Heiss war es nicht gerade am Mittwoch-Cortège, aber prachtvoll sonnig. Die Hitze war dafür heuer bei den kleineren Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern ein grosses Thema. «So vil Sunne isch doch gspunne», meinen die Muggedätscher Binggis. Finden wir gar nicht, wenn wir die härzigen Sünneli im Vortrab betrachten, die mit den Sünneli vom Wiehlmys Buschi-Näscht um die Wette strahlen. Und die Junge Seibi fühlt sich bei Temperaturen, wie sie diesen Sommer herrschten, nicht mehr fähig, die Schulbank zu drücken und machen vorübergehend mit Schulbüchern auf dem Kopf den Schirm zu.
Bei der Alten Garde der Junteressli kommt das Stadtmarketing an die Kasse, ein Esel und ein Affe vom SM (Statt Marketing) sonnen sich auf der Laterne der Stammclique in ihrem (Spiegel)Glanz, die Pfeifer und Tambouren sind dumme Viecher, die sich das SM-Gebaren gefallen lassen. Nicht besser ergeht es der Polizei bei der Alten Garde der Basler Dybli. Die «versoolte Schugger» ziehen die Köpfe ein – ein super Effekt der Basler Dybli-Kostüme.
Einen äusserst effektvollen Zug stellen auch die Gundeli dar, sie marschieren als düstere Fledermäuse und unheimliche Aasgeier daher und fürchten sich davor, dass Basel zur Schlaf-Stadt und die Fasnacht zur Phas(e) Nacht wird.
Der nächste Sensationszug lässt nicht lange auf sich warten, es sind die Alti Stainlemer. Eigentlich verfügt die Stammclique ja über einen Riesenharst Tambouren, aber nur neun Stück trommeln am diesjährigen Cortège. Die anderen laufen im Rhythmus der Arbeitsgeräusche, sie krampfen bis zum Umfallen; natürlich geht es wieder um dem Sujetrenner AHV. Die Clique zieht nicht eines, sondern an die zehn Requisiten mit; ein beeindruckender Aufwand, der hier betrieben wurde.
Ein sorgfältiger und optisch grossartiger Zug ist auch die einzige jubilierende Stammclique, die 75-jährige Pfluderi. Sie zeigen ihre Irrfahrt durch die letzten 75 Jahre und kommen als stolze trojanische Krieger daher. Nicht minder stolz ist das riesige Holzschiff des zur Jubelclique gehörenden Wagens der Primidoofe.
Mit Geistern, die Schweizer Fahnen schwingen, und einer Laterne, auf der FDP und CVP begraben werden, kommt die Märtplatz-Clique daher – «Jetzt erscht rächts» ist ihr Sujet. «Eso brennt bald nid nur der Wald» verbreitet auch die Olympia Endzeit-Stimmung und marschiert als brennende Bäume. «Schwiizer pass uff!» meinen auch die Naarebaschi als unscheinbare Sennen und sprechen auf den neuen Pass an, ebenso wie die Wiehlmys, die im Requisit einen Sarg mit einem Halbtoten mitziehen; verPASSt – ist hierzu der lakonische Kommentar.
Ein kleineres Chaos veranstaltete die Lälli beim Comité am Steinenberg, die Stammclique «geriet» durcheinander und spielte mehrere Märsche gleichzeitig. Weniger erheiternd sind die Aussichten in Italien, dieser Meinung sind die Spale-Clique, die Basler Mittwoch-Gesellschaft und die Muggedätscher, die alle «Duce» Berlusconi aufs Korn nehmen und zum Beispiel als düstere Soldaten mit Napolen-Hüten (BMG) daherkommen.
Mehrere Junge Garden machen dieses Jahr einen Ausflug in die Filmwelt, zum Beispiel die Jungen Rhyschnoogge. Sie thematisieren den Kassenhit «Achtung Fertig Charlie» und kommen als Armee-Säuli daher, die von einem Tambour-Major angeführt werden, der dem Hauptdarsteller des Films täuschend ähnlich sieht.
Kritisch wird es offenbar für die Rootsheere: «Mir lääbe uf Bump» ist ihr Sujet und sie sammeln deshalb im Vortrab Geld mit Uelis. Wir hoffen schwer, dass die Rootsheere bis zum nächsten Jahr auf Pump überleben, damit wir sie und natürlich auch all die anderen Formationen wieder am Cortège bewundern können.



