Vom Tischplan, über die Zwiebelwähe bis zur Putzequipe haben die Basler Restaurants, Beizen und Bäckereien bereits alles für die
bevorstehende Fasnacht geplant. Die Vorbereitungen für die drei «Power-Tage»
laufen schon seit Monaten heiss. Wirte, Bäcker und Verkäufer stehen nun in den Startpflöcken und scheinen für den «Kampf» gerüstet zu sein.
Schon im August haben die meisten Pächter mit den Reservationsabklärungen
begonnen. Cliquen und Schnitzelbänkler wurden kontaktiert und zu Programm-
sowie Menüvorschlägen aufgefordert. «Das muss alles sehr sorgfältig
organisiert werden, und die Gäste müssen uns ihre Bestellungen auch
schriftlich bestätigen», erklärt Raeto Steiger, der Inhaber des Hotel Basel.
Auch müssen Gespräche mit Lieferanten, Dekorateuren und Aushilfen geführt
werden.
Das Personal scheint besonders wichtig zu sein, denn die wenigsten Lokale
kommen während der hektischen Zeit mit den bestehenden Angestellten aus. Die
Hotels und die grossen Restaurants brauchen nahezu 40 Hilfskräfte mehr als
gewöhnlich. «Es sind in erster Linie ehemalige Mitarbeiter aus der
Innerschweiz, die während der Basler Fasnacht extra eine Woche Ferien
machen, um bei mir aushelfen zu können», sagt Peter Proschek, der Wirt des
Stadtkellers. In vielen Fällen handelt es sich um Hilfskräfte, die bereits
Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt haben. Auch Studentinnen und
Studenten werden häufig eingesetzt. «Bei uns sind sowohl Studenten als auch
Schüler immer herzlich willkommen», bekräftigt die Geschäftsführerin der
Fischerstube Monika Ribery. Die seien ihrerseits auch froh, wenn sie
zwischendurch ein wenig Geld verdienen könnten.
Da Fasnachtsanlässe viel Platz benötigen, müssen sich die Wirte eine
möglichst effiziente Sitzordnung ausdenken. So werden oft die breiten,
pompösen Stühle durch einfachere und schmälere Sitzgelegenheiten, wie zum
Beispiel Hocker, ersetzt. In einigen Restaurants findet sogar ein
regelrechter Umbau statt: Der Löwenzorn und das Stadtcasino räumen das
gesamte Original-Mobiliar weg und stellen eine «fasnachtstaugliche»
Festgarnitur auf. «Die Fasnächtler verzichten gerne auf Luxus solange
Stimmung und Qualität vorhanden sind», findet Felix Bigliel, der Direktor
des Stadtcasinos.
Die Basler Bäckereien müssen vor allem ihren Zwiebel- und Käsevorrat
aufstocken, damit die hungrigen «Morgenstreichler» nach dem Umzug in eine würzig duftende Wähe beissen können. Jean-Claude Kühner, der Juniorchef der
Bäckerei Konditorei Kühner hat für den Fasnachtsauftakt am Montag mit
ungefähr 350 Kilogramm Zwiebeln und 200 Kilogramm Käse gerechnet. Zudem muss
auch der Transport der unzähligen Wähen berücksichtigt werden. Sie hätten
hierfür spezielle Kisten aus Karton, erklärt Gabriel Barell, der
Geschäftsführer der Bäckerei Konditorei Sutter. Diese seien bereits Ende
letztes Jahr von den Mitarbeitern gefaltet und in der Zentrale
bereitgestellt worden.
Wichtig ist, dass alle Mitarbeiter seelisch und körperlich fit sind, um den
dreitägigen Marathon unversehrt zu überstehen. Viel Schlaf und eine gesunde
Ernährung gehören ebenso zu den Fasnachtsvorbereitungen, wie die Bier- und
Weinbestellungen. «Man muss sich einen Langstreckenläufer vorstellen, der
jeden Tag fünf Kilometer zurücklegt und dann plötzlich 15 Kilometer
bewältigen muss», zieht Lorenz Meier, der Pächter des Schnabels, einen
Vergleich. Es sei zwar ein hartes Stück Arbeit, doch die Zufriedenheit der
Gäste mache die Anstrengung wieder wett.
Infobox
Viele verzichten auf höhere Preise
«Höhere Preise? Nein.». So reagierten acht von neun befragten Basler Wirte
auf das Stichwort Fasnachtspreise. Es sieht ganz so aus, als wolle praktisch
niemand übermässig vom Fasnachtsbetrieb profitieren. «Wir wollen, dass uns
unsere Gäste auch während des Jahres treu bleiben», erklärt der
Stadtkeller-Wirt
Peter Proschek. Aus diesem Grund müsse man sich während der Fasnacht einen
guten Ruf machen,
und Preiserhöhungen würden da eher das Gegenteil bewirken. Dieser Meinung
sind die meisten der angesprochenen Wirte und Pächter der Restaurants zum Schnabel, Fischerstube,
Stadthof, Hotel Basel, Stadt-Casino und Löwenzorn. Einige haben für ihre Stammcliquen sogar speziell
niedrige Preise. So können zum
Beispiel die Basler Bebbi im Restaurant Safran Zunft gewisse Artikel
günstiger erstehen als andere Gäste. Doch Ausnahmen gibt es immer: Walter
Braun, der Wirt des Gifthüttli gibt ehrlich zu, die Preise an der Fasnacht
anzuheben. «Schliesslich müssen wir das zusätzliche Personal
und den ganzen Umtrieb ja irgendwie bezahlen», rechtfertigt sich Braun.
(ale)



