«Tambeusen»-Clique vor Gericht

8. Januar 2005 | Von | Kategorie: Nachrichten

Die Muggedätscher sind
wahrlich ein Unikum in der Basler Cliquenlandschaft,
verdanken sie ihre
Entstehung doch dem Basler Zivilgericht.
Vor Gericht gezogen wurden die
Initianten der Clique 1957 vom Stamm
der Sans-Gêne. Hintergrund des wüsten
Streits war die Gründung einer Alten
Garde.

Im Jahre 1954 sollen einige Mitglieder
der Sans-Gêne nämlich als Ryslaifer
einen eigenen Zug gebildet oder
sich gar einem anderen Zug angeschlossen
haben. Dies erzürnte die
Sans-Gêne derart, dass sie einem älteren
Mitglied mit dem Ausschluss drohte.
Der Gescholtene wehrte sich in einem
Brief, indem er hoffte, dass eines
Tages «eine Sans-Gêne ‹alte Garde›
vom Lokal abmarschiert», denn eine
Altersdifferenz von über 30 Jahren sei
schlussendlich untragbar.

Im Anschluss gründeten 1955 einige
ältere Mitglieder eigenmächtig die
Sans-Gêne Alte Garde im Restaurant
zur alten Gerbe. Die wütende Reaktion
der Sans-Gêne folgte im Herbst 1957:
Sie versuchte, der Alten Garde ein neues
Gründungsstatut aufzuzwingen,
das der Sans-Gêne ein Vetorecht über
jeden Entscheid sichern sollte. Als sich
die Alte Garde weigerte, diese Statuten
anzunehmen, liess die Clique die Alte
Garde beim Comité aus dem Register
streichen, da sie «nicht würdig seien,
den Namen Sans-Gêne zu tragen».
Schliesslich verzichteten die Mitglieder
der Alten Garde auf den Namen,
um einen Rechtsstreit zu verhindern,
und gründeten eine neue Clique.

Namensgeber wurde die Radiosendung
«dr Muggedätscher», die laut
dem langjährigen Obmann Matthias
Refardt damals ein echter Strassenfeger
gewesen sei. Da ein Mitglied beim
Radiostudio arbeitete, bekam die Clique
1958 offiziell die Erlaubnis sich
Muggedätscher zu nennen. Zuerst bestand
die Clique nur aus Tambouren,
doch schon bald unterstützten die
Ehefrauen der Muggedätscher die
Clique mit dem Piccolo. So waren die
Muggedätscher schon immer eine gemischte
Clique.

1988 überraschte eine versierte
Pfyffere, die heimlich mit dem Trommelinstruktor
geübt hatte, die Clique
mit einem «Ständeli» auf der Bühne –
und alle fragten sich, wer da wohl
trommle. Die Überraschung war riesig,
als unter der Larve eine Frau hervorkam
– seither ist sie längst nicht die
einzige, die als «Tambeuse» an der Fasnacht
mittrommelt. «Wir haben sicher
einen der grössten Frauenanteile bei
den Tambouren», sagt Refardt nicht
ohne Stolz.

Die Muggedätscher sorgen immer
wieder gerne für Überraschungen.
1973 beispielsweise hiess ihr Sujet
«100 Johr Schlumbärgerli»: Dabei wurden
1000 Schlumbi von der Clique in
Güggli verpackt und an die Zuschauer
verteilt. «Das Comité fand es gar nicht
witzig», erinnert sich Refardt schmunzelnd,
«aber das Volk hatte einen Heidenspass.»

Für immer in Erinnerung bleiben
wird der Clique das letzte Drummeli
auf der Küchlinbühne im Jahre 1992:
Als New Yorker Skyline kostümiert, mit
der Freiheitsstatue als Tambourmajor,
sorgten sie mit dem Marsch «Let’s Go»
für Furore. Der Marsch wurde ihr Markenzeichen.

Heute gehören die Muggedätscher
laut Obfrau Ursi Baumgartner mit
über 100 aktiven Fasnächtlern zu den
grösseren Basler Cliquen. Da platzt
das St. Johanns-Tor, wo die Clique seit
20 Jahren residiert, schon mal aus
allen Nähten. Auch die Junge Garde
feiert 2005 ein Jubiläum: Sie kann auf
25 Jahre zurückblicken. «Es war uns
schon immer ein grosses Anliegen, die
Jungen nachzuziehen – in musikalischer
und gesellschaftlicher Hinsicht»,
hält Ursi Baumgartner fest. Ebenfalls
jubilieren darf die Alte Garde: Diese
feiert ihr zehnjähriges Bestehen.

Weitere Informationen:

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Muggedätscher-Homepage