Reizwörter prägen Bänggler-Marathon

16. Februar 2005 | Von | Kategorie: Nachrichten

Lange viereinhalb Stunden, die knappe Pause eingerechnet, hat der
Marathon der Comité-Schnitzelbänggler im Theater Basel gedauert. Für
eingefleischte Fans sicher noch immer nicht genug. Aber lassen wir das,
primär ist es eine Freude, dass es in dieser Stadt noch immer so viele
Menschen gibt, die sich diesen Stress antun. Die von Beiz zu Beiz hetzen und
sich dazwischen auch noch im Theater und im Schauspielhaus einer gestrengen
Jury und einem kritischen Publikum stellen, das nur auf wenige Reizwörter
wirklich reagiert.

Das wissen die Bänggler, und entsprechend sind ihre Verse. Das wiederum
heisst, dass wir uns bei der Auswahl der Vers-Zitate in diesem Jahr auf
Blocher, Frei, Tschudi, Yakin, Passerelle, BVB, Zürich und Lange Erlen
beschränken könnten, um die Lacher auch in dieser Zeitung sicher auf unserer
Seite zu haben. Tun wir aber nicht und beginnen mit dem Hanslimaa,
der als erster der 29 auf der Bühne im Theater Basel erschienen ist.

Ass es nit haisst,
si häige sich in d EU gschliche,
hänn d Türke bi ihrer Lira
säx Nuller gstriche.
Strychte mir in der Schwyz
säx Nuller ans Bai,
wär d Calmy-Rey in Bärn elai!

Mit perfektem Vortrag kommt d Gasladärne zur Sache:

Jetzt dien ys Zircher aimool meh
in d Pfanne haue.
Sy wänn das neje Stadion
partout nit baue.
Uns stinggt das mächtig
und mir findes nimm zem lache,
jedes Johr
so bleedi Zirchervärsli z¹mache.

Gut angekommen ist auch der Pierrot, der kombiniert:

Em Alex Frei, däm Spugger-Star,
sy bruefligi Zuekunft schynt glaub klar.
Sin syni Libbe bis denn nit
dichter
wird dä sicher Bundesrichter.

Als erste der sechs Jubelbängg treten die beiden Käärnebigger auf,
die sich auch im Garten tummeln.

Bi uns dehaim
gsehsch nimme Tulpe und Narzisse.
Mer sääge d Bäum ab
und hänn Roose uusegrisse.
Au d Oschterglogge
mien dä Schiggsalsschlag erwarte,
derfir hänn mir jetz
en alti Mirage im Garte!

Zur leicht abgewandelten Melodie der «zehn kleinen Negerlein» ernten die
drei neuen Gardischte für ihre Bestandesaufnahme viel Applaus:

Die ney Regierig
isch im Sahleweidli in der Kuur.
Sii mache dert so Gruppe-Zyyg,
me sait däm au «Klausur».
Der Jögge Schild, dä hietet Gaisse,
d Herzog jagt e Haas,
Der Conti sammlet flyssig Holz,
d Schneidere frisst Gras.
Der Lewin mälcht e Kueh,
der Morin, dä duets Korn verryybe.
Der Eymaa luegt in Spiegel,
denn är will der Scheenschty blyybe.
Und d Moral vo däre Gschicht:
leget Eych an Laade
und blyybet uff em Buurehof,
dert machet er kai Schaade.

Spitze wie immer die Kuh Peperoni mit ihrem Hofstaat, die lapidar
singt:

Mit so Däsche zaige mir Fraue
Wohär mer sin und uff was mer baue.
Zue dämm Modäll do
mit em Schwyzerkrytz
verroot ych ihne jetz:
wenns do e hohli Hand drin het,
no gheert die der Frau Fetz.

Vier Kraijejoggi mit Gogs sind die neuen Dootebainli, die zu einer
sehr gewöhnungsbedürftigen Melodie etwa diesen Vers singen:

Der Tutanchamun het
vyyl Gäld noch Basel gloggt.
Het s Flugi haim gnoo,
ohni dass ihn ebber froggt.
Är hoggt uff d Schnuure,
sitzt mit Bänder gfesslet
doo im Sarkophag ­
dasch en Ussländer,
wie-n-en der Blocher mag.

Seit zehn Jahren wischen d Stroossewischer Drägg wie diesen ewägg.
Daas Johr hän mir bym Schnaabelprys e Wett abgää
und zwor uff unsere Favorit,
der Striggetää.
Mer hänn hoch gsetzt
und welle uff e Schiri zelle ­
jetzt hett dä Ogi
unser Schmiirgäld doch nit welle!

Mit kompliziertem, aber gut verständlichem Kunstgesang wagt sich der neue
Frauenbangg Fäägnäscht auf die Piste. Spitzig reimt die offenbar
frustrierte Dame vom Daig:

Ums Lääbe noonem Dood
polemisiere d Religione.
Es git jo gwissi Hiiwys
uff Reinkarnatione.
D Tamara Wernli haig,
das het e Forscherteam entdeggt,
vor 150 Johr im Sahlewaidli Aier gleggt.

Die lange Naase sind etwas bass-lastig, ihr Vortrag deshalb
akustisch oft schwer verständlich mit wenig Resonanz im Publikum, das auch
mit diesem gelungenen Vers Mühe bekundet.

Kochsch e Meeresfrüchte-Gricht nimmsch Fonds vom Fisch.
Mit eme bitzeli Wildfonds
bringsch e Herbschtgricht uff e Disch.
Winggt ain mit grosser Kelle,
wo vyyl meh verspricht,
kocht dä mit Behring-Fonds
und sitzt bald au vor Gricht.

Wie wenig es im Grunde braucht, um den Saal zum Toben und Gröhlen zu
bringen, demonstrieren die beiden Wöschwyber vulgo Glettyse. Sie
ziehen eine Show ab, die sich gewaschen hat.

S stoht uff jedem Päggli Zigarette:
«E Verzicht kennt Dir Di Lääbe rette!»
Hät me s glych Prinzip
fir Politigger iibernoo,
kennt die Bandi
vor lutter Klääber kum no stoh!

Zur absoluten Bänggler-Spitze gehört seit Jahren der Singvogel.
Aus seinem Repertoire der Vers zu Bormio:

S dien unsri Skirennfahrer,
so wie die dien schlyche,
im Effiziänzgrad
immene B-Boscht-Päggli glyche:
Bim Start do gläbbt me ne
e Strichcode druff als Zaiche,
zem se go sueche,
falls si s Zyyl denn nit erraiche.

Gute Helgen, spassige Verse, aber immer noch keine sehr eingängige
Melodie präsentieren die alten Fläädermyys als neue
Schnabelwetzer.

D Frau Zanolari wär z Bärn sooo gärn
im Nationalroot der SVP-Stärn.

Doch jetz will si nimm,
fascht iiber Nacht,
he, well me neyerdings in Bärn
au Jagd uff Graye macht.

Mit einem im wahrsten Sinne krachenden Auftritt meldet sich der
Schuuflebuur zurück, der zum Gschyss um den Gratis-Sarg meint:

Der Maier glopft an d Himmelsdiire,
do rieft der Petrus hindefiire:

«Mein lieber Schwan,
das Door blybt zue,
butz der zerscht
s Säägmääl ab de Schue!»
Buurereegle: Stupft im Sarg
no s Säägmääl dii,
denn waisch,
de bisch nur schyyndoot gsii.

Ausgefallen der Schwoobekäfer, der zum ausgefallenen Sujet akkurat
singt:

Vom Aff zem Mensch händ Vorderfiess sich zuenere Hand entfaltet.
Mit däre wird e grosse Dail
vom Menschelääbe gstaltet.
Doch wenn d Entwigglig wyter goht, wirds mit der Hand so ände:
S het numme no e Duume dra,
zem SMS zversände.

Hilfreich d Syydiaane, die dem Publikum ein soziales Netz
vorstellen:

Im Alter hilft aim gärn und schnäll
by Noot d Pro Senectute.
De Junge ohni Zuekunft
bietet Hand Pro Juventute.
Bruchsch fir s politisch Ämtli Stutz
und kaine darf das gseh,
denn hilft dir mitere noble Spänd
gärn d Pro Facile.

Reines Cabaret ist der Auftritt des Doggter FMH, der mit seiner
für die Diagnose zuständigen Praxis-Schwester Erika eine echte Sprechstunde
abhält. Die Helgen sind Röntgenbilder und als Dreingabe zum
HaMaTschu-Abgesang liefert er den:

Au d DSP hets «tschuuderet»,
so fescht, dass sii jetzt muuderet.
Jetzt liggt si, das isch ganz brutal,
mit schwärer Schwindsucht im Spital.
Diagnose: Der Karli Schnyder,
y mach e Wett,

sitzt Daag und Nacht am Granggebett.

D Gluggersegg sind zum Zwanzigjährigen auf «World Tour» und haben
auch diese Persiflage im Repertoire:

Me wählt Herzog und Morin
und däne hets glänggt,
will jede an Herzog
und De Meuron dänggt.
Alli Siibe sin im Boot, Hallelujah.
Mike wird nit Regierigsroot, Hallelujah.

Im neuen Kostüm als Ueli hat der Fäärimaa mit einem sauberen Vers
nur mit dem ersten Teil Lacher erzeugt, wer dieser Hammel ist, weiss
offenbar schon niemand mehr…

Fir die näggschte Wahle,
versprich ich ihne,
gits e George W. Bush-Wählmaschine.
Dass die funggzioniert,
do hany kai Bammel,
s isch e Basler-Erfindig
vom Walter Hammel.

Mit neuen Kostümen und gewohnter Präzision warten auch d
Zahnstocher
auf.

Das Gschyss ums Gäld
vo däne vyyle Goldresärve,
das goht ys langsam aber sicher
sehr uff d Närve.
E goldig Ai, Frau Herzog,
dien sy überleege,
mien au Sii ­ bevor sys koche ­
zerscht no leege.

Statt des Harfe spielenden Sohnemanns gibt beim Schoofsuuri nun
ein Akkordeonist den ­ irisch gefärbten ­ Ton an.

Worum mache d Ziircher
e soone gross Gschrey?
E Flugplatz bringt Lärme –
isch das ebbe ney?
By uns ischs glaar greglet
­ e suuberi Sach:
Mir hän der Flugblatz ­
und Allschwil der Grach!

Damit Sie sich, verehrte Leserinnen und Leser, noch ein bisschen länger
freuen können: Die Verschiffte kommen heute bestimmt, auch wenn es
nur das halbe Vergnügen ist, zu lesen, was dem Basler Pendant zu den Mainzer
Hofsängern für neue Texte auf altvertraute Melodien eingefallen ist…

Weitere Informationen:

bz-Berichterstattung
Fasnacht 2005