Die Höhepunkte der Vorfasnacht im Zeitraffer

7. Februar 2005 | Von | Kategorie: Nachrichten

Angesichts der schrecklichen Bilder aus dem Katastrophengebiet in Südostasien kamen die Fasnächtler Jonas Blechschmidt, Raphael Blechschmidt, Natalja Dunkel und Peter Potoczky auf die Idee, mit den Einnahmen aus einer Benefiz-Gala den Opfern zu helfen. Sie fragten die Veranstalter der Basler Vorfasnacht an – und das Echo war überwältigend. So konnte die begeisterten Zuschauern gestern Abend im gut besetzten Grossen Festsaal der Messe Schweiz Highlights aus elf Vorfasnachts-Veranstaltungen geniessen. Alle Mitwirkenden traten gratis auf, und auch die Infrastruktur wurde gratis zur Verfügung gestellt.

Schon am Charivari begeisterten die vierzehn Pfeiferinnen der Gruppe Schäärede mit dem «Synkopia». Sensationell war der Auftritt von Kevin Klapka (Piccolo) und Barbara Berli (Klavier). Der «Merle Blanc» ist ein wahrer Finger- und Zungenbrecher, doch Klapka meisterte das Stück bravourös. Ein Zürcher an der Basler Fasnacht. Kann das gut gehen? Blues Max lieferte in drei Auftritten den Beweis dafür. Einst als Indianer an der Zürcher Fasnacht, begeistert er nun zum Auftakt als Zürcher an der Basler Fasnacht. Grossartig sein «Mäntigsblues» vom Gitarre spielenden Musiker, für den einmal im Jahr am Montag Morgestraich, doch 51 Mal einfach Montag ist. Und bei seine Nummer «E Zürcher Bangg» blieb kein Auge trocken.

Vier Auftritte steuerte das Drummeli bei. Vor der Bundeshauskulisse bot die Spale-Clique einen wunderschönes «Opus 4051». Ihrem König zelebrierten die Basler Rolli einen hervorragenden «Hofnarr». Ein Urknall eröffnete und beschloss die «Retraite à discretion» der VKB, zu welcher Beery Batschelet einen achtstimmigen (!) Pfeifertext geschrieben hat. Ihnen stand der «Breollini» der Breo-Clique in nichts nach.

Keine Rück-, sondern eine Vorschau bot die Hundsverlochete. Denn diese Vorfasnachts-Veranstaltung findet erst kommenden Freitag (Premiere) und Samstag (Derniere) statt. So kamen die Gala-Besucher in den Genuss der Ur-Aufführung von Michi Robertsons «dr Burzelbaum» durch die Pfyffer. Ebenso sauber der «Fritzli», welchen sie zusammen mit den Tambouren der Streifer boten. Eine perfekte Show bot die Trommelformation «Troubasticks» aus dem Kinder-Charivari». Die sechs schwarz-weissen Tambouren und ein Percussionist begeisterten mit ihrem «Trouba-Medley». Die Schlegel wirbelten übers Fell und dienten zwischendurch sogar noch als Kratzhändli.

Wie seit Jahren im Mimösli begeisterten auch an der Gala Thomas & Thomas (Thomas Heid und Thomas Weber) mit «Tico Tico». Ihre witzige Nummer mit Saxophon und Piccolo wurde von einen rosaroten, trommelnden Stoffhasen rhythmisch untermalt. Und dann standen vier Könige auf der Bühne – die Gewinner des Offizielle Brysdrummle und –pfyffe: Pascal Labhardt, Ariane Schwaiger, Cathrin Cattelan und Alain Martin sollten eigentlich den «Wettsteinmarsch» vortragen. Da der ihnen nicht königlich genug war, entschieden sie sich für «z Basel an mym Rhy».

Das Pfyfferli wurde durch vier Schnitzelbängg vertreten, alle mit guten Versen. Begeistert sang das Publikum den Refrain «yyneschtäche, ummeschloo, duurezieh und aabeloo» der Striggede mit. Sensationell – wie allewyyl – der Singvogel. Natürlich durfte der «Hansli uss dr Blääsischuel» nicht fehlen. Sicher im Vortrag und mit schönen Helge auch der Peperoni. Den Abschluss machte der Schorsch vom Haafebeggi zwai, der lapidar feststellte: «Tennis ohni Federer isch wie Fasnacht ohne mi».

Von der Räppli-Serenaade kamen d Luusbuebe. Mit Besen auf dem von ihnen organisierten Parkettboden wirbelten sie trommelnd über die Bühne. Auf dem «Pauseblatz» zündeten die sechs Luusbuebe und ein Luusmaidli mit Wunderkerzen, Knallfrosch, Feuerzeugen und Basketbällen ein wahres Feuerwerk. Bei beiden Auftritten der Schotte-Clique bebte der Saal; phonmässig stellten sie jedes Rockkonzert in den Schatten. Sowohl der «Whisky in the jar» als auch ihre Schlussnummer «Walking on Sunshine» wurden frenetisch beklatscht.

Wie im Ridicule erntete Kristina Nel als «waschechte Beppina Stella Witzig» für ihre Auftritt viele Lacher. Kunststück, ist sie doch «von Kopf bis Fuss auf Fassenacht yygeschtellt». Gesanglich hervorragend die Marble Bags, welche das Kleinbasel als «Paradiis uff dr Äärde» besangen. Bravourös die ganz in schwarz auftretende Trommelgruppe Bâsilicum – s Gwirz vo Basel. Auch hier sitzt jeder Trommelschlag perfekt. Eindrücklich ihre Schlussnummer mit brennenden Schlegeln.

Heimelige Stubete-Atmosphäre brachten Werner F. Vögelin und Barbara «Kurtli» Kleiner auf die grosse Bühne. Mit «Mir mache Feschter, jubiliere» machten sie sich über die Unsitte, aus jeder runden Zahl ein Fest zu machen lustig. Nach einer Hommage an den oft belächelten «Voordraab» liessen es sich die Basler Elschtere nicht nehmen und brachten noch mit ihrem berühmten «Martinsglöggli» die einzige Zugabe des Abends. Aus der ältesten Vorfasnachts-Veranstaltung, dem Zofingerconzärtli erschien Petrus persönlich auf der Bühne, um im «Prolog» (Un-)Sinniges vom vergangenen Jahr Revue passieren zu lassen und schulterzuckend zu bemerken, dass er in letzter Zeit halt mehr und mehr Leute von seiner Himmelspforte abweisen müsse, wenn der CV nicht stimme oder er die Engelsflügel grad nicht in der richtigen Grösse habe.

Am Schluss versammelte René Häfliger, der den Abend gekonnt moderierte, die vierzehn OK-Mitglieder um sich. In deren Namen bedankte sich Jonas Blechschmidt für die tolle Unterstützung durch die Sponsoren, den Mitwirkenden und dem Publikum. Da der Reinerlös erst errechnet werden muss, überreicht er Roland Jeanneret, Leiter Kommunikation der Glückskette, symbolisch einen Sack mit goldenen und silbernen Räppli, die Gebrauchsanweisung «Fasnacht in Basel» und eine Goldplakette. Dieser bedankte sich herzlich und versprach, dass alles gesammelte Geld sinnvoll verteilt werde.