Wie wir am Morgen früh den Münsterberg hochsteigen, stehen die
rund 200 Laternen trotz des nächtlichen Sturms unversehrt in voller Pracht
da. Gleich fällt unser Blick auf die verschiedenen Laternen zweier Cliquen,
die wohl einzeln betrachtet werden können, aber erst in der Kombination ein
Gesamtkunstwerk ergeben. Da sind einmal die vier Laternen (Binggis, Junge
Garde, Stamm und Alte Garde) der Muggedätscher. Aneinandergereiht
zeigen ihre Rückseiten eine riesige Stechmücke das Sujet «Mer stäche zue!»
aller vier Einheiten symbolisierend. Zugestochen wird bei vielen Themen,
auch bei aktuellen, und so finden sich auf der Lampe der Alten Garde etwa
folgende Verse:
Bim Gaswärgg dien si ys verspräche
nie me in e Laitig z stäche
Bim Wooghof gilt halt immer no
durestäche, aabeloo . . .
Grossartig auch die drei Laternen der ihr 75-jähriges Bestehen feiernden
Basler Bebbi Basel zum Sujet «wird besser! wird Bebbi!» Die drei B
sind logischerweise in schwarz weiss gehalten. Auf der Vorderseite der
Jungen Garde-Laterne sieht man den autofreien Münsterplatz, auf jener der
Alten Garde das Paradies, und der Stamm offeriert für alle Nicht-Bebbi einen
ausführlichen Eignungstest, bei dem sich der Prüfling zwischen «jo» und
«nai» entscheiden kann. Fragen sind etwa «Groossroot» oder «Glaigrien»?,
«Intellektueller» oder «BaZ-Leser»? Auf der Rückseite heisst es dann, «mir
mache au uus Dir e Bebbi», hoffnungslose Fälle würden zuerst konvertiert und
dann integriert. Geschildert wird jeweils zuerst der bestimmte «Fall», dann
kommen gegenüberstellende Fotos «vorher/nachher» und schliesslich folgt der
«Kommentar». Also etwa so. Fall: Spaar- und anderi Säuli, «vorher» ist die
Sparsau, «nachher» Dieter Behring, der Kommentar: Let¹s Fetz. Oder dieser
Fall: Zurück zur Natur, «vorher» ist Angelika Zanolari, «nachher» die
Neandertalerin, der Kommentar: Das wahre Gesicht.
Vom Schwarz-Weiss der Bebbi wechseln wir zum rabenschwarzen Sujet der
Breo-Clique. «Lieber Dood ass z¹spoot» nimmt die sinnlose Raserei
aufs Korn. Auf der Vorderseite der Laterne wohnt der Zuschauer der
Siegerehrung des «Grand Prix de Hörnli» bei, bei der vor blutverschmiertem
Hintergrund drei Skelette auf dem Podest stehen. Die Rückseite der überaus
makabren Laterne zeigt in grässlichen Farben einen Schädel, in dessen Hirn
ein Zündschlüssel steckt mit der passenden Bemerkung Befund: Liegend
Fehlzündung.
Zurück zu Schwarz-Weiss. Ein doppelter Stab vorne schwarz-weiss der
Basler, hinten der rote Sibedupf ist die Laterne der Rätz, die zum
Angriff auf Baselland bläst. Auf der Basler Seite sprintet der Baselbieter
Finanzdirektor Adrian Ballmer mit seinem Geldköfferli davon, und dazu
heisst¹s:
Är het Angscht, lueg wien är rennt
mir schlaiffe Lieschtel, bis es brennt
Die rote Hinterseite der Laterne erzählt von der Rosinenpickerei des
Baselbiets im Sinne etwa von:
Ych studier, ych find das glatt
denn zahle duet das Basel-Stadt
Bei der letzten Laterne unseres Rundgangs ist weiss gänzlich verloren
gegangen. Die Contre Comité Bandi, vermutlich ein paar aus der Alten
Garde des CCB Abgesprungene, präsentieren uns den Grabstein
«Faasnacht in ere alte Garde». Sie beklagen sich bitter bös, dass die Alten
Garden neuerdings an den Cortèges vier Comité-Standorte anpeilen müssen und
meinen
Aggdyyvi sinn numme no Statischte
und Fueter fir Comité-Jurischte
Schwarze Humor dien mer maine
isch vyyl besser als gaar e kaine
Hoffentlich behalten sie ihn!
Weitere Informationen:
bz-Berichterstattung
Fasnacht 2005



