Satte Pointen, tolle musikalische Elemente von HipHop bis zu traditioneller Fasnachtsmusik und gesamthaft eine gute, abwechslungsreiche Show lassen das Mimösli 2017 zu einem vergnüglichen Abend werden. Rasant, überraschend und mit vielen Experimenten überzeugt das traditionelle Schlussbouquet mit „Chlötzli“, Ballett und Singeinlagen.
Am Mimösli dreht sich dieses Jahr noch verstärkter alles um Basel. Was hat uns bewegt, was hat uns geärgert oder worüber haben wir gelacht? Das Mimösli 2017 lässt – mit Ausnahme der Schnitzelbänggler – Trump Trump und Merkel Merkel sein und lässt stattdessen Regionales pointiert Revue passieren. Sicher nicht falsch, hat doch Basel genug Baustellen – ja, gerade die auch – und auch das wird thematisiert!
Die Konzentration auf die Ereignisse vor der Haustüre gelingt dem Ensemble, bestehend aus den bewährten Kräften Häbse H.J. Hersberger, Dani von Wattenwyl, Hedy Kaufmann, Nicole Loretan, Carlos Amstutz, Maik van Epple und Michael Eckerle zum überwiegenden Teil sehr gut. Es hat bissige Pointen, etwa wenn im Prolog der Vorteil der werbeverklebten Tramscheiben genannt wird: Man muss das Elend der Clarastrasse nicht auschauen. Oder im Schlussgag der (etwas zu langen) Nummer über Basels neuen Stadtrundfahrtsbus – der heisst so, weil man damit um Basel herum fährt. Und geradezu grandios ist die Nummer über die Markierungen in der Toleranzzone mit einer sehr aparten Ostblock-Nutte (Nicole Loretan) und ihrem toll überzeichneten Zuhälter Victor (Carlos Amstutz).
Erneut Beifallsstürme erntet zu Recht der Schnitzelbängg s’spitzig Ryssblei, mit seinen lakonischen Versen über Trump, Handschlagverweigerung oder dem traditionellen Vers über die Dame, die im Gundeli mit ihrem Hundeli ihre Rundeli zieht. Und man weiss nun, warum Ausländer bald in der Schweiz nicht mehr Inländer werden wollen: Inländer haben künftig beim Arbeiten Vorrang.
Wie gewohnt sehr melodiös und mit eher feinen Pointen bestreitet s’Bangg-Ghaimnis den ersten Teil. Herrlich ihr Vorschlag eines Kompromisses bei der Muslima-Bekleidung: Burka ja, aber transparent. Und so richtig schön makaber der Vers über neue GPS-Rollatoren, die am Friedhof erklären: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“
Nicht zu kurz kommt die Fasnachtsmusik und – wie gewohnt beim Mimösli – mit dem einen oder anderen Experiment. Die Tambouren-Gruppe stickStoff zeigt im ersten Programm-Teil „Dr Ueli“ von Peter Heitz und im zweiten Teil als Uraufführung eine echte Sensation: Trommeln mit Metall- und Plastikkübeln, untermalt von Klatchen und Fingerschnippen in der Eigenkomposition „Primitivo“. Die neue Pfeifergruppe Piccognito steht da mit „z Basel im Kino“ in nichts nach: Ein Filmmusik-Potpurri mit Überraschungseffekten (etwa 007-Häbse) und einem köstlichen Mafioso (Heinz Wirz) am Piano. Gemeinsam bringen Piccognito und stickStoff mit „Iredulpf“ (Pfluderi rückwärts) richtige Cliquenstimmung ins Mimösli.
Als Guggenmusik sind die Schlössli Schränzer, sehr melodiös und als Doubles des Seemannschors Stoertebekers eine optische Augenweide; so richtig schränzt es aber erst beim letzten Stück „I’m still standing“ von Elton John. Sie werden noch bis zum 31. Januar aufspielen; dann schränzen die Messingkäfer auf der Häbse-Bühne.
Und das Mimösli wäre nicht das Mimösli, wäre nicht noch eine spezielle Schlussnummer im Programm: Mit der Tanzgruppe Special Elements wird dies bereits am Namen deutlich. Die jungen Damen brillieren mit Ballett bis HipHop zum „Martinsglöggli“ oder mit CanCan zum Gassenhauer „D Schyssi isch verstopft…“. Begleitet werden sie von einer famosen Band und vor allem von Julius Nötzli, „dä Nötzli mit dä Chlötzli“. Er wirbelt mit Holzklötzen, was so ähnlich tönt wie das berühmte „Löffeln“ in der Volksmusik.
In diesem Schluss-Feuerwerk tritt das Ensemble als „Mimösli-Singers“ auf und bringt die Leute zum Toben mit einer Ode an das „Blaulicht von Basel“ oder einem Auftritt einer gescheiterten Regierungsrats-Mücke zum Diefflieger-Hit „Jä nai hösch, dä kasch nit bringe“.
Das Mimösli 2017 kann man aber sehr gut bringen. Es ist ein süffiger Jahrgang, der einen kurzweiligen Abend verspricht und auch hält. Es hat noch Tickets, aber wohl nicht mehr lange – und das mit Recht.
Noch vorhandene Eintritte sind zu erwerben unter www.haebse-theater.ch / www.starticket.ch oder via Kasse: +41.61.691.44.46. Neben den herkömmlichen Tickets stehen auch in diesem Jahr für alle Abendvorstellungen zusätzlich noch Hospitality-Plätze (Comfort-Bestuhlung und All-Inclusive) zur Verfügung. Tickets sind erhältlich unter: hospitality@haebse-theater.ch



