Vor 29 Jahren wurden am Donnerstag vor der Fasnacht die Drei Könige über dem Portal des gleichnamigen Hotels am Blumenrain erstmals durch die Lufthyler-Waggis in Waggiskostüme gesteckt. Diese Tradition hat sich glücklicherweise bis heute erhalten. «Sie entstand aus der Idee, an der Fasnacht den Aktiven die Schwellenangst vor dem Nobelhotel zu nehmen», so Pitt Buchmüller, Obmann der Wagenclique.
Am Morgen fallen noch vereinzelte Schneeflocken. Dazu ist es kalt. Auf der Fahrt zum Blumenrain zeigt das digitale Thermometer am Aeschenplatz ein Grad Celsius. Kein Wunder, dass die Wasserspeier im Tinguely-Brunnen leicht vereist sind. Um halb zehn Uhr ist es vor dem Hotel Drei Könige noch ziemlich ruhig. Doch nach und nach strömen immer mehr Kinder mit ihren Eltern herbei. Sie ergattern sich rasch einen der blauen Luftballone und eine Postkarte. Auf ihr steht: «Diese Karte wurde an der Waggis-Verkleidung im Hotel Drei Könige in Basel von Kindern mit einem Ballon abgeschickt. Bitte senden Sie die Karte zurück an das Hotel Drei Könige. Unter den Einsendungen werden Preise an die Kinder verlost. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.». Und schon bald machen sich die mit dem Absender versehenen Ballone an den Tram-Oberleitungen vorbei auf eine möglichst weite Reise.
Inzwischen ist das Thermometer auf frühlingshafte vier Grad geklettert, doch ab und zu weht eine eisige Bise. Betreuerinnen von Tagesheimen kommen mit ihren Schützlingen. Viele Kinder sind kostümiert und haben kleine Läggerli-Trommeln, auf denen sie eifrig wirbeln. Auch immer mehr Erwachsene versammeln sich auf dem Trottoir vis-à-vis des Hotels. Da hier ziemlich viele Trams, Busse, sowie Personen- und Lastwagen fahren, haben die Verkehrspolizisten alle Hände voll zu tun. Aber dank gegenseitiger Rücksichtsnahme klappt alles reibungslos.
Punkt zehn Uhr erklingt vom Fischmarkt her das Tatü-Tatü des offenen Polizei-Oldtimers mit acht Lufthyler-Waggis an Bord. Beim Einbiegen in den Blumenrain beginnt die Guggemuusig «Krach-Schnygge 1964» auf dem Balkon des Hotels zu spielen. Das folgende Fahrzeug der Basler Berufsfeuerwehr fährt die lange Leiter aus, und die Verkleidung der Könige beginnt. Vom Himmel fallen nun Räppli statt Schneeflocken. Die Lufthyler sind nun voll damit beschäftigt, volle Tabletts mit Sirup, Weiss- und Glühwein, sowie heissen Kääskiechli über die Strasse zu balancieren. Natürlich greifen alle herzhaft zu, so dass die 450 Kääskiechli im Nu verspeist sind. Inzwischen haben sich die «Schnygge» vor dem Hotel aufgestellt. In ihren roten Uelikostümen mit grünem Umhang, goldenen Stiefeln und der Krone auf der Waggislarve sehen sie fantastisch aus. Mit rassigen Melodien unterhält die dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum feiernde Gugge die Zuschauer, bis kurz vor elf Uhr auch der letzte König eingekleidet ist.
Beim Apéro im Hotel Drei Könige war natürlich der erneute Verkauf des Hotels das Gesprächsthema Nummer eins. Alles rätselt, wer wohl der neue Besitzer sein oder werde. Und auch der «Schorsch vom Hafebeggi II», der wie immer mit seinen tollen Versen begeistert, singt abschliessend:
Sitzisch mit irgend aim am Disch,
denn waisch nie, ob är dr ney Bsitzer isch!
Bleibt zu hoffen, dass nächstes Jahr die 30. Waggis-Verkleidung trotz allem stattfinden wird.



