Ein zauberhafter Fasnachtsauftakt

14. Februar 2005 | Von | Kategorie: Nachrichten

Es ist wie verhext: Auch nach hundert Mal umdrehen will der Schlaf
einfach nicht kommen. 02:33 zeigt schliesslich die Digitalanzeige des
Weckers an: Nur noch 87 Minuten bis zum Morgestraich. An Schlaf ist jetzt
sowieso nicht mehr zu denken, die Vorfreude überwiegt.
Um drei Uhr nachts sind die Strassen noch fast menschenleer. Doch bereits
liegt diese unerklärliche Magie in der Luft, dieser Zauber, der jedes Jahr
wieder abertausende Leute dazu bewegt, mitten in der Nacht ihr warmes Bett
zu verlassen um den Fasnachtsbeginn mitzuerleben.

Heute scheint es aber zunächst fast, als hätten sich viele der Magie
entzogen. Liegt es am Schneeregen, den der Wind unsanft ins Gesicht bläst?
Eine Einzelmaske steht alleine in der St. Johanns-Vorstadt und tritt von
einem Fuss auf den anderen.
Doch während die Zeit voranschreitet, geht die steife Bise zurück, werden
die Flocken feiner, um schliesslich den Blick auf einen milchig-weissen
Himmel freizugeben. Gleichzeitig tauchen aus allen Strassen und Gassen
Menschen auf, die dann an der Schifflände zu einer Masse verschmelzen.

Auf der Mittleren Brücke strömen die Leute Richtung Grossbasel, darunter
auch ein kleiner Bub Hand in Hand mit seinem Vater. «Wie lange gehts denn
noch, Papi?», fragt er ungeduldig. «Eine Viertelstunde», antwortet ihm der
Vater seelenruhig. «Das hast du vorher schon gesagt», meint der Bub
vorwurfsvoll, um ihn wenige Sekunden später erneut zu fragen.

In der Schneidergasse macht sich der Dupf Club gerade bereit. «Ystoh»,
heisst es, und die letzten Gespräche verstummen. Als mit dem Vier-Uhr-Schlag
das Licht erlöscht, geht ein Raunen durch die Menge, das fast den Befehl
«Morgestraich, vorwärts Marsch» übertönt. Und dann, endlich, hat die
Vorfreude ein Ende: Jetzt sind sie da, «die drey scheenschte Dääg».

Kopflaternen leuchten mit Steckenlaternen um die Wette, und schon
erscheint die Laterne der Rhygwäggi, die so schlimm malträtiert gar nicht
aussieht ­ hier haben einige Cliquenmitglieder bei der Rettungsaktion der
von Vandalen zerschnittenen Laterne wahrlich heldenhaftes geleistet! Wen
stört es da noch, im Stau zu stehen? Die Rhygwäggi pfeifen und trommeln
jedenfalls auch stehend, was das Zeug hält. «Dr Ryslaifer», ruft eine Stimme
den Mitgliedern zu, bevor sich der Zug dann doch wieder in Bewegung setzt.

Beim Andreasplatz vermischen sich Elemente von «Gluggsi», «Läggerli»,
«Naarebaschi» und vielen weiteren Märschen zu einer Kakophonie, die
unerklärlicherweise trotzdem Balsam für jedes Ohr ist. Die Sporepeter ziehen
mit ihrer «radika(h)len» Laterne vorüber, auf der die graue Stadt mit der
blühenden Natur konkurriert.

Auf dem Marktplatz herrscht eine Riesen-«Druggede», obwohl alle Cliquen
den Platz bereits wieder verlassen haben. Die Basler Dybli ruhen sich in der
Freien Strasse aus, um die prächtige Laterne «wie ze Gotthälfs Zytte»
scharen sich Kiebitze.

Jetzt nur schnell noch vor dem Morgengrauen eine tiefe Nase voll
Fasnacht nehmen, bevor es in die nächstgelegene Beiz zum Aufwärmen bei
Mehlsuppe und Zwiebelwähe geht…

Weitere Informationen:

bz-Berichterstattung Fasnacht 2005