Hätte es an diesem Freitag noch Eis in der Basler Eishalle gehabt, es wäre schnell geschmolzen angesichts der heissen Trommelwirbel und der ebenso sensationellen Pfeifer- und Dudelsackklänge. Und noch schneller brach das Eis zwischen Darbietenden und Publikum; die ausverkaufte Halle zeigte eine lautstarke Begeisterung, die man eigentlich bis Edinburgh hätte hören müssen.
Der Gastgeber, das «Top Secret Drum Corps», eröffnete standesgemäss das Tattoo und riss die Zuschauer gleich mit. Die Formation ist seit Edinburgh zwar massiv kleiner geworden, hat aber dadurch an Brillianz und Präzision kaum etwas verloren. Dies zeigte sich vor allem zum Schluss der Veranstaltung, als «Top Secret» noch einige Müsterchen aus ihrem Original-Tattooprogramm zum besten gab.
Der Tarif war damit erklärt und wurde vom nächsten Corps perfekt eingehalten. «The Wild Bunch Drum and Fife Corps», bestätigte locker die eigene Aussage «mir ässe wiescht und dringge gruusig, sinn aber kai Guggemuusig». Ihnen folgte der würzige Auftritt der «Bâsilicum – s Gwirz vo Basel», denen man eigentlich nur vorwerfen kann, dass ihre Darbietung – ganz im Gegensatz zu den «Wild Bunch» – etwas sehr kurz war.
Schmissig und äusserst melodiös präsentierten sich als nächstes die «Rhine River Rebels», die mit tradionellen Stücken, arrangiert von Joseph Pelrine, zeigten, wo viele Basler Fasnachtsmärsche ihren Ursprung haben. Und dann kam mit der Gruppe «Drumfire» der absolute Höhepunkt des ersten Teils. Die Gruppe, besetzt mit Trommlern aus Bern, Solothurn und Wallis, zeigte, welch witzige Musik mit Mistkübeln und Petflaschen gemacht werden kann. Vielleicht eine Lösung des städtischen Abfallproblems? Grandios hier auch die Nummer mit den Hackbrett-Kravatten unter Einbezug des Publikums.
Nach der Pause wurde es mit dem «21st Grey Coat Battallion» richtig militärisch. Dass die selbst zusammengestellten Medleys perfekt tönen ist das eine; dazu kommt aber eine Choreographie, deren Präzision staunen und viele Stunden des Uebens vermuten lässt.
Auch der schottische Stil kam nicht zu kurz, dies dank den «Pipes and Drums of Basel». Dudelsack in Perfektion, wie man es von dieser alteingesessenen Formation gewohnt ist. Geradezu Ergriffenheit war in der Halle zu spüren, als mit «Amazing Grace» die inoffizielle schottische Nationalhymne erklang und das Publikum seine eigene Musikalität beweisen konnte: Das Mitsummen der rund 6000 Fans ergänzte die Darbietung perfekt.
Für eine weitere schottische Note sorgte der als Special Guest angekündigte Jacob Jørgensen aus Edinburgh, ein Virtuose des Trommelns und nicht umsonst mehrfacher Weltmeister. Mancher Fasnachtstambour im Publikum wunderte sich wahrscheinlich, wie man minutenlang derartige Wirbel aufs Fell bringt, ohne den Krampf in Fingern und Handgelenken zu bekommen.
Ein rundum gelungener Anlass, bei dem auch dramaturgisch fast alles stimmte. Die Idee, zwischen den einzelnen Corps abwechslungsweise die «Shipwrecked Chanteymen» mit ihren Seemannsliedern und das schlicht sensationelle Piccolo-Duo «Fife Alive» (Xenia Fünfschilling und Kevin Klapka) von den Seitentribünen aus auftreten zu lassen, brachte die richtige Abwechslung ins Programm. Weniger gelungen war die Idee, wie auf der Esplanade in Edinburgh die Corps teilweise vorzustellen, wenn sie bereits mit ihrem Vortrag begonnen haben. Die Akkustik der Halle vertrug dies nicht, die Worte des ansonsten sehr stimmungsvollen Speakers René Häfliger waren durch die Musik kaum zu verstehen.
Dies aber wirklich die einzige Kritik an einem fantastischen Tattoo, welches auch in der Samstag-Aufführung ein volles Haus verdient hat. Tickets kann man noch ergattern, wenn man am Nachmittag ab halb vier zwischen Bankverein und Marktplatz an der Freien Strasse steht. Die teilnehmenden Coprs paradieren dann nämlich auf der traditionellen «Bummel»-Strecke und verkaufen Eintritte. Ansonsten ist auch die Abendkasse geöffnet.
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