Seit hundert Jahren sind die Monstre-Trommelkonzerte, vulgo «Monstre» oder «Drummeli» ein fester Bestandteil im fasnächtlichen Kalender. In der Vorfasnacht des Jahres 1863 erschienen im „Volksfreund“ zwei Inserate: «Trommel-Concert bei Hrn Zeller zum Sternenberg, Greiffengasse, ausgeführt durch einen der ersten Tambouren der Schweiz, wozu alle hiesigen Tambouren zur Mitwirkung freundlichst eingeladen sind» und «Trommel-Concert von einem Tambour des Bataillons Nr. 80 bei Wittwe Eckstein zum Cardinal, wozu alle Tambouren und Trommelliebhaber freundlich eingeladen sind». Solche privaten Anlässe dürften der Grundstein für die späteren Monstre-Trommelkonzerte gewesen sein.
Das erste Monstre-Trommelkonzert fand am 26. Februar 1906 in der Burgvogtei-Halle (heute Volkshaus) statt. Dazu eingeladen hatte das Comité, damals noch bestehend aus Vertretern des Quodlibet und des Wurzengraben-Kämmerlis. Geboten wurden nur Trommel- oder Blasmusikvorträge. Teilnehmer waren der Musikverein Amicitia, die Mandolinen-Gesellschaft und die Viviser Winzerfest-Gruppe. Dazu die Fasnachts-Gesellschaften Aeschlemer Alte Garde, Junge Bachletten-Clique, Barbara, Basiliska, Gambrinus Gesellschaft, Jüngere Kleinbasler, Jüngere Santihanslemer, Lälli, Rutsch-Clique, Sans Gêne, St. Johann-Club und die VKB. Die „National-Zeitung“ berichtete: «Schon lange vor 8 Uhr war die Halle gepfropft voll, wie sich übrigens voraussehen liess, und noch immer wollte sich ein Menschenstrom von beängstigender Wucht Einlass verschaffen. Die Leute harrten in den Gängen und sogar im nassen Garten wacker aus. Noch nie war die Jungmannschaft so zahlreich zugegen wie bei diesem Anlass, aber auch alle alten Trommel- und Fasnachtskoryphäen Basels waren erschienen.».
Die nächsten vier Jahre fanden die Konzerte am Montag vor Aschermittwoch statt. Nun werden auch die Waisenknaben erwähnt, die während langer Zeit in ihren Uniformen aus der Zeit des Dreissigjährigen Krieges eine wichtige Rolle an der Fasnacht gespielt hatten. Im Programm des Monstres von 1910 stösst man erstmals auf die Namen von Pfeifern. Als neunte Nummer ist das Pfeifer-Trio C.R., A.F. und M.O. aufgeführt. Das waren Carl Roth (1879-1958), Albert Fehr (1875-1931) und Max Oser (1856-1929). Sie erhielten für ihre dreistimmig gepfiffenen „Alte“ stürmischen Applaus.
1911 erfolgte der Umzug in den Musiksaal vom Stadt-Casino. Das Patronat lag erstmals in den Händen des neugegründeten Fasnachts-Comités. Erfreut stellte es fest: «Auch die „oberen Zehntausend“ schenken diesem Anlass von Jahr zu Jahr ein steigendes Interesse, was im Interesse unseres alten Volksfestes nur begrüsst werden kann». Aus Berichten aus dieser Zeit ersieht man, dass die Auftritte der Trommler begeistert beklatscht wurden. Doch Paul Maehly, Kritiker der „Basler Nachrichten“ beanstandete, dass früher jeder nach seiner eigenen Manie russen durfte, was nicht so hölzern, maschinenmässig und phlegmatisch getönt habe, wie wenn alle genau gleich schlügen und dabei das Individuelle verschwinde. Und über den Vortrag des „Olympier“ am Monstre 1912 schrieb er: «Durch die vielen Synkopen geht der Rhythmus verloren, durch die Mätzchen und Kinkerlitzchen bekommt der Marsch etwas gekünstelt Unruhiges, Maniriertes». Damit war der Marsch umgetauft in „Mätzli“. In diesem Jahr trugen Pfeifer der Olympia den „Arabi“ vor, im Jahr darauKarl Roths „Elfer“. Das Monstre bestätigte so, dass es den Rahmen für den endgültigen Durchbruch der Pfeiferkunst abgab.
Am 16. Dezember 1913 schrieb der „Barbaraclub Basel“ dem Fasnachts-Comité: «Bezüglich Jhrem Beschlusse, das nächste Trommelkonzert im Varieté des Herrn Küchlin abzuhalten, glauben wir in Jhrem Interesse zu handeln, wenn wir auf eine aktive Teilnahme verzichten. Das Programm dürfte sonst wohl zu gross sein & ist unsere Clubgesellschaft ja genügend bekannt als dass sie eventuell einer andern jüngeren Clique ein Auftreten unmöglich machen würde». 1914 begann dann die legendäre Ära des Küchlin-Theaters. Erstmals ist hier von einem Prolog die Rede. Das Marschrepertoire umfasste zwölf Märsche und reichte nicht für die 18 auftretenden Gesellschaften. Das Fasnachts-Comité entschuldigte sich regelmässig für die Wiederholungen. Ab 1918 fanden zwei, ab 1926 bereits drei Vorstellungen statt.
Der Name „Trommelkonzerte“ besagt, dass damals das Trommeln im Vordergrund stand. So heisst es im Prolog von 1918:
De kenntscht de Basler s Wirtshuus, d Fraue
ewägnää, d Läggerli am Aend,
de kennscht ene dr Kopf abhaue
so drummle halt elai no d Händ.
1924 brachte der berühmte Fritz „Frutz“ Robert Berger die Lälli-Clique dazu, dass sie am Monstre, auf „z’ Basle an mym Rhy“ der Pfeifer, in Gruppen aufgeteilt Variationen trommelten und dazu zwei schwarz-weisse Ueli-Figuren einen Ausdruckstanz vorführen liess. Der Redaktor der „Basler Nachrichten“ erkannte damals nicht, dass ein alter Brauch wieder aufgenommen worden war und fand, das sei Kölner Karneval und beileibe nicht Basler Fasnacht.
Lange war die Teilnahme an den Konzerten den Männern vorbehalten. Der Formulierung in der „National-Zeitung“ vom 1. März 1927, es habe sich unter den Pfeifern der Bajazzo-Clique „sogar ein Mädchen“ befunden ist zu entnehmen, dass Pfeiferinnen damals eher einer exotischen Spezies angehörten. 1934 steht in einem Protokoll des Fasnachts-Comités: «Einem früheren Wunsche zufolge (Beteiligung von Frauen) wird eine Girlsgruppe von A. Fromm teilnehmen».
In den Jahren des 2. Weltkrieges (1940-1945) tauchten die Namen „Dipflischysser und Haimlifaiss“ im Rahmenprogramm auf. Zebedäus Dipflischysser-Kalbfäll und Zacharias Haimlifaiss waren es, «die mit ihrer durch Schwerhörigkeit bedingten Missverständnisse Lachstürme entfesselten». Bis Ende der 50-er Jahre feierte ihr Auftritt grosse Erfolge. Auf einem der ersten Tonträger vom Drummeli sind sie verewigt. 1947 beschliesst eine Delegiertenversammlung der Cliquen: «Das gesprochene Wort wird nur durch die Rahmenspieler, das Trommeln und Pfeifen durch die Cliquen erfolgen». Noch in guter Erinnerung ist das Jahr 1948. Erstmals wurden die Billette für die acht Vorstellungen an zehn Schaltern der Mustermesse verkauft. Noch heute erzählen ältere Besucher, wie sie die ganze Nacht vor den Schaltern kampierten, um ein Billett zu bekommen. 1956 kommt eine weitere Vorstellung hinzu. Im selben Jahr sorgte erstmals eine „Balkon-Szene“ mit dem Ehepaar Herr und Frau Dr. Gläppersämi, dem Frailain Glepfgatter und der Frau Olga Hibsch, gesch. Gliehwy, verw. Busenhart für Furore.
Seit 1962 an können nicht mehr alle Stammcliquen im selben Jahr teilnehmen. Da die Zahl der Stammcliquen inzwischen konstant ist, müssen sie im Zweijahres-Rhythmus auftreten. 1993 war dann die Ära „Kiechli“ zu Ende. Seither findet das Drummeli im Grossen Festsaal der Messe Basel statt. 1971 gelangen die Billetts erstmals durch eine Verlosung in den Vorverkauf. Da auch diese Variante nichbefriedigte, sind die Tickets seit letztem Jahr über die TicTec AG an deren Vorverkaufsstellen oder im Internet erhältlich.
Am diesjährigen Jubel-Monstre wirken wieder 19 Stammvereine, zwei Schnitzelbängg, eine Guggemuusig und acht Rahmenspieler mit. Insgesamt werden also rund 1300 Aktive auftreten. Für Bühnentechnik, Ton- und Lichtregie sind zudem rund 20 Personen im Einsatz.



