«Vom Winde verweht» wäre dieser Titel nicht schon längst durch
Margaret Mitchells mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Liebes-Roman aus
dem Jahre 1936 besetzt, dann hätte ihn irgendeine Basler Fasnächtlerin für
den gestrigen Cortège erfinden könnenŠ
Schon von Beginn an zerzaust der eisige Nordwind Perücken, wirbelt Räppli
auf und geht sowohl den Aktiven auf der Route als auch den Zuschauern am
Strassenrand durch Mark und Bein. Warmhalten ist also angesagt, und wohl
deshalb scheinen die 36 Spar-Ueli der Gaschtro-Noome heute in
besonders zackigem Schritt vorbei zu paradieren. «Jetz hänn er s¹Gschängg»
verkünden die ihnen folgenden Zoggelischletzer, meinen damit aber
nicht das diesjährige Fasnachtswetter, sondern das Riesenzoggeli, ein
Unikat, in dem sie den Steinenberg herunterrollen. Im Contremarsch kreuzen
sie die Läggerli-Hagger, deren Major die Venezia Basilea I der
Landeshauptstadt Düsseldorf ist. Die Gugge persifliert mit ihm und dem
Spiel, in dem Düsseldorfer Hoppeditz und Basler Ueli schränzenderweise
verschmelzen, die Marketingbemühungen von Basel Tourismus. «Mein lieber
Swan», nein damit spielen die in wirklich schönen grün-gelben Kostümen
schränzenden Sonate-Schlyffer nicht auf diese fragwürdigen
stadttouristischen Efforts an, sondern befinden sich im Schönheitswahn.
Einen herrlichen Farbenkontrast dazu bilden die orangen
Rieblizupfer-Waggis, die allerdings etwas einfallslos zu ihrem Sujet
meinen: «S het e Naase wie vor fufzig Joor».
A propos Farben: Zwischenzeitlich wird es auch heute dunkel bis schwarz,
nicht nur am Himmel, sondern auch auf der Route: Erst ruft uns die
Schindgrabe-Clique zu: «Guet Nacht Basel.» Auf dem Wagen laufen ein
paar weisse Schafe und ein schwarzes in einer grossen runden Uhr Richtung
Abendstunden, und zum Thema «Basel bi Nacht» steht an einer Wagenwand
folgender Vers:
In dr Stadt do findsch am Oobe
fascht numme Waggis oder Schwoobe
Noch schwärzer wird¹s beim Vorbeimarsch der Ueli-Schränzer. Weil
ihr Sujet «Dr Sensemaa kunnt uf Bsuech» lautet, laufen im Spiel
angsteinflössende schwarze Sensemänner, dirigiert vom grünen Basilisken, in
dessen Rücken ein Messer steckt. Zum rabenschwarzen Auftritt der Gugge steht
im «Rädäbäng» weiter:
Ob schiesse, stäche, s¹isch egal
in Basel isch dr Doot normal
Den Tod haben die Combinos (noch) nicht erlitten. Zumindest nicht
derjenige der Basler Loge-Clique, der den Originalen verblüffend ähnlich
nachgebildet ist. Mehrere Kopien des BVB-Pressesprechers Pius Marrer
versehen im Drämmli ihren Dienst und ohalätz: Trotz Pfeife im Mund reden sie
sogar gescheite DingeŠ
Den Cortège lassen wir beim Eindunkeln mit einem Gugge-Potpourri
ausschränzen. «Dracula presented by GSB»: Die Glaibasler
Schränzbrieder rufen damit in Erinnerung, dass «Dracula» für Basel zu
kostspielig war und bringen nun einfach das Musical aufs Cortège-Pflaster.
Die Krachschnygge präsentieren das Sujet «Jeedem Bebbi si Dootebaum».
Der letztere wird vom Gugge-Major verkörpert, im Spiel musizieren Pfleger.
Noch einmal wird es bunt, und zwar mit den 65 (!) Mann starken
Schränz-Gritte. Sie verbinden ihr neues orange-schwarzes
Blätzli-Kostüm süffisant mit den neuen «Blätzli» im St. Jakob-Park. Die
Mohrekopf schliesslich, weisse Pierrots mit Ausnahme des Majors, der
in Anspielung auf Basels rote Regierung als roter Pierrot erscheint,
intonieren sinnigerweise «Tränen lügen nicht». Wie wahr. Sie erzählen uns
von der bissigen Bise, die uns in den Augen schmerzt sowie den eiskalten
Füssen und klammen Fingern, die dem Notizen Machen ungewollt ein vorzeitiges
Ende setzen…
Weitere Informationen:
bz-Berichterstattung
Fasnacht 2005



