Fasnachts-Dienstag: Die Grosse Laternen- und Wagen-Schau

16. Februar 2016 | Von | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Oft zu schnell ziehen sie am Cortège an einem vorbei – und alle sieht man ohnehin nie. Es sei denn, man verbringt den Fasnachtsdienstag damit, sich in aller Ruhe die „Lambbe“, Wagen und Requisiten zu betrachten – nämlich auf dem Münsterplatz und dem Kasernenareal. Störend war nur die eiskalte Bise, die Sprüche auf Laternen und Wagen vermochten aber lange zu erwärmen.

Schöner sind die Laternen auf dem Münsterplatz ja abends, enn sie erleuchtet sind. Mehr Platz zum Anschauen und Lesen der Verse und Sprüche darauf hat man aber am Nachmittag – dieses Jahr, wohl dem garstig-grauen Wetter geschuldet, hatte man besonders viel Platz. Darum hier mal ein paar „Tagesbilder“, die schöneren folgen dann in unseren Galerien.

Nun aber zu einigen Sprüchen auf den „Lambbe“. So nehmen die Jungi Wyehlmyys  Bezug auf den Schnitzelbangg S Spitzig Ryysblei:

Dr Idefix das glaine Hundeli
wohnt im gallische Dorf und nit im Gundeli

Die Alte Garde der Wiehlmys hat es eher mit moderner und gesunder (?) Nahrung:

Blätzli und Pommfrits kasch grad vergässe
muesch jetz Protein aa Käfer frässe

Dasselbe Thema bei den Seibi-Mysli:

Seit s Kamel zum Murmeli
jetz frässe si au no Wurmeli

Ein modernes Sujet hat auch die Junge Garde der Giftschnaigge:

Ghüüslet luege und Mascara-Smile
ghörr schynts zum IPhone-Style

Manchmal „längts“ auf der Laterne auch noch für einen sehr aktuellen Spruch. So bei den Junge Gundeli:

Goosch ans Drummeli
ghöörsch zue de Dummeli

Manchmal sind die Laternensprüche sehr intern – und nicht immer nett. Bei der Alten VKB-Garde hat einer nicht nur Fans:

Dr Ruedi G. fählt, doch ich main
vermisse duet ihn kain

Sehr politisch und ganz toll ausgeführt die Laterne der Pfeifer- und Tambourengruppe Cocktail bâlois mit einer Anita Fetz im Älplerdress und Schwingerhosen und dem Spruch:

D Anita duet sit Joore gärn
schwinge und regiere z Bärn

Eine Lanze für eine andere Fasnächtler-Gattung brechen die Gniesser mit den Sujet „Em Schnitzelbangg e grosse Dangg“ und reimen dazu auf der Laterne sehr poetisch:

S Härz goot uf wie d Bliete vo ere Rose
wenn du e guete Bangg kasch loose

Dem Regulierwahnsinn nehmen sich die Alti Schlisselkinder an und finden über die Stadtbildkommission:

Bevor im Advänt dy Huus kasch verziere
muesch erscht s Gsetz studiere

Schwarze und weisse Schafe bevölkern die Laterne der J. B. Santihans und man liest dort:

Dr Morin sait zem schwarze Schoof
dii zelli denn bim Byrooschloof

Durch ein Toi-Toi-WC haben die Chromosömli ihre Laterne ersetzt. Ein WC-Spruch darauf:

„Oh Simonetta“, sait dr Junker
kumm in my Regierigsbunker

 

Über die windige Mittlere Brücke wechseln wir nun ins Kasernenareal, wo die Wagen und Requisiten aufgebaut sind. Und auch hier gilt: Erst mal eine kleine Foto-Auswahl – mehr dann in unseren Galerien.

Auch hier publizieren wir gerne eine kleine, ganz subjektive Auswahl von Versen und Sprüchen auf den Wagen und requisiten. Die Privé Waggis zum Beispiel nehmen Scientology aufs Korn und beklagen:
Im Santihans, das ischs verreggte
logiert syt neyschtem gnau die Seggte
Die Herremätteli-Clique befürchtet: „S goot alles dr Bach ab“ und schreibt auf dem Wagen:
Am Rhybord duet me Glepfer grille
und sich haillos d Biire fille
Die Schindgrabe-Clique hat es mit „Verkehr“ in jeglicher Hinsicht mit dem Sujet: „S Buff ohni Verkehr“. Dazu der Reim:
Gosch zur Ludmilla, die vo Pole
muesch zerscht no s U-Abo go hole
D Gillerugger haben es mit dem Lieblingssujet der Wägeler, dem White Dinner:
S wird glaveret, schlemmt und gsirpflet
und abundzue grad su no lieslig gfirzlet
Dasselbe Sujet hat es auch den Basler Gwäggi angetan; sie reimen:
Mir sitze uff dr Brugg in ere schneewysse Dracht
und verbringe zämme e faarbloosi Nacht
Mr träffe uns zum ene Spässli
am fimfi im Wysse Gässli

Herrlich und fascht schon Dada bringen sich die Samba Waggis aus Binningen ein mit dem Sujet „Hauptsach vegan, alles anderi isch wurscht.“ Und ebenfalls als Gesamtkunstwerk muss man das Duo Ammedysli und Wettstai bezeichnen. Der Wagen, ein Schlauchboot, dient als Requisit der Wettstai; thematisiert wird die Flüchtlingskrise. Verteilt wird nichts – logisch als Flüchtlinge, aber man bettelt – und erhält die unterschiedlichsten Reaktionen – und auch Gaben. Dazu gefunden auf dem Boot ein fast philosophischer Spruch:

Ziesch s groosse Los ooder halt e Niete
Daas alles kaa Diir s Lääbe biete
Die Wagen- und Requisiten-Schau hätte noch viel mehr geboten – aber Finger wie Kugelschreiber froren unter dem Einfluss der Bise ein. So war der Chronist gezwungen, sich auf ein, zwei… Kaffi Lutz in die Wärme zu verziehen. Morgen ist schliesslich auch noch ein Tag.