«Helau Mainz!»

26. Februar 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

Wenn Ihnen während der Fasnacht eine Clique entgegenkommt, mit den Armen fuchtelt und «Helau!» brüllt, dann haben Sie sich nicht an den Karneval nach Mainz verirrt, sondern die Wettstai ist der Macht der Gewohnheit verfallen. Die Stammclique war nämlich letztes Wochenende drei Tage in Mainz und nahm als Höhepunkt der kurzen Reise am Fasnachtsumzug am Rosenmontag teil. Andere Fasnachten, andere Sitten: Besagtes «Helau» ist der Schlachtruf der Mainzer Fasnacht, den sich sowohl Aktive als auch Zuschauende bei jeder Gelegenheit zurufen. «Die Mainzer fragten uns, welches denn unser Schlachtruf sei; da mussten wir halt passen», erzählt der Obmann der Wettstai-Clique, Peter Kolp, im Gespräch mit Basler Fasnacht Online.

Ein Mitglied der Wettstai-Clique hatte letztes Jahr bei einem Cliquenbummel mit einer Pfeifergruppe Kontakt zum Mainzer Carnevals Club, kurz MCC, geknüpft. Der MCC ist mit 150 Mitgliedern einer der grossen vier Mainzer Karnevalsgruppen. Schnell wurde im Gespräch klar, dass der MCC eigentlich schon lange gerne einmal eine Basler Fasnachtsclique am Umzug dabeigehabt hätte. Gesagt, getan; nach Absprache mit dem Vorstand und einem positiven Beschluss an der Generalversammlung fuhren am vergangenen Samstag zwei Drittel der Wettstai-Clique nach Mainz, um dort Fasnachtsluft zu schnuppern.

In Mainz wurde die Stammclique vom Marschall des MCC erwartet. Ein vielfältiges Programm erwartete die Basler in den nächsten Tagen: Kinderumzug, Gardenumzug mit verschiedenen Musik-Corps, Maskenball in der Rheingoldhalle mit 6000 Leuten (obwohl in die Halle eigentlich nur 4500 Personen passen würden…) sowie Stadtbesichtigung inklusive Regierungsgebäude und Mainzer Fasnachtsbrunnen. Ausserdem brachten die Basler am Sonntag ihren Gastgebern im Theater ein Ständchen und bedankten sich mit Geschenken und einer Gastbüttenrede des Wettstai-Obmanns für die Einladung, bevor sie sich mit einem donnernd dreifachen «Helau, Helau, Helau!» verabschiedeten und bis zum Eindunkeln durch Mainz gässelten.

Und schliesslich der Montag: «Zum Teil von den letzten zwei Nächten schon ziemlich gezeichnet, formierte sich die Wettstai im Charivari mit 12 Vorträblern, 27 Pfeifern und Pfeiferinnen, 17 Tambouren, einem Pauker und zwei Tambourmajoren im Tross des Rosenmontag-Umzugs», erzählt Peter Kolp. Die Mainzer sind tolerant bei der Teilnahme an ihrem Umzug, sie seien mit offenen Armen empfangen worden, versichert der Wettstai-Obmann. Der Mainzer Carnevals Club nahm mit Fahnenträgern, einer Musikkapelle, zwei Wagen und einer Frauen-Tanzgruppe am Umzug teil, letztere lief vor der Wettstai her. «Die Frauen dachten eigentlich, sie könnten zu unseren Märschen tanzen, was sich dann aber als nicht so einfach erwies», erzählt Peter Kolp lachend.

Die Umzugsroute in Mainz beträgt sieben Kilometer, wird allerdings ohne Pause und ohne grössere Staus marschiert. «Nach nur zwei Stunden erreichten wir völlig ausgepumpt, aber überwältigt von allen Erlebnissen auf der Umzugstrecke den Endpunkt», erzählt Kolp. Die Wettstai-Clique hat für den Rosenmontag-Umzug extra einen Fasnachtsorden mit ihrem Cliquen-Logo aus Kupfer machen lassen. Diese Orden sind Tradition in Mainz, auch Peter Kolp hat dies erfahren, als er sich mit dem Ehren- und Vize-Präsident des MCC auf der Zuschauer-Tribüne auf dem Gutenbergplatz traf. «Ich kam mir vor wie ein Christbaum, so behängt war ich nachher», lacht der Wettstai-Obmann.

«Wir möchten den Kontakt mit dem Mainzer Carnevals Club auf jeden Fall beibehalten und das beruht auch auf Gegenseitigkeit», sagt Kolp gegen über Basler Fasnacht Online. Diesen Sonntag erwartet die Wettstai drei Gäste aus Mainz zu ihrer Laternentaufe.

Insbesondere der riesige Zuschauer-Aufmarsch beim Umzug – etwa eine halbe Million Leute, mit oder ohne Pappnase und Narrenkappe – beeindruckte die Basler Clique. Alle von der Wettstai, die mit dabei waren, sind von der Reise nach Mainz begeistert. «Nicht nur wir Basler können Fasnacht machen, unsere deutschen Freunde stehen uns in nichts nach – von den grossen Motivwagen werden zum Beispiel tonnenweise Süssigkeiten unter das Volk geworfen; einfach unglaublich», so Peter Kolp. «Allen, die Fasnacht noch eine Dimension grösser als bei uns erleben möchten, kann ich eine Reise nach Mainz oder auch Köln nur empfehlen,» sagt Peter Kolp und fügt an, dass die Wettstai nun voll im Saft für die «drey scheenschte Dääg» sei. Nun denn: «Helau Fasnacht!»