Mimösli 2004: «Gränzelos» bis über den Atlantik

8. Januar 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

Auch wer – wie der Schreibende – ein, zwei Jahre nicht mehr am Mimösli war, fühlt sich bei der 2004-Ausgabe sofort wieder zuhause. Es sind in etwa dieselben Einzelteile, die das Puzzle komplettieren: eine Tambourengruppe, das gewohnt brilliante Piccolo-Duo, dazu Charly Jansers «Hofnaare» und eine Guggemusig. Dazwischen gestreut sind wie alle Jahre Nummern der Häbse-Ensembles, und eingerahmt wird das Ganze von Prolog und Epilog.

Neu ist dagegen jedes Jahr der Star- und Überraschungsgast, der für 2004 als «was ganz Grosses» angekündigt wurde. Die Messlatte wurde also – speziell nach Hazy Osterwald im vergangenen Jahr – hoch gelegt, und dies mit Fug und Recht. Basels Jazz-Papst himself, George Gruntz, betrat die Bühne, umgeben mit den beiden Piccolo-Virtuosen Thomas Heid und Thomas Weber, weiterer Flötenverstärkung von den «Hofnaare», mit der Tambourengruppe «Octopus» – und nicht nur das: Aus sechs Mardi Gras-Bands wurden die besten Vertreter ausgesucht und unter dem Namen «Ambassadors of New Orleans» nach Basel geschickt.

Es ist schlicht grandios zu nennen, was diese unterschiedlichen Musiker auf der Häbse-Bühne zustande brachten. Egal, ob Gruntz mit Weber und Heid, die beiden mit der New Orleans-Band oder selbige mit den Octopus-Tambouren spielte: alles klappte und fand sich zu einer faszinierenden Kombination aus Basler Fasnachtsmusik und Carnival Music aus Lousiana. Das einzige, was nicht klappte, war anfangs Gruntz‘ elektrisches Klavier, und als es endlich funktionierte, seufzte die Jazz-Legende: «Jetz muess y aber guet sy!» Nicht nur er war es, alle Teilnehmer dieser rund halbstündigen Vorstellung brillierten absolut.

Dass der Abend ein derart gelungener werden wird, dies liess sich im Programmteil vor der Pause nicht unbedingt vermuten. Nach einem eher flauen Prolog hangelten sich die «Hofnaare» mehr schlecht als recht durch ein zugegebenermassen schwieriges Beatles-Arrangement, und auch Octopus hatte in seiner «Gremlins»-Nummer Tempo und Schlag noch nicht auf einer Reihe. Die Guggemusig «Claraschnooge» zeigte sich zwar musikalisch perfekt und mit einer gelungenen Kombination aus Musical- und Abba-Song, konnten aber den Funken ebenfalls nicht überspringen lassen.

Einziger wirklicher Höhepunkt des ersten Teils war damit der Schnitzelbangg, wobei die Zwei-Mann-Formation «TamTam» aber auch wirklich ein Highlight setzte. Speziell gelungen war der Monstervers über die diversen «Goodies», welche den Basler Staatsangestellten nach den zusätzlichen dreieinhalb Ferientagen in Zukunft zukommen sollen. Hier gab es zu Recht tosenden Applaus. Eher Murmeln im Publikum fand dagegen die «TamTam»sche Ankündigung, der Hausherr wolle nun seinen Häbsepark bauen – mit sechs Stühlen mehr in jeder Reihe. Dafür musste die «Ständerlampe» als zweiter Bangg den absoluten Super-Gau erleben. Kein Lachen ertönte nach seinem ersten Vers, keine Hand rührte sich zum Applaus, und auch die weitere Darbietung entlockte dem Publikum eher höflichen als begeisterten Beifall.

Nicht von den Stühlen rissen im ersten Teil die Einlagen des Ensembles des Hausherrn. Trotzdem die drei neuen Gesichter, die Schauspielerin Bianca Meesters, der Musical-Darsteller Urs Werner Jaeggi und André Schmidt, der auf ein Vierteljahrhundert «Drummeli»-Erfahrung zurückblicken kann, viel frischen Wind brachten, blieben sowohl die Nummer mit der Sujetsitzung wie auch diejenige «Hesch au glääse» eher flau. Dies besserte sich aber massiv nach der Pause. In «Alles fahrt Tram» brillierte Almi als proletenhafter Jugendlicher und steigerte sich danach in der Parodie auf den «Schnabelpreis» (Ospels Schnapsidee zur Erkürung des besten Schnitzelbängglers) als «Kebab Singer» zu sensationeller Form. Ihm in nichts nach stand Bianca Meesters als Ceccaroni-Fan.

Auch die musikalischen Teile in der zweiten Hälfte vermochten nun zu gefallen. «Octopus» als Rocker in «Hot Shots» zeigten, dass sie ihr Instrument nicht weniger beherrschen als die berühmten «Top Secret» – und geradezu grandios waren die «Hofnaare» als holländische Marijkes, die zur Piccolo-Darbietung mit den Holzschuhen den Takt angaben. Und nach der bereits erwähnten Supervorstellung von Gruntz, New Orleans und Co. sorgte ein spritziger Epilog mit viel musikalischer Fantasie dafür, dass das Premieren-Publikum nicht nur mit dem ersten Teil versöhnt war, sondern zu Recht begeistert das Häbse-Theater verliess.