«Wir sind nicht stinksauer!»

21. Februar 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

Entgegen der «Blick»-Schlagzeile sind wohl die wenigsten Basler «stinksauer» über den «Schnabelbryys». Von einem eigentlichen Boykott kann auch nicht die Rede sein – es war und ist den Schnitzelbänken aller Gesellschaften freigestellt am «Schnabelbryys» teil zu nehmen. Den meisten Schnitzelbänklerinnen und Schnitzelbänklern, die wir kennen, ist aber ein
solcher Anlass einfach fremd und erzeugt mit seinen wirtschaftsorientierten Mechanismen eher Gleichgültigkeit als Wut.

Was uns jedoch nicht gleichgültig lässt, sind all die Mutmassungen über die Gründe, weshalb wir uns von Herrn Ospel nicht bewerten lassen wollen.

Die Frage nach dem besten Schnitzelbänkler wird in unseren Kreisen gar nicht gestellt. Man ist sich bewusst, dass in der eigenen Schnitzelbank-Biographie schlechtere und bessere Jahre vorkommen und freut sich auch, wenn einem
Kollegen ein guter Vers gelingt. Wer die Basler wirklich kennt, der weiss, dass das «Ellebögele» um Gunst und Anerkennung auf Kosten Anderer nicht zu unserer Mentalität gehört. Wer deutlich nach aussen trägt, dass er sich selbst für den Besten hält, verliert in unserer Stadt bald an Bonuspunkten. Die «Schnabelbryys-Idee» widerspricht hier gleich mehrmals diesem
ungeschriebenen Gesetz.

Fragt man das Schnitzelbank-Publikum, welchen Bangg es momentan für den
Besten hält, dann steht bald einmal der «Schorsch vom Hafebeggi 2» an erster Stelle. (Manchmal bekommt man auch zu hören, dass es das «Anggebliemli» oder das «Zyttigsanni» sei.) Würde sich nun der «Schorsch» beim «Schnabelbryys» anmelden, dann entsteht unterschwellig der Eindruck, er halte sich selbst
für den Besten und genau das passt überhaupt nicht zu seiner Art. Der «Schorsch» ist ein sympathischer Kerl, der sich mit seinen Kumpanen ohne hochgestochene Verse, mit einfachem Witz und einem äusserst lebendigen Auftritt
in die Herzen der Leute singt. Das Gerangel um einen ersten Platz hat er bestimmt nicht nötig.

Wir «Stroossewischer» gehen auch nicht zum «Bryyssinge», aber spätestens jetzt
entsteht das «eggelhaft» Doppelbödige dieser Veranstaltung, die einen fast bösartigen Keil in die Basler Fasnachtswelt treibt: «Aha, die maine also
au, sy syyge eso guet und haiges nit neetig?»
Natürlich haben wir es nötig und gehen trotzdem nicht dorthin!

Vor rund 80 Jahren haben sich bereits einmal verschiedene Fachleute zusammengetan,
um dem damals noch wilden Haufen der Basler Schnitzelbänke eine Form zu geben. Neben den anderen Gesellschaften beurteilt auch das Schnitzelbank-Comité uns Comité-Bängg heute noch in vielseitiger Hinsicht und steht uns – wenn
nötig – beratend zur Seite. Klar, dass sich nicht alle mit der alljährlichen Kritik und den Anregungen anfreunden, aber immerhin stösst unsere Jury auf
Akzeptanz. Zum einen besteht sie auch aus Künstlern, Sprachexperten und ehemaligen «Bängglern», zum andern wird die Prämierung nicht zur Schau gestellt, erst recht wird keine Rangliste veröffentlicht.

Das Kräftemessen – wenn es überhaupt ein solches gibt – findet in den Beizen
und auf den Bühnen statt. Das Publikum liefert uns die härteste Kritik. Aber auch hier sind die Erfahrungen und Erlebnisse recht unterschiedlich; während der eine Schnitzelbank in einer Beiz eher schlecht abschneidet und ein anderer
«Bangg» in derselben Beiz einen vollen Erfolg feiert, kann es in der nächsten Beiz aus unerklärbaren Gründen genau umgekehrt sein.

Herr Marcel Ospel bringt seine Meinung klar zum Ausruck: Das Schnitzelbankwesen
habe sich nicht weiter entwickelt und es mangle ihm an Qualität (siehe Interview mit Basler Fasnacht Online). Dies lässt zwischen den Zeilen durchblicken, dass die bestehenden Gesellschaften ihren Job nicht richtig machen und erweckt unweigerlich den Eindruck, Herr Ospel
halte sich selber für kompetenter als das Publikum und alle Schnitzelbank-Gesellschaften
zusammen. Es erscheint daher nur logisch, dass dies verschiedenen Leuten sauer aufstösst.

Wie würden wohl die Basler Tambouren reagieren, wenn nebst dem offiziellen
«Bryysdrummle» eine branchenfremde Person auf die Idee käme, den besten Tambour
der Stadt Basel küren zu wollen? Dies mit der Begründung, die Tambouren hätten
sich nicht weiterentwickelt! Dabei sollen sich ebenfalls die Altmeister des
Trommelns beurteilen lassen und zwar (bei aller Sympathie) von Fussballern
oder Politikern. Es bliebe nebenbei auch völlig ausser Acht, dass diese Jury
sich aus zeitlichen Gründen gar nicht alle Tambouren anhören kann?
Ich bin sicher, dass sich nur wenige Tambouren finden würden, die sich
diesem Wettbewerb stellen wollen und erst recht keine, die anschliessend
mit einem «Goschdyym» an der Fasnacht auftauchen wollen, welches den Schriftzug
trägt: «Y bi der UBS-Drummelkeenig 2004!»

Wenn sich Herr Ospel seine eher negative Meinung über den Basler Schnitzelbank an den Live-Übertragungen von Telebasel oder Radio Basilisk
geholt hat, dann könnte man ihm ja beinahe recht geben. Es liegt dort aber leider in der Natur der Sache, dass diese Medien mit einem äusserst knappen Budget nur wenig Aufwand betreiben können und solche Orte auch «Schnitzelbänggler»
anziehen, die es im Grunde genommen gar nicht sind.

Ob sich die wohl gut gemeinten 300’000 Franken in Zukunft positiv auf den Basler Schnitzelbank auswirken, wird davon abhängig sein wie sie eingesetzt werden. Entweder findet
sich eine bessere Investitionsmöglichkeit, die allen zu Gute kommt, oder wir haben mit dem «Schnabelbryys» soeben die Geburt einer weiteren Schnitzelbank-Gesellschaft miterlebt, die nun für sich den Anspruch erhebt, die Beste zu sein.

Weitere Informationen:

aktuelle BFO-Umfrage zum «Schnabelbryys»