Was sich schon bei der Trockenlese abgezeichnet hat ist am Montagabend im Jurylokal des Schnitzelbangg Comités im Theater Basel bestätigt worden. Der diesjährige Schnitzelbangg-Jahrgang ist von eher mittelmässiger Qualität. Die das Publikum echt begeisternden Schnitzelbangg-Formationen lassen sich an einer Hand abzählen. Das liegt sicher auch an der im Vergleich zu anderen Jahren deutlich reduzierten Sujet-Auswahl: Nach dem zehnten mittelmässigen Vers über den «Wooghof» mag niemand mehr – wenn auch nur aus Höflichkeit – noch lachen, weil es einfach nichts zu lachen gibt.
Auch d Stroosewischer, die den Schnitzelbank-Marathon eröffnet haben, bekundeten erstaunlicherweise einige Mühe, das Publikum auf Touren zu bringen. Nachgeliefert sei von ihnen hier der Vers, der zum Helgen in der gestrigen bz gehört:
Jä an däm Stromuusfall
im Land vom Berlusconi,
do sygy d Schwyz dra dschuld
– bewiise isch das nooni.
Denn bi däm Maa hets doch
scho lengschtens s Birli butzt,
das gseesch em aa, do het au s Lifting gaar nyt gnutzt!
Zu gefallen wusste der Fäärimaa mit diesem Vers:
Es beweggt sich öbbis by dr BaZ
ändlig ruumt der Platz der Platz.
Jetzt dien sich zum Neue
so Gselle gselle
wo me nit sott an wichtigi Stelle stelle.
Apropos «Wooghof»: Zu den wenigen, die diese Pointe auch mit dem Helgen nicht frühzeitig verraten, gehören d Gluggersegg:
Wenn s dy fascht verjaggt vor Fraid,
denn klatsch in d Händ,
klatsch in d Händ
Wenn s dy fascht verjaggt vor Fraid,
denn spray an d Wand,
spray an d Wand
Wenn s dy fascht verjaggt vor Fraid,
und de Fraid wottsch uuseloo
muesch im Wooghof
aifach duur e Wändli goh.
Auch die Basler Regierung ist so brav geworden, dass ihre Mitglieder kaum mehr als echte Sujetlieferanten dienen. Etwa für den Hanslimaa:
Ass me der Conti und der Vischer nimm ka verwäggsle
muess mindeschtens ain
der Schnauz abehäggsle.
Sunscht glyche sich die Zwai
bim Schaffe wie e Ai:
Wenn der aint friehner goot
isch der ander scho dehai.
Mit diesem Vers haben d Syydiaane viele Fettnäpfchen elegant umgangen:
In e Bebbisagg pagge,
im Wald vergrabe
oder richtig balsamiere?
Im Rhy versängge,
als Päggli verschigge
oder aifach komposchtiere?
Entschuldigung liebs Publikum
mir wänn nit gruusig dryy –
nur wenn dä Sarg nimm zahlt wird,
muesch fir alles offe syy.
Für ein paar höchst vergnügliche Minuten sorgten die beiden Wöschwyyber, die als Glettyse mit Versen wie diesem unterwegs waren:
Goufaneur, Gawener, Guwanör,
Gouverneur, Güfenier, Gouvenör?
Sobald är waiss wie buechstabiere
foot der Arnold aa regiere.
Fast ohne ihre Altvorderen sind in diesem Jahr d Setzlig unterwegs und schleichen sich mit diesem Vers an ein weiteres beliebtes Sujet an:
Tätyterätätätä so deents am Radio
sy wärde uff der Autibahn
guet zwai Stunde stoh.
Mir hän mit der SBB
dä Stau umfahre welle
derfir stehn mir jetzt z Basel
uff der Bahnhof-Passerelle.
Uff Kaländer ka me fascht nimme goh.
D Johreszytte sin durenander ko.
Au im Ruthli Metzler zeert’s:
die het scho im Dezämber Merz.
Letzteren haben wir jetzt nicht nur kalendermässig, sondern für kurze Zeit auch aus Fleisch und Blut in der Stadt. Heute Abend wird sich nämlich besagter Monat im Theater persönlich überzeugen, ob die Bänggler mit dem Bundesrat gleichen Namens, dessen Kollegin und den anderen fünf Sujetliefereanten aus diesem erlauchten Gremium auch rääs genug ins Gericht gegangen sind…
Gewohnt zuverlässig, mit klarem Vortrag und erheblichem Aufwand singt d Gasladärne etwa den:
Unseri Frau Wänger,
mitti 70 und no zwääg,
het syt em letschte Johr
e neje Arbetswääg.
Sy isch no sportlig fit
und duet das jetze nutze
und statt de Fäärifänschter
die vom Mässturm putze.
Wie die reinen Zürcher-Verse sind auch jene übers Schweizer Fernsehen beim Publikum sehr beliebt. Das hat sich auch s Passe-vite gemerkt.
Bym Wätter am Färnseh
froggt amme my Frau:
Wo liige die Isobare denn gnau?»
«He das sin doch die Insle im Süde, die milde,
wo d Wätterfrösch sich
im e Dütschkurs wyterbilde.»
Raffiniert auch d Fläädermyys:
Zur Wiehnacht in vier Johr
hänn mir im Unggle Grööfli
scho jetzt e Kärtli gschiggt
– mit Krippe, Kind und Schööfli.
Mir hänn ys dänggt:
s bressiert, me darf nit lenger warte –
es ka jo morn scho sy, dass d Margge dyyrer isch als d Karte.
Zu den Spitzenbängglern gehört auch in diesem Jahr die Kuh Peperoni, die folgendes herausgefunden hat:
Unseri Micheline vo Bärn
acht immer no so brait und gärn.
Doch luege sy emool gnau aa,
y waiss nit eb sy’s gsehn:
Die lacht gar nit – im Geegedail –
y glaub die bysst uff d Zeen.
Futter haben in Polit-Bern auch d Käärnebigger gefunden. Und die sonst wirklich Penetrante doppeln zum gleichen Thema nach:
Bi der CVP
do simmer ys glaub schlüssig:
isch fir uns das C im Name überflüssig.
s ainzig chrischtlig wo by dääne
no kasch finde
ischs Bibelwort: O Herr vergib ys
unseri Sinde!
Mir sinn sozial und
fir der Schutz vo Minderhaite,
bedrybe Arteschutz,
dien Schwecheri beglaite.
Uff unserem Auti stoht:
Bass uff uff Igel und uff Reh
und Vorsicht, Abstand –
mir brämse au fir CVP.
Eine Augenweide der Schuuflebuur und seine Musikantentruppe.
Der Aernscht vo Aesch
drambbt in e Schäärbe
und huucht z Basel uff der «Notfall»: «Lehnd my stäärbe –
ych wott verglemmi kai Transfusion
mit Bluet
uus eme fremde Halbkanton!»
Mehr von seinen Versen und auch jener anderer Spitzenbänggler im Bericht über den «Schlussoobe». Vorerst aber ein bissiger Vers der Filzluus:
200 Johr sind d Aargauer derby
und versueche syt denn
gueti Schwyzer z sy.
Sy sin willig und sy gän sich Mieh,
aber Autifahre lehre die nie!
Die Blauäugige geben sich zu einem anderen Thema ähnlich aggressiv und empfehlen:
Es herbschtelet im Zyttigswald,
fit isch elai der Bligg.
Der Platz macht Platz doch unsri BaZ isch ainewääg no z digg.
Me dinnt si us zum BAZELI – schwämpämperlig und schlapp.
So schigged se doch lieber grad
samt Bachmaa der Bach durab.
Klar und deutlich geht der Schwoobekäfer mit dem Regierungschef seines Lieblingsferienlands ins Gericht:
Wo grad der Berlusconi
unter der Najmaschine liggt,
do het der Doggter Franggestai
verständnissinnig gniggt:
s bruucht do und dert e Änderig;
was gwaxe isch muess wyche.
Ych wurd jo schliesslig au nit gärn
däm Berlusconi glyche.
Leicht abwegig, aber überraschend diese Kombination des Schooffsuuri’
By «Warten auf Godot»,
do wartsch e baar Stund
und waisch erscht am Schluss,
ass denn doch kaine kunnt.
Ebbe die dänggsch,
vylicht kunnt jo doch ain,
by der Schy-Nazi waisch –
do kunnt sicher e kain.
Zum Bängglersujet Nr.1 kombiniert der Banggomat :
D Frau Hess schiggt jedes Kryzi yy,
gwinnt Guetschyn, Biecher und au Wyy.
jetzt schalleret sy auch no
Arie und Rock –
verreggter als der Kübelbogg
Die will als Grienhorn – wie vo Sinne –
au dä Schnabelpryys no gwinne!
Wie aus einem einzigen Schlagwort ein raffinierter Schnitzelbank-Vers werden kann, demonstriert der Singvogel:
Sy hänn im Bläsischuelhuus hütt
statt Turne Franzi.
Was, schreyt der Hansli,
das soll ächti Konkordanz sy?
Är stoht vor d Lehrere
und sait in schaarfem Doon:
Jä sii, sunscht gang ich halt
in Proposition.
Lapidar auch dieser Vers, den s Gratz-Bürschtli zum Besten gab:
Der Spitaaldiräggter vo Basel-Land
schafft nimm mit Basel Hand in Hand.
Es kunnt niemerts me uff Basel
under s Mässer –
si haige jetz e aigene
Bluetdruggmässer.
Über die Bank- und Kabarettshow der Verschiffte, die nicht nur mit dem in Deutschland tätigen Schweizer Spitzenbänker Joe Ackermann abrechnen, sondern auch sonst für begeisterte Unterhaltung sorgen, berichten wir am Montag. Hier nur soviel: Sie waren einmal mehr der versöhnliche Abschluss eines durchzogenen Abends.



