Von der Welt über Europa nach Basel

12. Februar 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

Auf allen Kontinenten macht die Kraft der Verwandlung Masken zum geheimnisvollen Gegenstand. Ob bei religiösen Ritualen, an der Fasnacht oder beim Totenkult – das Maskenaufsetzen markiert den Übergang vom Alltag in eine andere Welt. Ab dem 13. Februar zeigt das Basler Museum der Kulturen diese faszinierende Welt der Masken in «Teufel, Tod & Harlekin». Die dreiteilige Ausstellung ist terminlich gut geplant, lautet doch der Untertitel «Fasnachtstreiben und Maskentänze».

Der erste Teil im Erdgeschoss zeigt «Gesichtsmasken aus aller Welt». Wer nicht nur «face-to-face» vor ihnen stehen bleibt, sondern um sie herumgeht, kann «hinter die Maske blicken». Dort findet er auf Tafeln in deutsch, französisch und englisch viele interessante Informationen. Themen wie Mythologie, Exorzismus, Meditation, Verwandlung, Auferstehung, Schönheit und Macht sind hier aufgelistet.

Vor der Teppe zum ersten Stock steht der «Gille de Binche». Diese Fasnachtsfigur stammt aus der belgischen Stadt Binche, welche das bedeutendste Fasnachtsmuseum besitzt. An grossen Fasnachts-Fotos vorbei geht es hinauf zum Teil «Kostüme und Fratzen aus verschiedenen europäischen Regionen». Im Vorraum begrüssen den Besucher Brauchtumsfigurinen des Basler Grafikers und Cliquenkünstlers Max «Sulzbi» Sulzbachner. An den Wänden sind Zeitungsartikel ausgestellt. Sie behandeln die Diskussionen «Fasnacht ja oder nein» nach der Katastrophe von Schweizerhall und dem ersten Golfkrieg. Ein Waggis zeigt den Weg in den Saal. Im Uhrzeigersinn werden Maskenbräuche im Jahresablauf dargestellt. Beginnend mit dem Nikolaustag über die Fasnacht geht es bis zu Festen im Herbst. Rund um eine Säule in der Mitte bewundert man Masken und Figuren der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Vorbei an Relikten der «provokativ-chaotisch-avantgardistischen» Kuttlebutzer und hinterleuchteten Laternenseiten gelangt man zum «Querschnitt durch die Basler Fasnacht». In den stimmungsvollen kleinen Räumen aus dem 18./19. Jahrhundert befindet sich ein vor allem historischer Querschnitt durch die Basler Fasnacht. Und wer der Meinung ist, dass die Fasnacht, wie wir sie heute zelebrieren, die allein seligmachende Form sei, weil es schon immer so war, der wird hier eines Besseren belehrt. So sind auf Zeichnungen alte Fastnachtszüge (ab 1850) und der Basler Carneval (1891) zu sehen. Daneben geben Fasnachtszeedel, Fasnachtszeitungen, Laternenentwürfe, Dokumente zum Schnitzelbangg-Singen und viele Fotos (auch von Maskenbällen) einen weiteren interessanten Einblick in die Entwicklung unserer Fasnacht. Ein Thema widmet sich den Anfängen der Maskierung, wo zunächst Metall-, Holz- und vor allem Wachslarven getragen wurden. Dann folgt der Übergang zu frühen Papiermaché-Larven bis hin zu den bekannten Künstlerlarven. In einem Raum sind Einzellarven, Cliquenlarven und Köpfe für den Tambourmajor ausgestellt. Es sind vor allem Werke aus der Hälfte des 20 Jahrhunderts.

Liebevoll eingerichtet ist ein «Larvenatelier», wo der Meister, in einem Chaos von Papier, Larven, Pinseln und Farben eben eine Larve kaschiert. Auch der kleine Raum «Am späten Fasnachtsmontag in der Baiz» wirkt wie echt. Während die Serviertochter eifrig mit Bierzapfen beschäftigt ist, sitzen drei Masken um einen Tisch. Und in einer Ecke trägt eben die legendäre «Kaffimihle» ihren Bangg vor. An den Wänden der einzelnen Räume entdeckt man zudem viele eindrückliche Sprüche über die Fasnacht. So etwa jenen vom Publizisten Hanns U. Christen alias –sten: «Das Allerschlimmste, was einem Menschen an der Fasnacht passieren kann, ist: dass er kein Basler ist!».