Basel, eine Wüste? Ja. Das geht. Erst recht in den Augen von Bernhard «Beery» Batschelet. Und folglich auch auf dem Plakat für «en Ufftaggt». «Lustig, komisch, absurd», sucht der Musiker und Fasnachts-Komponist im Gespräch mit Basler Fasnacht Online beschreibende Worte – und genau das muss auch die Antriebsfeder für «die ultmativ allerletzte Vorfasnachts-Veranstaltung» gewesen sein. «en Ufftaggt» – die ultimativ allerletzte? Batschelet liebt es eben, mit Gegensätzen und Schrägem zu spielen. Oder soll der «Ufftaggt» signalisieren, dass die Veranstaltung am Sonntag vor dem Morgestraich über die Bühne geht? Bei Batschelet Naheliegendes zu suchen, führt ohnehin selten zum Erfolg…
Wie auch immer: Der Anlass verspricht Hochkarätiges – und ist genau genommen eigentlich ein Schnellschuss. Aber im durchaus positiven Sinn. Erst Anfang Dezember 2003 sass Batschelet mit Schlagzeuger Siegfried Kutterer sowie Tambour und Bänggler Urs Zeiser zusammen und beschloss, einen alten Plan auszuführen: eine Vorfasnachts-Veranstaltung der anderen Art. «Hier sollen unkonventionelle, verrückte, fasnächtliche und zweifelhaft-fasnächtliche Ideen verwirklicht werden», sagt Batschelet. «Aufhänger war die schon lange fällige Uraufführung eines Stückes für Pfeifer und Tambouren von Heinz Holliger.» Holliger – ein zeitgenössischer Komponist und Oboist. Eben. Schräg.
Die Mosaiksteinchen waren rasch zusammengesetzt: Das Sinfonieorchester Basel, das in seinen Reihen selbst einige Fasnächtler und «Fasnachts-Neugierige» (Zitat Beery) hat, sagte zu – «spontan, unbürokratisch und vorallem kostenlos», erzählt Beery. Musikchef Marko Letonja inbegriffen. Das Theater Basel stellt zudem das Foyer sowie die Infrastruktur und Technik zur Verfügung. 150 Mitwirkende werden letztlich zu sehen sein. Das Experiment kann beginnen. Ein Experiment auch für die Zürcher TV-Frau Eva Wannenmacher, die als Moderatorin amten wird. «Schräg, gäll», fragt Batschelet im Gespräch.
«en Ufftaggt ist nicht Fasnacht», halten die Initianten fast schon provozierend fest. Provozieren – auch ein legitimes Stilmittel des Beery Batschelet. Kurzum: Fasnachts-Puristen und Traditionalisten werden am 29. Februar aus den Latschen kippen. «Wir versuchen einen künstlerischen Spagat zwischen E und U, zwischen klassichem Orchester und Trommeln und Pfeifen, zwischen klassischer und zeitgenössischer Musik und unserer Basler Volksmusik», gibt Batschelet Einblicke. Dennoch bleibt das Programm im Detail (noch!) rätselhaft. Was es spannend macht.
Die Höhepunkte zu erahnen, ist schwierig – jeder Programmpunkt hat es auf Grund dessen, was die Ideengeber im Vorfeld verraten, irgendwie in sich. Soll niemand erzählen, dass er sich unter einem «Arrangement für Sinfonieorchester, Kontrabässe, Alphorn, Tuba, Alte Schweizer, Kinderziigli und andere mehr» schon etwas vorstellen kann. Das Ergebnis heisst übrigens «Die SuperMegaAltenSchweizerMärsche, eine CH-Modeschau in 11 Versen». Noch schräger gefällig? Kein Problem. «Ma(s)sacrilégion d’Horreur» (herrliches Wortspiel!) ist die eingangs erwähnte «schreiende Uraufführung» aus der Feder von Holliger. Kutterer wagt sich mit «IndieTop – z’Basel an mym Ganges» an heisse indische Rhythmen für vier Trommler und fünf Schlagzeuger. In Erfahrung zu bringen ist immerhin, dass indische Mrdangam-Rhythmen (südindische Röhrentrommel) auf Basler Trommeln übertragen werden. Gleichermassen genial und naheliegend. Und Zeiser kündigt zwei «etwas andere» Schnitzelbänke an – einer davon mit Orchester-Begleitung.
Doch auch (eher) Fasnächtliches wird wie ein Sack unberechenbarer Räppli über dem Programmablauf verstreut. So ist Batschelets «Summervogel» zu hören oder wagen sich die Vereinigten Kleinbasler (VKB) zusammen mit dem Sinfonieorchester Basel an den «Spagat». Doch die nächsten «gwundrigen» Fragezeichen sind programmiert: «Bebbinelli – für pfeifende Vogelsträusse, Rezessionsorchester und stadtbekannte Solisten». Vorschlag: Lassen wir uns überraschen. Oder geniessen zum Grande Finale nochmals «brrr…». Auch schräg. Aber bekannt. Und wie! Dabei handelt es sich um den sensationellen Drummeli-Auftritt der Alte Glaibasler (AGB) aus dem Jahr 2001. Geschrieben von Mitinitiant Zeiser – auf einen einfachen Nenner gebracht: (Fasnachts-)Emotion pur.
«Die massgebliche Beteiligung der beiden altehrwürdigen Stammvereine VKB und AGB ist Ehre und Auszeichnung für diesen Mega-Event», sagt Batschelet. Irgendwie nimmt man es ihm nicht ganz ab. Dass er sich auf die beiden Cliquen und deren Auftritt freut, schon. Aber das mit der Formulierung «altehrwürdig»? Batschelet, der Traditionalist? Schräge Behauptung!
Übrigens, fast vergessen. «en Ufftaggt» heisst im Untertitel «Fasnacht jensyts vo guet und bös». Was durchaus auch als Drohung interpretiert werden kann, kommt hier als grosses Versprechen daher. Etwa dann, wenn Batschelet erklärt, dass «wir ein grosses Kultur-Fenster aufmachen, kurz bevor wir uns in die drei schönsten Basler Tage stürzen». Und was ist kommendes Jahr mit einer zweiten Auflage, Beery? Dann gibt es keinen «Schalt- und Sonntag vor dem Morgenstraich», wie es in den Programm-Unterlagen heisst. Den Schalttag neu jährlich einführen? Schräg. Zuzutrauen wäre es ihm…



