Schluss-Oobe Comitébängg: Grosses Kino im Theater…

21. Februar 2016 | Von | Bilder: Dennis L. Rhein | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Der Schlussoobe von den Comité-Schnitzelbängg  im Theater und Schauspielhaus Basel ist ein ausserordentlich unterhaltsamer Anlass, der sich perfekt dazu eignet, die Fasnachtszeit nochmals Revue passieren lassen. Siebenundzwanzig Bänggler-Formationen sind am Samstag zwischen den beiden Theaterhäusern hin und her gerannt und haben das Publikum fantastisch unterhalten.

Ich habe mich anfangs schon gefragt, wer sich das eigentlich nochmals antut: Alle Comité-Bängg, von denen man schon so viele im TeleBasel, am Drummeli, an andern Vorfasnachtsveranstaltungen, Stuubedde  oder in den Fasnachtsbeizen gesehen hat, nochmals anzuschauen? Meine Platz-Nachbarin links sagt: „Ich bin 84 und gehe nicht mehr an die Fasnacht und schon gar nicht an eine Vorfasnachtsveranstaltung. Deshalb ist es hier ideal für mich!“.  Vis-a-vis sitzt ein englisches Ehepaar, welches seit 40 Jahren in Basel wohnt und heute darum den Schluss-Oobe besucht: „Um mehr von der Basler Kultur zu verstehen!“. Verena und Toni aus Lozärn sind dem Ruf ihrer Tochter, die in Basel lebt, gefolgt: „Sie hat gesagt, das sei  lustig hier, deswegen sind wir gekommen“. Angewärmt wird die Gesellschaft durch die Tambouren der KMB und durch Dieter Moor’s Begrüssung, die explizit nicht so war wie immer….

Ich werde mich bei meiner Berichterstattung an die Philosophie meines Vaters halten. Er konnte sich nach seiner Pensionierung nur noch an die „sehr guten“, „sehr schlechten“ oder „sonst auffälligen“ Schüler am KV Basel erinnern…

Unter den 27 aufgetretenen Bängg, die übrigens nur die 3 – 6 besten ihrer Verse vortragen, werden sich die „üblichen Verdächtigen“ in die Erinnerung von Verena und Toni aus Honau bei Luzern brennen: Das Schunggebegräbnis mit seinen etwas intellektuellen Versen, aber dem gesanglich führenden Vortrag (tolle Melodie: „Die Gedanken sind frei“ – wie kommt man bloss auf eine solch geniale Idee??), die jubilierenden Penetrante mit ihrem perfekten Vortrag, der Schwoobekäfer mit der stärksten Aussprache im Feld und seiner phänomenalen Genauigkeit im Vortrag, der Singvogel (für mich der Dschungelkönig der Schnitzelbängg: Bei diesem gelben Vogel passt einfach alles: Melodie, Auftritt, Musik, Helge und sehr lustige, verständliche Verse.) Ebenfalls zur ersten Startgruppe gehört d Stroosewischer mit eingängigem Refrain und einer ebenfalls und tollen Vortragsweise. Wie immer ein sicherer Lach-Wert ist Peperoni mit seinem Kuhgoschdym. Hier gibt’s nix zu meckern: tolle Verse und der Vortrag wie immer eine Wonne.  Wahrlich ein Abräumer auch der Spitzbueb: kürzeste Verse, auf den Punkt, lustig und klar vorgetragen, ohne Monsterverse, ohne Gesangsorgien, ohne akustische Politstatements. Einfach Spitze:

E Baselbieter sait z Athen:
„Ich bin aus Liestal – Du versteehn?“
„Jä ych verstand“ – sait druff dr Griech,
„Doo hesch Gäld – du arme Siech!“

Ebenfalls und logischerweise zu den Spitzenbänggen gehören auch dieses Jahr der Doggter FMH und – als krönender Abschluss: der rappende Baselbieter Bauer Heiri. Sie verstehen ihr Handwerk und können ganz einfach sehr lustige Verse schreiben.

Die Lozärner werden aber zu Hause auch von andern Bängg erzählen. Positiv oder auch negativ: Zum Beispiel vom Dootebainli. Wie kann ein Bangg mit einer schönen Melodie, schönen Stimmen und tollen Goschdym einen solch bitteren Vers, der nicht im Geringsten lustig ist,  ungestraft (Habt ihr geschlafen im Comité?) auf eine Bühne bringen? Oder finden Sie das lustig oder auch nur schnitzelbanggwürdig?:

Vor 20 Joor goot Easyjet s erscht Mool an Start
Sythäär fliegt me mee, als dass me Drämmli faart.
Es isch so billig, fliegsch fir alles und fascht immer.
Exit buecht bi Germanwings jetzt Stäärbezimmer!

An unserem Tisch war das Urteil klar: Disqualifiziert! Punkt. Auch aufgrund anderer Verse, die keinen Lacher, sondern eine politische Aussage als Pointe beinhalteten.

Und dann gibt es die Gruppe von vielen guten Bängg, die tolles Handwerk abliefern: Schöne Auftritte, tolle Verse, wunderbare Melodien: Einfach gute Unterhaltung! Dazu gehören sicherlich Hansli Bargäld oder der Geheimtipp „Wanderratte“ (lass Dir einfach eine Larve machen, die Deine Töne nicht verschlucken, kaum hast Du sie gesungen…), die Venezianer, der Schooffsuuri, Pierrot, Hanslimaa (der leider nicht ganz textsicher war und es diese Fasnacht auch nicht mehr wird…), die wunderschön gekleidete Gasladärne, der staubtrockene und deshalb so gute Fäärimaa, der Drummelibangg Dreydaagsfliege (ein Bänggler, der nach seinen Versen selber lacht macht Freude…). Die Blauäugige und s Anggewegglimaitli, welches nach getaner Arbeit Anggeweggli ins Publikum wirft (hätte sie bloss mich getroffen, denn die Verpflegung im Saal war etwas aus den Fugen geraten. Dafür war das Sandwich, als es dann ankam, grosse Klasse!). Und d Dräggspatze mit toller musikalischer Begleitung.

Gesprächstoff für unsere lozärnischen Tischnachbaren boten auch d Brunzguttere. Zuerst musste ich den Innerschweizern die Bedeutung dieses Wortes erklären. Aber dann zogen die Jungs vom Leder, es war eine reine Freude: „Mir sinn d Brunzguttere und leens grad lo lauffe…!“ Perfekter Anfang.

Oder d Schlyffstai. Die singen ihre Verse immer mit Melodien von verschiedenen Songs aus der Schweiz oder der Welt. Heute war es ein Mani Matter-Lied oder eins von David Hasselhoff. Nur leider sind die Texte der Verse so dermassen lang und komprimiert, dass sie beim Publikum nicht mehr ankommen. Mein „Referenztisch“ hat höflich geklatscht für die wirklich schönen Lieder und den tollen Gesang. Aber nicht für die Verse. Die werden sie morgen zum Frühstück im Büchlein nachlesen müssen.

Und dann noch der Schnabelwetzer. An sich schöne Helgen. An sich schöne Goschdym. Gute Musik. Aber die Verse sind nicht dermassen lustig, dass es einen ellenlangen Refrain verträgt, der um einiges länger dauert als der Applaus der Publikums.

Nicht vergessen in diesem Bericht sind die beiden Auftritte der Bajass-Clique. Da brauchen wir aber  nicht länger auszuholen: Verstärkt durch drei Chriesibueben sind und bleiben es richtig gute Pfyffer. Schade, waren nicht dies die „Pausenfüller“.

Alles in allem ein hervorragender Abend mit einer grossartigen Auswahl an Schnitzelbänggen. Das Comité hat hier ganze Arbeit geleistet und zwei volle Häuser im Theater und im Schauspielhaus bestätigen dies. Jetzt weiss auch der ehemalige Gemeinderat aus Honau (LU) mit seiner Frau, dass wir in Basel keine grösseren Probleme haben als Wessels, die Poller oder Baschi Dürr. Und dass wir uns auch mit den schweizerischen Themen wie Martullo-Blocher oder der Bettwarenfabrik im Zürcher Hinterland auskennen.

Meine Bewunderung und mein Respekt für all die Schnitzelbänggler und deren Handwerk ist gestiegen. Und meine Vorfreude auf nächstes Jahr auch.