Von Neun- und Neunzigjährigen…

16. Februar 2016 | Von | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Am Fasnachtszyschtig Zmidaag spielt sich die Fasnacht auf 100‘000 Bühnen ab. Die Hauptakteure am freien Fasnachtstag sind am Nachmittag die Kinder die zum Fasnachtsnachwuchs erzogen werden. Allerdings hauptsächlich auf Waggiswagen…

Ja, ich gebe zu, meine diesjährigen Berichte sind etwas wagenlastig. Ich bin ja auch aktiv unterwegs und ich habe es der Toleranz meiner Wagenkollegen zu verdanken, dass sie mich dann und wann wieder in die Schreibstube entlassen… Als Gegenleistung habe ich selbstverständlich den Binggiswagen der Routebysser begleitet.

Zu Beginn des Nachmittags eine Überraschung für mich: Das Ende der Steinenvorstadt in der Region des Heuwaage-Hochhauses ist ein Eldorado für die kleinen Waggiswääge! Da treffen sich Dutzende von Gruppen mit Mini-Waggiswagen, gezogen von Rasenmähertraktoren, Mopeds, Landmaschinen oder gezogen von starken Mannen. Bei den Zahnlugge-Binggis steht ein Porsche Cayenne vor dem Wagen. Ich gehe mal von Zufall aus… Die Namen der Formationen sprechen für sich selbst: Aubärg-Joggeli, Wäglidrampper-Binggis, Königsschnägge, Stadtdeyfeli-Binggis, Gryydefix-Waggis, Chäfer-Waggis, Nuggischluzzer oder  Routebysser-Binggis – alles Namen, die zeigen, dass keiner der Passagiere älter als 10 Jahre ist. Bei den Routebysser lädt man die Kinder aufs Gefährt. Andi übernimmt den Chauffeuren-Job auf einem Mini-John-Deree und los geht’s. Ich versuche ein Bild von einem Mädchen zu machen, welches sorgfältig ein Dääfeli vom Wagen reicht (Jööö…). Luca, der wilde kleine Waggis seift mich dabei kräftig ein. Die Instruktionen von Hugo vor der Abfahrt („also kaini Goschdymierte mit Räppli bewäärfe“) zeigt keine Wirkung…

Der Umzug geht durch die Steinen auf den Barfi und in die Falknerstrasse zum ersten Halt. Der ist – im Gegensatz zu den „richtigen“ Waggis gerade lang genug für einen Kaffi Lutz (für die Begleiter, nicht für die Kinder). Es ist sehr kalt. Am Morgen meldete die BVB auf ihren Bildschirmen im Tram: „Regen ab 16 Uhr und mässigen Schneefall ab 22 Uhr. Die Kiddies interessiert das nicht. Sie wollen weiter. So geht die Karawane ihres Weges. Vor dem Hotel Basel passieren die Routebysser-Waggis ein Sanitätsauto, welches gerade einen Patienten im Hotel versorgt. Der Fahrer der Ambulanz hat unvorsichtigerweise sein Fenster offen gelassen. Es liegen – nach der Passage des Mini-Waggis-Wagen mehrere Dääfeli und Räppli in der Führerkabine auf seinem Sitz…

Dann passieren wir den Zug der Rhyhaafe-Binggis: 5 von einem sehr starken Traktor gezogenen Poschtwäägeli mit je 5 – 8 Binggis drin. Ein sehr schönes Gefährt. Und wir begegnen vielen Waggis-Wagen, die sonst am Cortège fahren und am Mittwoch für die Kinder aktiviert werden. So auch d Dachluggespinner, die ihren Wagen mit „Waggisschuel“ angeschrieben haben. Und damit den Kern treffen: Wenn alle diese kleinen Fasanächtler bei der Fraktion „Wägen“ bleiben, dann wird die Fasnacht in 20 Jahren fast nur noch aus Wägen bestehen…

Ich verlasse d Routebysser und marschiere über den Barfi in Richtung Münsterplatz. Auf dem Barfi bleibe ich stehen und betrachte die Leuchtschrift von barfi.ch. Der Redaktor, der diese Leuchtschrift bedient, ist entweder ein Zürcher oder Drummeli-Texter: Es gibt an einer Fasnacht wahrscheinlich 10‘000 Ladäärnevärsli oder 500 Zeedel oder 5‘000 Waagesprüchli. Barfi.ch publiziert auf ihrer Laufschrift eine peinliche Kleinst-Auswahl von komplett unlustigen Sprüchen ohne Reim und mit Schreibfehlern ohne Ende. Das ist eine verpasste Chance…

Im Hof des Museums der Kulturen hat die 90igjährige Zyschtig-Gugge „Jeisimigger“ eine Bühne aufgebaut, wo sie das Teatro Disarmonico Jeisi aufführen: Sie kommen raus, spielen drei super jazzige Stücke nach Ansage durch das Publikums und begleitet von zwei jungen Animationstänzerinnen. Dann gehen sie wieder hinter den Vorhang. Als der erste hinter der Bühne hervorkommt, ruft ihm  eine der Zuschauerinnen entgegen: „Also Roger, numme drei Stügg. Isch das jetzt alles gsi?“ Der Jeisimigger meint: „Mis sinn halt au älter woorde“…  Ruedi, der Presse-Jeisi, erklärt, dass diese Aktion sehr viel besser ankommt, als erwartet: „Mir hänn 400 Mensche gha hütte noomidaag“. Und es kämen andauernd Cliquen zum Gratulieren. Wie auch gerade jetzt, wo die Chropfclique aus Riehen  mit ihren Rollatoren angehumpelt kommt und den Jeisimiggern die Ehre erweist. .

Jetzt zurück via Märtplatz, Fischmärt ins Basishotel am Rhein. Auf dem Fischmärt ein Chaos: Zwischen Kinderwagen und Pfyffergrubben fahren Autos ins Parkhaus ein- und aus. Ich frage mich, ob das sein darf? Aussehen tut es jedenfalls richtig schlecht… Auf der Mittleren Brücke begegne ich einer selbstgebauten Drohne aus deren kleine, müde Kinder ihre letzten Dääfeli an die Passanten bringen.

Es ist längst vier Uhr vorbei. Und es regnet nicht. Und ich behaupte, es wird auch um 22 Uhr nicht schneien. Und wenn auch: Es zeigt, dass alle Wettervorhersagen während der Fasnacht verboten werden sollten. Denn egal ob es jetzt noch unter Null fällt, schneit oder Katzen hagelt: „D Fasnacht hett ihre Lauf!!“ Basta.