Montags-Cortège: Viel Farbe unter grauem Himmel

15. Februar 2016 | Von | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Nur der Himmel war grau am Fasnachts-Montag, der Cortège dagegen präsentierte sich in voller Farbenpracht, von den Kostümen der Aktiven über die kunterbunten Requisiten bis zu den mächtigen Laternen und Wägen. Obwohl: Alles war nicht bunt; einige Formationen spielten auch rabenschwarze oder zumindest graue Sujets aus.

So richtig hell wurde es an diesem Montag-Nachmittag nicht. Da war man froh um jeden Farbtupfer, etwa bei den knallroten Schopf-Sprysse, wobei deren Swissness sehr selbstkritisch daherkam:

Mir sin Schwyzer, me gseets am faarbige Gwand
Soo scheen wie mir isch kaine imen andere Land
Mir stehen zaggig zämme und schtregge d’Ränze
geegen alles Fremde an unsere Gränze

Ebenfalls sehr farbig, nämlich im Bauarbeiter-Orange, kommt der Daig-Affe-Club daher, der zusammen mit dem Dupf-Stamm Pegida neu definiert: Patriotische Extremfasnächtler Gege Infiltrierig Durch Asyl-Landschäftler! Sie brüllen Slogans gegen „die ännet der Hülftenschanz“ und wollen es den Berufs-Rammel gleichtun:

Mir säge denn au wie dr Florian Kneus
Mir wie luege, aber numme für eus!

Weitere Bilder vom Montag gibt es in unserer Galerie.

Es gibt aber auch Cliquen, deren Auftritt zum trüben Drumherum passt. So die BMG, welche ihren Zeedel in Trauerrand hüllt, und das Sujet „Morta Bella“ ausspielt:

Dangg Exit, Dignitas und Co
kasch hit stärbe, wenn d wottsch go

Gleich ganz in schwarz präsentiert sich der Zeedel der Alten Garde der Basler Bebbi, die anscheinend buchstäblich ausstirbt:

Für Stamm-Mitglieder isch’s au verby
si blyybe lääbeslang bym Stamm drby
Will’s uns s’näggscht Joor nümm gitt
für uns e Glügg – für d Fasnacht Shit

Ebenfalls Abschied feiert der Sans Gêne-Stamm, und zwar vom Zirkuselefanten, vulgo Ylp. Dazu haben sie einen besonderen Gag auf Lager: Sie holen Personen aus der Menge am Strassenrand, setzen ihnen eine rote Nase auf und filmen sie vermeintlich. Als Souvenir gibt’s dann einen Abzug: Ein Affenbild mit roter Nase. Aber nochmals zurück zu den Patrioten. Die Schoofseggel nerven sich über die politisch hyperkorrekte Lehrerin, welche Edelweisshemden in der Schule als rassistisch (!) verbieten wollte und reimen (wobei es auf Baseldeutsch wohl eher „Gaiss“ als „Ziege“ heisst:

Ich empfihl däre dumme Ziege
mit dr Edelwyss in d’ Wieschti z fliege

Eines der häufiger vorkommenden Sujets – kann aber auch nur eine Momentaufnahme am Strassenrand sein – ist der White-Dinner-Furz. So bei den Knochestampger Waggis unter dem Sujet „S Gschyss in wyss“:

Als Ydritt – sinn die nit ganz bache?
muesch z’allerercht e Stuehlgang mache

Der Wagen natürlich ganz in Weiss – ganz im Gegenteil zu den Luftschnäpperli, die zum selben Thema als Tod daherkommen und sich – wohl nicht zu Unrecht – konstatieren:

D Wält hänggt in de Sail und drum duets uns scheniere
wenn miir, als wäär nüt, aifach in wisse Glaider fein dinniere

Wie das Comité bereits herausfand: DAS Sujet gibt es dieses Jahr nicht – dafür eine grosse Vielfalt, vor allem im lokalen Bereich. So regt sich die Alte Garde der CCB über das Bordell in der Austrasse auf (das ja mittlerweile bereits Geschichte ist):

Muess me dä Sexclub billige?
Soll me-n en bewillige?
Bref, es regt sich jeden uff
Wie haisst’s so scheen: es herrscht e Puff

Mit einer ungeliebten Sekte in Basels Westen beschäftigt sich – übrigens wirklich prächtige – Zug der Rootsheere unter dem Sujet „Schyyntheology“ – sie bieten auf ihrem Zeedel einen „Perseenligkaits-Tescht“ an und sie haben das passende Schlusswort für diesen Bericht bereit:

D’Church of Rootsheere maint derzue
Glaub an d’Faasnacht – denn hesch Rueh!

In diesem Sinn, wie man ja spätestens ab Montag-Abend sagt: E scheene Räschte!