Wie der Cortège punkt halb zwei Uhr beginnt, macht Frau Holle am
Steinenberg eine kurze Pause. Doch schon die Kloschterräbe führen auf
ihrem Wagen ein Utensil mit, das bald einmal gute Dienste leistet: Grosse
rot-weisse Schirme spannen sich über die neue Rütli-Wiese in Bern, die von
neun Tellen besucht wird. Und die acht Rettungstaucher des im Contremarsch
just zur selben Zeit vorbeifahrenden Daig-Affe-Club, die in der
«Wasserelle» auf Lochsuche sind, haben ebenfalls kleine Schirme auf ihren
grossen Köpfen.
Die Fuege-Fäger aber, das Sujet «Dr wildi Weschte isch famoos, z
Basel hesch en uff dr Strooss» ausspielend, scheinen sich mit ihren riesigen
Sombreros symbolisch gegen die missliche Witterung stemmen zu wollen und
in der Tat, für kurze Augenblicke scheint die Sonne.
Doch bereits verdunkelt sich der Himmel, und da passt das Sujet «Et
mortis non gratis est» (au dr Dood isch nit vergääbe) der
Staine-Gwäggi trefflich. Sie sind schwarz-weisse Ueli in einer
Hobelspanwerkstatt. Und mit träfen Versen wie «oh wie nobel, Speen vom
Hobel» machen sie sich über das unrühmliche Theater zum Basler Gratissarg
lustig. Schwarz wird es auch bei den No Limit-Waggis. Sie sagen
nämlich «Guet Nacht Basel», doch die als Schlafmützen kostümierten Waggis
sind hellwach und intrigieren lautstark.
30 Jahre sind die Wäglitramper zwar schon unterwegs schade haben
sie es in den drei Jahrzehnten nicht weiter als zu einem biederen Strohwagen
gebracht. A propos Stroh: Von den Ohmächtige Brieder ist man nichts
anderes gewohnt, doch dieses Mal machen sie «Fasnacht mit He(ä)rz», und ihre
acht «He(ä)rzbrächer» bringen mit ihren roten Vestons und roten Ballonherzen
wenigstens etwas Farbe in ihren Strohkorb.
Dann ist es für eine ganze Weile mit Farbe vorbei. Aus dem tiefschwarzen
Himmel setzt heftiges Schneetreiben ein. Und wiederum stimmt die Regie: Die
zwölf Knochestampfer-Waggis sind wohl in blau-weiss gekleidet, doch
sie kommen in einem tristen Leichenwagen daher und persiflieren mit ihrem
Sujet «Ziiri im Eeländ» das Trauerspiel um das Stadion Hardturm.
Freude machen hingegen die Buure-Lümmel mit ihrem Sujet «S
Combino-Casino». Der Wagen ist ein Combino-Tram, in dem zwölf Trämler ihren
Dienst versehen. Das Tram selbst dreht sich wie eine Roulette-Kugel, so dass
die Kiebitze auf beiden Trottoirseiten die Trämler zu sehen bekommen. Ein
glänzender Einfall und das Sujet genial umgesetzt!
Wie die BVB mit ihrem Combino ist auch Tutanchamun ein dankbares und deshalb
oft ausgespieltes Sujet. So etwa von den Rauracher-Rueche, deren
Wagen ein ägyptischer Tempel ist, in dem die Waggis mit Wolfskopf den Gott
Anubis verkörpern. Zu den vielen Cliquen, welche die undichte Passerelle als
Sujet gewählt haben, gehört auch die 75 Jahre alte Chropf-Clique
Rieche. Ihr Wagen die tropfende Passerelle und Gepäckträger in der
Bahnhofhalle ist ein Bijou, und wie es sich gehört, fehlt auch das
Geburtstagsständchen nicht. Auf den Rolltreppen sitzen die Jeisi
Migger und fääge fetzige Jazz-Rhythmen. Grandios!
Nachdem uns so viele Wagen in Bann gezogen haben, ist¹s wieder Zeit für
eine, oder die Gugge: Im Anmarsch sind die Schotte, und sie
geizen weder bei den Kostümen, die das Sujet «e Ruggeschuss uss Basel»
(verlangter Rücktritt des Papstes) trefflich untermalen, noch mit ihrem
typischen hinreissenden Sound. Zu guter Letzt rollt am späten Nachmittag der
Wagen der Rhyschlappe-Waggis heran 40 Tonnen Eisskulpturen mit
Spalentor, Vogel Gryff, Fähre oder Basilisk. Ein Meisterwerk ohnegleichen.
Das Sujet «Yyszyt» wurde für die Wägeler dabei selbst brutale Wirklichkeit:
Einer von ihnen ist auf der Route ausgerutscht, unters Rad geraten, hat sich
schwer verletzt und musste ins Spital gebracht werden. Auch das ist
Fasnacht. Leider.
Weitere Informationen:
bz-Berichterstattung
Fasnacht 2005



