Bitterkalt war es, als den wenigen unverdrossenen Zuschauern am
Steinenberg ein bitterböser Auftakt zum zweiten Cortège geboten wurde: Der
furiose Zug der Alti Stainlemer verfolgt dieses Jahr nämlich den
blutroten Faden der amerikanischen Freiheitskriege. Soldaten in Kampfmontur
schleppen den Kopf der Freiheitstatue vor dem Zug her. Hinter Gittern
stolpern die Gefangenen in orangem Overall und schwarzem Sack über dem Kopf
voran. Getrommelt wird nicht, nur sonore Pauken- und Cinellenschläge
verbreiten eine unbehagliche Stimmung.
Eingepfercht zwischen Seilen sind auch die dunkelhäutigen Asylbewerber
der Glunggi. Dazu verteilt der Vortrab des verstörenden Zugs
Schweizer Pässe allerdings nicht an Christoph Blocher, der nach Meinung
der Clique kein Asyl bekommen sollte.
Den Indianern Asyl gewähren wollen hingegen d Schnurebegge: «Asyl und
Gäld fir alli Wält!» heisst ihr Zug, der mit einem ringsum von
aufgespiessten Köpfen garnierten Totempfahl als Requisit auffährt.
Martialisch wirken auch die dahinter folgenden Rothäute samt Häuptlingmajor.
Bereits in der Schweiz sind die Türken, die die Basler
Mittwoch-Gesellschaft porträtiert. Im Vortrab laufen vier Kamele,
dahinter folgen von Kopf bis Fuss in einen Tschador gehüllte Damen. Die
Männer kommen dagegen mit Kaftan an den «Swislam»-Zug, dessen Fazit auch an
der vereinigten schweiztürkischen Flagge ersichtlich ist: «Mitenand goot¹s
nie drnääbe.»
Wie teuflisch die eigene Religion sein kann, demonstrieren die
VKB, die entsetzt «Um Himmels Willen» rufen. Die christlichen
Würdenträger sind nämlich ganz und gar nicht heilig, sondern kommen als
giggerige Glüschteler à la St. Pölten daher. Bischöfe und Kardinäle tragen
Hörner, und das Requisit ist ein grimmiger Deifel. Wenig religiös sind auch
die blauen Klosterfrauen der Agfrässene, die schon tief ins Glas
geschaut haben denn mit «Sanctus Spiritus Diabolus» ist wohl weniger der
heilige als eher Himbeergeist gemeint.
Der Riesenzug der ARI macht sich ebenfalls über Banal-sakrales
lustig: «Heilig Habsburg» titelt sie spöttisch über die Heiligsprechung
gewisser fragwürdiger Gestalten und schlägt gleich noch drei weitere
Kandidaten vor: Behring, Fetz und Hamatschu.
Nach so viel gar Schröcklichem fragt die junge Basler Rolli völlig
zu Recht «Hesch au Angscht?». Die armen Pfeifer sind dabei bereits ganz grün
im Gesicht. Vielleicht haben sie auch nur zu lange auf die String-Tangas
gschielt, die hinter den züchtigen Schuluniformen der Maitli hervorblitzen :
«S Ding mitem String» titelt nämlich der Stamm der Rolli. Gefallen daran
findet bestimmt die Olympia, pardon: olym-P.I.M.P.-ia. deren
Tambouren sich in Anlehnung an den Hip Hop-Sommerhit des letzten Jahres als
Zuhälter übelsten Ausmasses präsentieren: Da glitzert das Falschgold mit dem
Pelzmantel um die Wette, denn «Abschuum isch chic», weiss die Clique.
Vielleicht hätte jemand das dem Dupf Club sagen können, dessen in
Lumpen gekleidete, abgebrannte Sozialfälle einen eher deprimierten Eindruck
machen. Da haben eventuell die Muggedätscher zugestochen, die einen
imposanten Einheitszug aller Garden vorweisen können und deren Mückenkostüme
in schwarz-lila wunderschön wirken. «Mr stäche zue» sagen sie sich zum
50-Jahre-Jubiläum und verschonen im Zeedel auch die Politik nicht vor fiesen
Pieksern. Die Basler Bebbi Basel (BBB) jubilieren ebenfalls
unübersehbar, haben aber ein Vierteljahrhundert mehr auf dem Buckel. «Wird
besser! Wird Bebbi!», titeln sie über ihren aus lauter schwarzweissen «B»
bestehenden Zug. «Mir mache au us dir e Bebbi» künden sie an: Vielleicht
gelingt es ihnen ja tatsächlich, all das randständige Volk, das sich an
dieser Fasnacht in den Sujets tummelt, zum Schluss zu Bebbi zu konvertieren.
Weitere Informationen:
bz-Berichterstattung
Fasnacht 2005



