Drummeli 2004: Trotz technischer Panne ein gelungener Auftakt

15. Februar 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

Musikalisch ist der Auftakt zum Monstre-Trommelkonzert 2004, kurz Drummeli genannt, im Grossen Festsaal der Messe Basel sehr gut gelungen. Leider spielte aber die Technik nicht mit. Der Beamer, welcher bei der Hauptprobe am Nachmittag noch tadellos funktionierte, verweigerte seinen Dienst. Verzerrte oder gänzlich ausfallende Bilder störten die Vorträge der Stammvereine so stark, dass Urs Weiss, Monstre-Verantwortlicher des Fasnachts-Comités bekanntgeben musste, man habe ihn abschalten müssen. Aus diesem Grund ging so mancher Gag, auch bei den Rahmenspielen, leider verloren. Am schlimmsten traf der Ausfall den Central Club Basel (CCB): Ihre «Retraite Diable» war ganz auf Beamer-Effekte aufgebaut, so dass das Premieren-Publikum auf die witzige Nummer verzichten musste. Als ob sie es geahnt hätten, übersetzten sie das CCB am Nachmittag mit «Catastrophe Club Basel». Nomen est omen!

Eröffnet wurde der musikalische Teil durch die Opti-Mischte – mit Pfeifern als Weihnachtsbeleuchtung, Tambouren als rote Niggi-Näggi, und der Tambourmajor kam als Weihnachtsbaum daher. Ob das Medley aus Weihnachtsmelodien ab heute wohl noch besser klingt, wenn die Pfeifer Verstärkung durch das allerhöchste Comité-Mitglied erhalten? Die Wiehlmys führten mit den «Neye Glaibasler» auf eine Baustelle. Anscheinend waren sie etwas lärmgeschädigt, denn Pfeifer und Tambouren waren sich im Tempo nicht immer ganz einig. Mit einer Neuheit warteten die Naarebaschi auf. Michael Robertson hat zum bekannten Trommelmarsch «dr Ueli» einen nicht einfachen Pfeifertext geschrieben. Auch bei den Pfluderi (es gibt sie schon seit 75 Jahren) lief beim «Colonel Boogie March» das Zusammenspiel zwischen Pfeifern und Tambouren (mit einer Bass Drum) nicht immer rund. Gut der «Pinocchio», welchen die Rootsheere vortrugen.

Nicht leicht verdauliche Kost bot der Barbara-Club, bei einem optisch sehr schönen Auftritt. Ganz im Zeichen der blauen Periode boten sie den schweren, mehr konstruierten als komponierten «Picasso» hervorragend. Das lange Proben hat sich gelohnt. Mit einer köstliche «Arabi»-Parodie begeisterten die Verschnuuffer. Sie spielten einen halben Vers und sangen die zweite Hälfte. Nach kurzem Zögern machte das Publikum mit, und am Schluss spendeten sich Akteure und Publikum gegenseitig Beifall. Mit dem «Saggodo» bewarben sich die Giftschnaigge um den Titel Monstre-Superstar 04. Ein einwandfreier Vortrag. Die abschliessende Jurierung war eher witzlos und roch nach Selbstbeweihräucherung. «Im Fuaiee» herrschte beim Dupf-Club emsiges Treiben, während die Clique unsichtbar hinter einer Wand im Saal spielte. Die Idee, je nach offener oder geschlossener Türe forte oder piano zu spielen war glänzend, klappte aber noch nicht bis ins Detail.

Mit rassigen, aber etwas zu perfekt gespielten Melodien eröffnete die 50-jährige Guggemusig Mohrekopf den zweiten Teil. Ganz in schwarz und einem Tambourmajor in rot-blau, so «huldigte» die Märtplatz dem «Oeri-Myggeli». Der alten Muba trauerte die Rätz nach. Wie diese musste ihr Tambourmajor, ein stolzer Hahn, beim «Festival» im wahrsten Sinne des Worts Federn lassen. Umringt von Nonnen zeigte ein Priester auf einer Kanzel Vers für Vers des «Nunnefirzli» an. Seine Muggedätscher liessen sich aber dadurch nicht aus dem Takt bringen. Die Aagfrässene wollten zusammen mit den Rosshofspatze, den Jeisy Migger und der Güete Bonjour Clique die Hochzeit zwischen Stadt und Land feiern. Doch trotz einem rassigen «Baslermarsch» gelang dies nicht. Noch einmal Weihnachten zauberten mit tausend Lichtlein die Basler Bebbi auf die Bühne. Ihren «Fritzli» von Michi Robertson trugen sie sauber vor, wie es sich für eine Welturaufführung gehört. Zirkusluft wehte bei der Olympia mit ihrer «Gloonschuel» über die Bühne. Gepfiffene Zirkusmelodien wurden mit Luftballons und Händeklatschen untermalt, und auch eine zersägte Jungfrau durfte nicht fehlen. Als «Blumenwiese» liessen die Versoffene Deecht den «Pappillon» fliegen. Extra-Beifall erhielt ihr Tambourmajor, welcher als dicke Made den Marsch ansagte und als riesiger Schmetterling abwinkte. Inmitten von Apfelbäumen bot die Seibi den «Calvados». Was der Gag des Puppentheaters mit Adam und Eva sein sollte, bleibt wohl ihr Geheimnis. Um ihre Laterne geschart nahmen die Lälli am Donnerstagmorgen Abschied von der Fasnacht. Zwar schlug die Münsterglocke vier Mal, doch am Abend fehlte aus bekanntem Grund das gebeamte Münster im Hintergrund.

Grossen Beifall, nicht nur von Fussballfans, erhielt die Pfyffer- und Drummelschuel der Naarebaschi. Alle, Binggis und Jungi Garde, outeten sich in rot-blauem Dress als FCB-Fans. Kunststück, stehen sie doch schon «25 Joor uf em Raase». Beginnend mit Mamme-Babbe und der Tonleiter endete ihr Vortrag sinngemäss mit der Melodie «FC Basel, Schwyzermaischter».

Der Bangg Stächmugge gab einen ersten Einblick in die Themen des Banggjahrgangs 04: CVP, Post, Avanti-Initiative und Berlusconi waren Themen seiner guten Verse. Lustig die Schlusspointe zum Schnaabelbryys. Sensationell wieder einmal der Auftritt vom Singvogel. Lag es daran, dass jeder Vers von einer andern Institution «gesponsert» wird? Für seinen schon zur Tradition gewordenen Bandwurmvers gibt es nur einen Ausdruck: «Sackstark!»

Das Niveau der acht «Raamestiggli» war, trotz sehr guter schauspielerischer Leistung unterschiedlich. Ganz schwach der «Konkor-Tanz» im Bundeshaus und «Hänn si none Froog, Herr Ooberscht?» Ein Carnevals-Müsterchen gefällig? «Hän si no Sex, oder spiele si scho Golf?» Die Wetterschau mit der sich ständig versprechenden Meteorologin war viel zu langatmig. Ausserdem gehörte sie zu jenen Beamer-Geschädigten, wo so mancher visuelle Gag wegfiel. Gut der Prolog, in welchem sich die BaZ die Frage gefallen lassen musste: «Was soll dä Bachmaa doo? Worum hän die kai Fachmaa gnoo?» – sowie der Epilog. Auch «dr bloggt Bürgerblock» hat sehr gute Pointen und Wortspiele. Eindrücklich die Solonummer «Dr Dood», wo sich der Sensenmann beklagt, dass ihm die Pharma-Industrie ständig ins Handwerk pfusche und es keine Höhepunkte wie die Pest mehr gäbe. Doch Bush, Sharon und Arafat liessen ihn wieder auf bessere Zeiten hoffen. Absoluter Höhepunkt dann die «Sch-naabelschau», bei der am «1. UBS Schnitzelbangg Contest 2004» Ospel den SuperStar unter den Bängglern suchen lässt. Sollten im Atlantis die bewusst schlecht oder übertrieben vorgetragenen Verse so unverschämt gut sein wie hier, dann wird es ein Riesenerfolg. Wenn nicht, dann heisst es eben «Ei du armer, ei du armer, ei du armer Schnitzelbangg».