Ospels «Bryyssinge» verärgert Bänggler

27. Oktober 2003 | Von | Kategorie: Nachrichten

Er wolle etwas für die Erhaltung der Qualität im Basler Schnitzelbangg-Singen tun, hatte Marcel Ospel nach der letzten Fasnacht die Lancierung seines «Schnabelbryys» begründet. Er schuf dazu eine mit 300’000 Franken dotierte Stiftung, die jährlich Geldpreise für die besten Bangg-Formationen ausschütten soll. 6000 Franken erhält der Sieger, 4000 Franken der Zweitplatzierte und noch 3000 Franken verbleiben für den Bronze-Rang. Entscheiden über die Vergabe soll eine Jury.

Schon die damaligen Reaktionen der organisierten Bänggler waren alles andere als euphorisch. Dres Nabolz etwa, der Obmann der Comité-Schnitzelbänggler, erklärte dazu pointiert, es sei ihm eigentlich egal, wenn Ospel einem seiner Angestellten (der Chef der «Striggedde» arbeitet im Kader der UBS) eine schöne Subvention verschaffen wolle. Seitens der Basler Schnitzelbangg Gsellschaft (BSG) verlautete, man solle das Geld besser in ein Ausbildungsprojekt bei einer etablierten Gesellschaft stecken, wenn man tatsächlich die Quailität fördern wolle. Und auch die Verainigty Schnitzelbangg Gsellschaft (VSG) zeigte sich nicht begeistert und vertrat wie die anderen die Ansicht, Schnitzelbangg-Singen sei keine Wettbewerbsdisziplin, bei der eine Rangfolge erstellt werden könne.

Anscheinend doch etwas überrascht vom Widerstand der Bänggler berief Ospel auf Anfang Oktober zu einer Sitzung ein, an der die Bedenken zerstreut werden sollten. Nebst Schnitzelbangg-Comité, BSG und VSG schickten auch Bängg fir Basel und Bebbi-Bängg ihre Vertreter. Auch an diesem Treffen stiess der UBS-Chef nur auf wenig Gegenliebe. Die Vertreter des organisierten Singens zeigten sich aber durchaus kompromissbereit und zeigten Vorschläge auf, mit denen sich die Idee der Qualitätsförderung verwirklichen liesse.

Genannt wurde, mit dem Geld ein Projekt zur Nachwuchsförderung oder zur besseren Ausbildung der Bangg-Formationen zu kreieren. Auch wurde die Idee ins Spiel gebracht, nur neue Bängge zum Wettbewerb zuzulassen, etwa nur solche, die nicht länger als seit fünf Jahren singen. Vor allem aber wurde ein weiteres Mal und unisono betont, dass man die so unterschiedlichen Schnitzelbängge nicht über einen Leisten schlagen und nach objektiven Kriterien benoten könne. Als äusserste Möglichkeit sahen die Bangg-Vertreter, zehn oder zwanzig Bängge zur «Spitzenklasse» zu wählen, aber ohne genaue Rangfolge.

Der an der Sitzung anwesende Ospel versprach, die Vorschläge zu prüfen und in ein modifiziertes Projekt einzuarbeiten. Zu ihrem grossen Erstaunen erhielten die Vertreter der organisierten Bängge aber 14 Tage später ein Fax, in dem Ospel erklärte, das ursprüngliche und stark kritisierte Projekt praktisch unverändert durchziehen zu wollen. Lediglich die Idee der Nachwuchsförderung wurde in Form eines zusätzlichen, mit 2000 Franken dotierten «Grienschnabel-Bryys» aufgenommen.

Die Angesprochenen zeigen sich nun missmutig bis verärgert. An der BSG-Mitgliederversammlung vom vergangenen Freitag erntete Präsidentin Trix Schmid kräftigen Applaus, als sie erklärte, man könne das «Bryyssinge» in dieser Form nicht unterstützen. Auch BSG-Aushängeschild «Schorsch» erklärte auf die Frage, ob er sich am Wettbewerb beteiligen wolle, nur mit einem lapidaren «sicher nit!». Nicht ernst genommen fühlen sich auch die VSGler. Obmann Mike Schrank ärgerte sich, er hätte auch etwas Gescheiteres unternehmen können, als an diese Sitzung zu gehen, «wenn hinterher doch alles so laufen soll, wie Herr Ospel das will».

Weiter sind sich BSG und VSG mit den Comité-Schnitzelbänggen einig, dass sie unter keinen Umständen Hand zu einer Vorqualifikation bieten wollen, wie man sich das beim Schnabelbryys-OK anscheinend vorstellt. Laut Dres Nabholz hat das Schnitzelbangg-Comité offiziell noch nichts zum «Bryyssinge» beschlossen, weil die nächste Sitzung erst Anfang November stattfindet. Er werde aber beantragen, dass man den Formationen die Teilnahme weder verbietet noch ans Herz legt: «Es ist Ospels Sache, mit der wir nichts zu tun haben. Wer mitmachen will, der soll es halt tun.»

An dieser Haltung ändert auch die zugegebenermassen prominente Zusammensetzung der Jury nichts. Unter Leitung des alt Regierungsrates Christoph Stutz sollen Massimo Ceccaroni, Viktor Giacobbo und eines der prominentesten «Bänggler-Opfer» der vergangenen Jahre, Dölf Ogi, die Sängerinnen und Sänger bewerten. Wenn alle kommen würden, wären es über 100 Formationen, was in der vorgegebenen Jurier-Zeit am Fasnachtsdienstag von 19 bis 23 Uhr doch etwas knapp werden könnte.

Als Lokal wurde übrigens nicht etwa Ospels «Revoluzzer»-Lokal Schnabel bestimmt, sondern das Atlantis. Dies deshalb, weil das «-tis» die besseren technischen und infrastrukturellen Einrichtungen habe. Publikum soll gratis zugelassen werden, die Medien hingegen nicht. Und schlangestehende Bänggler soll man am Fasnachts-Dienstag auch keine vor dem «-tis» sehen; es stehe ein Raum zum «Ysinge» zur Verfügung.

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