markt reguliert sich von alleine. Es gibt ja andere Vorfasnachts-Veranstaltungen, die ihre Säle nicht mehr füllen können. Letztlich setzt sich Qualität durch.
Zurück zu Schorsch: Er gehörte zehn Jahre zum Mimösli-Inventar. Ohnehin: Schaut man die Programme der vergangenen Jahre an, entsteht unweigerlich der Eindruck, dass Sie auf Kontinuität setzen…
… das behaupten Sie. Das ist nicht richtig.
Welches ist denn Ihre Strategie?
Die Strategie ist, ein gutes Programm zu machen. Und so lange wir eine gute Nummer – wie etwa Schorsch oder beispielsweise auch Thomas Weber und Thomas Heid – haben, muss ich doch keine neuen Akteure suchen. Das Gleiche gilt bei den Schauspielern: Die kennen «unseren Laden» und das Publikum mag sie.
Wird es auch am Mimösli 2004 wieder zwei Schnitzelbängg geben?
Ja, das ist so.
Welches sind die Ansprüche an eine Neuverpflichtung, die Schorsch ersetzen soll?
Schorsch kann man nicht ersetzen, er ist in seiner Art einmalig. Es gibt aber einige sehr gute Bänggler, die die Leute begeistern können.
Wie läuft der Auswahlprozess? Kommen die Bänggler auf Sie zu – oder haben Sie auf Grund der Auftritte an der Fasnacht gewisse Vorstellungen?
Beides. In erster Linie sind es Leute, die auf uns zukommen und ihr Interesse bekunden. Und wir schauen dann, ob diese zu uns passen.
Was heisst «passen»?
Qualität. Wir legen sehr viel Wert auf Qualität.
Ist das bei Bängg nicht subjektiv?
Nein. Solche, die zur Elite gehören, haben immer gute Bängg. Das hat sich ja auch bei Schorsch bewahrheitet.
Geht die Suche querbeet durch alle Schnitzelbangg-Gesellschaften?
Es ist keine Suche. Uns sind Bängg aus allen Gesellschaften – auch «Wilde» – willkommen, wenn sie wirklich gut sind.



