Fantastischer «Ufftaggt 2005», diesmal «en famille»

13. Februar 2005 | Von | Kategorie: Nachrichten

Schon letztes Jahr als «die ultimativ letschty Vorfasnachts- Veraaschtaltyg» sorgte Beery Batschelets «Ufftaggt» im Foyer des Theaters Basel für Furore. Die Ausgabe 05 fand wieder am Sonntag vor dem Morgestraich, diesmal aber in kleinerem Rahmen, eben «en famille» im Gare du Nord statt. Und wieder ist es Batschelet gelungen, ein Superprogramm auf die Beine zu stellen. Unterstützt durch sein neues Piccolo-Ensemble mit Xenia Fünfschilling, Andrea Loetscher, Sandra Mesmer-Preiswerk, Judith Rickenbacher, Regine Steinauer und Kevin Klapka bot er «Musik für die Fasnacht der Zukunft». Unterstützt wurde das Ensemble durch die Tambouren Martin Bammerlin und Sämi Müller von der Lälli-Clique und der Sambagruppe «Remeleixo» mit Tonico da Silva, Gerson und Mauro Martins, sowie Alex Almeida.

Auf die pompöse Aufführung des letzten Jahres anspielend versprach Batschelet zu Beginn: «Dieses Mal gibt es keine Fisimatenten, einfach nur Musik. Also gehen wir gleich in medias res». Und los ging es mit dem schnellen Marsch «Gazpacho». Batschelet schrieb ihn für den Drummeli-Auftritt 1992 der Lälli-Clique. Mehr kammermusikalisch erklang dann das zu wenig gespielte «’s Stäpfeli». Mit ihm brachte Cornelius Buser 1987 einen ganz neuen Ton an die Fasnacht. «Lieblich, still, unaufdringlich bescheiden, dabei aber raffiniert in seinen bretonischen Anklängen und mit der brillierenden Solostimme im Mittelteil (Judith Rickenbach)», so ist im Programm zu lesen. «Slow Beery Slow» wurde am diesjährigen Museumskonzärtli uraufgeführt. Melodie und Titel stammen von Batschelets «Zwillinsbruder Alban».

Gespielt von fünf Piccolos und einer Querflöte (Kevin Klapka) klangen die «Basler Festspiel-Märsche» vierstimmig einmal ganz anders. John Ciaglia hat den Marsch mit für ihn typischen Unterstimmen gesetzt. Es folgte die Uraufführung seines Zirkusmarsches «Big Top», welcher musikalisch verschiedene Zirkusfiguren beschreibt. Wenn schon die Mitglieder von Duo «Fife Alive» (Xenia Fünfschilling/Kevin Klapka) dabei sind, dann muss auch ein Stück ihres «Hofkomponisten» Ciaglia geboten werden. Erstmals vor Publikum spielten sie «Paddy on the Handcar» und ernteten stürmischen Applaus. Mit sechs Piccolos und Querflöte (Kevin Klapka) spielte das Ensemble danach Ciaglias «Sailor’s Hornpipe». Dabei verformt sich die Melodie der «Hornpipe» in einen moll-Teil, einen «Jig», einen jazzigen Teil und schliesslich in einen rasanten «Reel».

Ein schwierig zu spielendes Instrument ist die «Nasenflöte». Die extra aus New York angereiste Miss Sandra (sie könnte eine Zwllingsschwester von Sandra Mesmer-Preiswerk sein) spielte zusammen mit dem Ensemble das «Grand Solo pour la Flûte de Nez». In freien, tanzenden Triolen müssen die Melodien von «dr Samba» gespielt werden. Um die Co-Produktion von Maurice Rossel und Batschelet möglichst original südamerikanisch klingen zu lassen, wurden die drei Piccolos durch die beiden Tambouren und der Sambagruppe mit brasilianischen Rgythmen begleitet. Das Publikum dankte es mit langanhaltendem Applaus. «Dr Heifisch» von Judith Rickenbacher wurde am Museumskonzärtli 1999 uraufgeführt. Nun ist er im Gare du Nord wieder aufgetaucht und besticht durch seine ungewohnten Harmonien und eigenwilligen Melodiewendungen. Ursprünglich schwankte Lukas Langlotz zwischen den Namen «Kolobri» und «Tatzelwurm». Schlussendlich blieb es, der Länge wegen, beim «Tatzelwurm». Edith Habraken schrieb dazu einen anspruchsvollen Trommeltext, welcher von Bammerlin perfekt interpretiert wurde.

Um ein Haar direkt von der «Hundsverlochete» an den Ufftaggt kommend, spielte Michi Robertson erstaunlich frisch mit dem Ensemble seinen neuen Marsch «dr Burzelbaum». Den Abschluss machte «s’ Motto Guzzi» von Batschelet. Freitonal und zum Teil polyphon sprengt es bei weitem den traditionellen Rahmen eines Fasnachtsmarsches. Mit nicht enden wollendem Beifall «erzwang» das begeisterte Publikum eine Zugabe. Und noch einmal zauberte der «Samba» einen Hauch vom «Carneval in Rio» in das ehemalige Bahnhof-Buffet.