WAGEN- UND GUGGEN-CORTÈGE: Das häufigste Sujet hält uns kaum gefangen

1. März 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

Die Wagenclique Samba-Waggis hat zum Auftakt des Cortège am Steinenberg bei strahlendem Sonnenschein und überraschend angenehm warmen Temperaturen ein passendes Sujet: zehn kleine Rogers sind fleissig am Üben und schwingen das Racket bald einmal masterhaft. Statt Tennisbällen smashen sie einfach Dääfi und Plüschtierli ins Publikum. Im Kontermarsch, vom Bankenplatz her, kommt ein erstes Mal Pascal
Couchepin daher. Er dirigiert das
Stachelbeeri-Streichorchester, das aus lauter armengenössigen Rentern besteht. Gekreuzt werden sie von den Gaschtro-Noome, die als 41 Musketiere ihr 25-jähriges Bestehen feiern und dabei kein Blatt vors Muul nehmen, weil sie eben «d Schnure zem Bloose bruuche».

«Rollstääge-Lämbbe, d Suechi noo der Yysebaan» heisst das Sujet der Wagenclique Kloschterräbe, und richtigerweise intrigieren auf dem Wagen keine Waggis, sondern eben acht Dummpeeter. Die jubilierende Gugge Fährischiffli stolziert als bissige Pharaonen den Steinenberg hinauf, und wie wenn jetzt ein würdiges Ständeli zu ihrem 25. Geburstag fällig wäre, schränzen die renommierten Fuege-Fäger im Kontermarsch vorbei. Ihr Major ist «d’Dosé in der Biggse», und das Spiel besteht aus rund 50 Billig-Flug-Piloten – herrlich kostümiert. Auch die vier Lumpeditti, die erste vom Bankenplatz daherrollende Chaise, lassen sich nicht lumpen. Sie spielen das Gamgoas-Haus des Zolli aus und sind wunderschöne Löwen-Leoparden. Farblos dagegen wird für die Gillerugger immer mehr Basel. Ihr Wagen zeigt eine Barszene des Dupf-Club, der leider nach Zürich abwandert (keine Bange, liebe Tambouren- und Pfeiferfreunde, gemeint ist nicht die traditionsreiche Clique aus dem Pfeffergässlein…).

«Schloof-Bebbi-Schloof» meinen auch die Steine-Gwäggi, aber nicht im selben Sinn, sie spielen schlicht das Schlafschiff aus, das im letzten Herbst am Grossbasler Rheinufer geankert hat und jenen zur Verfügung stand, die ein Mittagsschläfchen machen wollten. Diese machten ihr Nickerchen mit Sicherheit nicht im Strau, das tun höchstens die Wäglitramper – ihr Wagen besteht aus gar nichts anderem…
Ob es im «Freilaufstall vom Margreethehügel» Strau hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls widmen sich die Rätzebälle 1957 diesem Sujet, und die vergoldeten Kühe laufen frei und glücklich vor dem Wagen einher. Nachdem schon zuvor die Vorstadt-Glunggi Binnige und die Zoggelispalter mit dem Sujet Waaghof-Ausbrecher am Comité vorbeigezogen sind, finden es D’Nasegnybler «au zem flüchte». Sie tun dies wortwörtlich – die vier Schuugger und die vier Knaschtis steigen vom Wagen und präsentieren den Kiebitzen am Strassenrand auf ihren Serviertabletts allerlei Gluschtigs.

Wer gehofft hat, dass die Gugge Mohrekopf, die ihren 50. Geburtstag feiert und deswegen auch am Drummeli mitwirken durfte, jetzt vor dem Comité besonders fääge würde, sieht sich getäuscht: ausser trommeln nichts gewesen.

Gleich zwei Wagen hintereinander spielen das Verhältnis zwischen beiden Basel aus. Vier Stadtwaggis und vier Landwaggis der Räppli Wamser, die allerdings nur Wert darauf legen, ihrem Namen alle Ehre zu machen, und die Burgfälderhofwaggis – sechs Bebbi und sechs Rampasse, die sich gemeinsam schämen.

Ein Sujet, das von einigen Wagen ausgewählt worden ist, gefällt auch den Chegel-Waggis: «Basel suecht der Superwaggis». Wenn’s ums Intrigieren geht, müssen sie selbst noch fest üben, bis sie sich super nennen können. Ihr TV-Studio-Wagen mit neun Produzenten-Waggis lässt sich aber sehen. Noch mehr aber derjenige der Buure-Lümmel. Sie meinen «Ai–da…/Ai–deert», und auf ihrem Wagen sitzen 13 Fellachen auf Pferden, die sie vor- und rückwärts bewegen können – ein
Meisterwerk!

Nomen est omen? Just in dem Moment, da die Gruppe Wätterhäxe vorbeikommt, verzieht sich die Sonne, es wird dunkler und empfindlich kühler. Für einige Zeit auch bei den Sujets, kommen doch immer mehr Ausbrecher vorbei, denen es im Untersuchungsgefängnis Waaghof nicht gefallen hat: die Klybegg-Chnulleri, die Chropf-Clique-Rieche oder auch die Guggenmusik Baggemugge, die meinen «immer mehr Ganove haue ab». Abhauen ist vielleicht auch ihr guggeinternes Problem, haben doch diese renommierten Schränzer schon bessere Zeiten gesehen…

Wie gut «wir Basler» doch sind, zeigen die Grachsymphoniker mit Roger Federer als Major und dem Spiel als Top Secret Agenten, oder die Rätsch-Beeri in wunderheerlig leuchtendem blau-rotem Tüll. Von leuchtend kann vom Wetter am späten Nachmittag nicht mehr die Rede sein. Dunkelgrau ist’s und bitterkalt. Daran ändert auch nichts mehr, als die Herremättli-Clique mit ihrem Prachtswagen anrollt. «S wird alls wie haisser», wollen sie uns weismachen, die elf schwitzenden Pinguine in der Wüste…