Liebe Frau Bundespräsidentin Doris Leuthard! Trauen Sie sich!

27. Januar 2017 | Von | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Liebe Frau Bundespräsidentin Doris Leuthard!

Bitte erlauben Sie mir diese Zeilen. Ich komme gerade von der Pressekonferenz der Studentenverbindung Zofingia Section Basel  zurück. Diese uralte Studi-Verbindung organisiert schon seit 1899 ein sogenanntes „Conzärtli“. Es gehört hier in Basel während der Vorfasnacht zu den hoch angesehensten, intellektuellsten Events (also gerade richtig für eine Magistratin!). Im ersten Teil des Abends wird tatsächlich klassische Musik gemacht. In diesem Jahr singen Hochwasser, Gnopf, Raggbiwurscht, Waterloose unter der Klavierbegleitung von Q-Dur ein paar lustige Werke von Franz Schubert (ausser bei „Schubert“ habe ich die Vulgo-Namen der Studenten benützt…).

Nach dem klassischen Teil kommt dann ein satirischer, frecher, aber hochstehender Rückblick auf das vergangene Jahr auf die Bühne. Alles getextet, gespielt und verantwortet von 30 aktiven Zofinger. Und das, sehr geehrte Frau Bundespräsidentin, sollten Sie sich keinenfalls entgehen lassen. Weil: In jedem Jahr werden drei Menschen, die die Schlagzeilen im vergangenen Jahr geprägt haben, als „Lyyche“  (Leiche) porträtiert. Da braucht man als Betroffener ein bisschen Nerven und Humor, aber: ES IST EINE EHRE, EINE LYYCHE ZU SEIN! In diesem Jahr werden Roger Brennwald (alias Rot-Chez Prellball), Regierungsrat Baschi Dürr (Waschi Düür, das ist der mit den Dienstwagen, erinnern Sie sich?) und – jetzt kommts – Frau Bohr’is Gotthard ausgespielt. Genau. SIE, verehrte Frau Bundespräsidentin! Nun ist es Tradition, dass die „Lyyche“ zur Premiere kommen und sich dann … als Höhepunkt, quasi, mit den „Doubles“ fotografieren lassen. In Ihrem Falle wird das sicherlich besonders lustig, da nämlich bei den Zofingern keine Frauen für weibliche Rollen zur Verfügung stehen.

Nun haben die beiden Verantwortlichen des „Conzärtli“ den versammelten Medien erzählt, dass man Sie natürlich eingeladen habe. Aber die Copy-Paste Antwort aus dem Sekretariat kam rasch und war niederschmetternd: „Die Frau Bundesrätin bedaure, keine Zeit etc. … „ Wir haben hier ein paar Bilder aus früheren Jahren beigefügt, damit Sie sehen, was Sie verpassen würden:

Die beiden Jungs (Lukas Notz v/o Jaune, rechts im Bild und OK-Chef Franz Martina v/o Drimini; Studierende im Fach Internationales Business Managment, was Sie doch freuen sollte)  sind natürlich enttäuscht und ich möchte gerne Sie, Frau Bundesrätin, mit diesem Schreiben anfragen, ob Sie vielleicht nicht doch für zwei Stunden nach Basel kommen könnten. Die Premiere ist am 9. Hornig (das ist bei uns der Februar) abends um 8. Der Helikopter könnte auf dem Messedach landen, oder Sie können ihren Tesla ins Parkhaus stellen.

Bitte denken Sie nicht, dass es sich hier um einen bunten Abend mit roten Bollennasen und angemalten Gesichter handelt. Beim Zofingerkonzäärtli, welches mangels Stadtcasino im Moment im Congresscentrum Basel stattfindet, zeigt sich der Basler Daig (das sind diejenigen Damen und Herren, die in Basel das Geld und zumindest im Hintergrund das Sagen haben). Und viele Alt-Aktive Zofinger. Sie werden sich wundern, wie viele Sie von denen persönlich kennen! Im Programmheft werden Sie übrigens wie folgt vorgestellt:

E Kleid, so scheen wie Appezäller,
vil atomare Mischt im Käller
und z gueter Letscht no z vyl Verkehr –
die Sache gfalle ihre alli sehr!

Verehrte Frau Bundesrätin. Ich habe Sie in Basel erlebt, wie Sie Schiffe getauft haben. Wie Sie dem Hafendirektor mit seinem Basel NORD kurz die Hühner in den Stall getrieben haben. Ich habe Sie an Referaten getroffen, und ich habe Sie immer bewundert. Und jetzt wäre es Zeit, dass Sie dem Basler Studententum die Ehre geben würden (in Ihrem Alter, wo Sie ja selbst noch studieren könnten, geht das…). Zeigen Sie sich dem Daig und erleben Sie einen richtig tollen Abend. (Eine ihrer Vorgängerinnen im Amt, Ruth Metzler, hat auch mal an einem Vorfasnachtabend in Basel teilgenommen und wurde dann prompt abgewählt. Nachträglich gesehen kann man da keinen Zusammenhang herstellen. Sie müssen also keine Angst haben…)

Der Konzärtli-Präsident hat mir verraten, dass er jeden Abend zwei der besten Plätze bis zum Beginn des zweiten Teils frei halten werde. Sie dürfen also auch unangemeldet und inoffiziell reinschleichen. Passen Sie dabei bloss auf, dass man Sie nicht für Ihr Double hält und  auf die Bühne schickt.

Ihr Besuch würde uns alle hier in Basel sehr freuen. Und die Zofinger würden ihren Schlusscantus – ein Genuss – mit Sicherheit der  mutigen, volksnahen und humorvollen Ministerin widmen. Lassen Sie sich das nicht entgehen.

Freundlichst grüsst

Daniel Thiriet v/o Schriiberling vo Fasnacht.ch

 

Die Zofinger haben gemordet. Überall in der Stadt hängen die roten Plakate.  Darauf wird zu lesen sein, dass das Conzärtli am Donnerstag 9.2. Premiere hat und dann nochmals am Freitag und Samstag (10./11.2.)  im Congress Center über die Bühe geht. Es gibt noch einige Tickets zum Preis von CHF 35.00. Sie sind zu erstehen im Kundencenter des IWBs in der Steinenvorstadt. Achtung: Das Center hat – wie es sich für ein gutes Kundencenter gehört – völlig verrückte und unmögliche Öffnungszeiten, die Sie sich bitte aus dem Internet holen. Falls man Ihnen ein Plakätli an einen „unmöglichen“ Ort hingeklebt hat (z.B. ans Schaufenster), dürfen Sie sich  bei mordnacht17@gmail.com melden… Es wird dann unverzüglich entfernt.