Kinder-Charivari 2004: «Manege frei» für einen nachfasnächtlichen Alptraum

7. Februar 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

Eigentlich ist Schaggi Zumschtai ja Tramführer. Und eigentlich ist er Trompeter bei der Guggemuusig Schänzli-Fäger. Doch nach dem Ändstraich am Donnerstagmorgen hat er es sich in seinem Clown-Kostüm auf einer Parkbank der Rosental-Anlage so richtig gemütlich gemacht und… erwacht inmitten der Zirkuswelt. Damit nehmen die Irrungen und Wirrungen ihren Lauf. Damit heisst es: «Manege frei!» Doch alles der Reihe nach.

Das diesjährige Kinder-Charivari (nach einmaligem Ausweichen auf die Kleine Bühne wieder zurück im Foyer des Theater Basel) beginnt szenisch dort, wo für alle Fasnächtler «die drey scheenschte Dääg» allewyl so abrupt enden: Die orange-gekleideten Strassenwischer räumen Räppli und Zeedel weg, so dass schon nach wenigen Augenblicken nichts mehr auf das bunte Treiben in der Innerstadt hinweist. Schaggi bekommt davon nichts mit – er träumt noch immer «säälig» von seiner Fasnacht. Doch auch für ihn ist ein schlagartiger Szenenwechsel angesagt: Plötzlich ist Tiger-Gebrüll zu hören, ein Orchester spielt auf. Und weil dem Zirkus ein Clown fehlt, ist Schaggi – wider seinen Willen – vom Fleck weg engagiert. «Sali Gloon», erkennt der Stallbursche Beppo beim Anblick seines Fasnachts-Kostüms als Erster – in ihm wird Schaggi im weiteren Verlauf der Geschichte einen wichtigen Verbündeten finden.

«E Zirkus ohni Gloon isch kai Zirkus», ist auch für den mittlerweile ausgeschlafenen Guggemusiger klar. Doch die erste Vorstellung gerät zum Desaster: Zwar schlagen Rösser Purzelbäume, drehen Katzen auf dem Einrad ihre Runden, stemmt der angeblich stärkste Mann Basels (mit charmantem Elsässer Dialekt…) seine Gewichte (wenns sein muss auch mit dem kleinen Finger oder den Zähnen) und ist asiatisch und orientalisch angehauchte Akrobatik zu sehen – doch der Clown kommt nicht an. «Son e Schämmer», ist zu hören. «Pfui!» Erst als der Zirkus-Direktor Schaggi nach seiner Peitsche hüpfen lässt, zeigt sich das Publikum zufrieden – Abend für Abend.

Schaggi klagt in einer klaren Mondnacht Beppo sein Leid. Und dieser erzählt ihm von seinem Traum, mit der Zirkus-Prinzessin und vielen Tieren alleine übers Land zu ziehen. Ohne Peitsche. «Gäll, wenn d Frau Fasnacht gseesch, verzellsch ihre my Draum», trägt er dem «falschen» Clown auf. Eines Nachts wollen die beiden abhauen – die Pläne sind geschmiedet. Doch da hat Beppo einen gewichtigen Einwand: «Ych hau doch nid aifach ohni my Prinzässin ab. Ych by doch nid dr Hakan Yakin.» Gelächter, vorab bei den unzähligen erwachsenen Besuchern…

Zu Hilfe kommen letztlich die drei Männer im Mond (d Gluggersegg). «Die gseen jo uss wie s Comité», befindet Beppo. «Wär hett die denn uff e Mond gschosse?» Unter Einbezug von Frau Fasnacht und ihren hilfreichen Ueli nimmt die Geschichte eine (rasante) Kehrtwende. Waggis- und Ueli-Figuren nehmen die Zirkus-Manege in Beschlag, Piccolo- und Trommelklänge übernehmen das Szepter. Und im Räppli-Regen schränzt eine Gugge. Ob das reicht, um den Zirkus-Direktor zu überzeugen und seine unmenschliche Linie aufzugeben?

Das sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Dagegen aber, dass vorab Majda Kanlic als Zirkus-Prinzessin nicht nur eine hervorragende Rolle spielt, sondern zudem mit akrobatischen Einlagen am Trapez aus dem restlichen Ensemble (mit Lena Einsele, Marinette Oeggerli, Matthias Keller, Robin Nidecker, Silvio Fumagalli, Reinhard Stehle, Zora Füzesi, Cynthia Mira, Kurt Walter und Yves Geng) hervor sticht. Die Darbietungen des Quartier-Circus Bruderholz sind schlicht erstklassig – sehr amüsant die vielen «Zirkus-Tiere», die von den Kindern der Tagesschule Kleinhüningen zum Leben erweckt werden. Gelungen ist auch die Mischung aus fasnächtlichen Zirkusklängen, die die Junge Garde der Muggedätscher in die Manege zaubert. Ebenso wie die Guggemuusig Schänzli-Fäger, die als langjähriger Partner des Kinder-Charivari zudem hinter den Kulissen sehr wertvolle Dienste verrichtet. Vorerst (?) einzigartig in der Vorfasnachtsszene bleibt die Teilnahme einer Wagenclique: Die Knochestampfer Waggis sind nach 2003 bereits zum zweiten Mal mit einem Kurz-Auftritt zu sehen.

Kritik muss sich das Kinder-Charivari in diesem Jahr dennoch gefallen lassen: Vorab im ersten Teil, der fast 90 Minuten (!) dauert, ist die Ablauf-Regie deutlich zu langatmig geraten – und sehr lange vermisst man in der Handlung einen direkten Bezug zur Fasnacht. Kritikpunkte allerdings, die nach der Pause teilweise mehr als wett gemacht werden. Mit dem Schluss der Premiere ist für das Team im Hintergrund übrigens Knochenarbeit angesagt: «Nach jeder Vorstellung muss die gesamte Bühnen-Konstruktion abgebaut werden», verrät Dieter F. Wullschleger, Obmann des Kinder-Charivari. Immerhin tun sie dies im Wissen, dass auch in diesem Jahr sämtliche Vorstellungen bereits restlos ausverkauft sind.