Drummeli 2006: Klassisch, aber nicht altbacken

18. Februar 2006 | Von | Kategorie: Nachrichten

In erster Linie ist das «Monstre» ja die klassische Leistungsschau der Stammcliquen in Sachen Fasnachtsmusik – und hier darf man auch nach betrachten des 06er Jahrgangs konstatieren: Alle gaben sich Mühe, keiner machte dem Publikum im alles andere als ausverkauften Muba-Saal solche. Und dass das «Drummeli» – welch Sensation – vor 23 Uhr fertig war, hat wohl auch allen gefallen.

Gekürzt wurde vor allem bei den Wortbeiträgen; namentlich fielen der zweite Schnitzelbangg und ein «Rahmen» weg. Der verbliebene Rest gestaltet sich unterschiedlich. Der Prolog hat Höhen und Tiefen, «Jögge Schild auf dem Olymp» schon geographisch (aber auch sonst) vornehmlich Höhen, und Franz Baur als übereitler und uneinsichtiger Guido Zäch, der seine Seligsprechung vor dem jüngsten Gericht sucht, ist schlicht sensationell. Köstlich morbid und mit origineller Musik der Rahmen unter dem Titel «S doot Basel». Speziell erwähnen wollen wir das Urgestein «Bötschli», welche seit 40 Jahren die Wortbeiträge mitprägt, und Walti Aeppli, der sich trotz Gipsfuss tapfer schlägt.

Als Gesamtkunstwerk genial präsentiert sich der Schnitzelbangg «D Zahnstocher», der seinen Vortrag ganz unter das Motto stellt: Alles auf den Hund gekommen. Dazu wird auch ein Rezept angeboten: Pitbull sweet-and-sour. Und verjagt werden die Mitglieder dieses sehr amüsanten «Banggs» von einer carnivalen und carnivolen Höchstgefahr: Den «Griene Hind».

Das musikalische Programm im Schnelldurchlauf: Zu Recht um Applaus bat zu Beginn der «Barbara-Club» mit einem «Naarebaschi» auf dem Schiff. Es folgten die ersten beiden – sehr klassischen – Höhepunkte «Giftschnaigge» mit «D Symfonie» und «Rootsheere» mit einer sehr originellen Bolero-Adaption. Für einmal war dann bei der «Alte Richtig» nicht der traditionelle Napoleon-Tambourmajor zu sehen, dafür die «Drummel – und Pfyfferschuel», bevor «d Wiehlmys» einen schmissigen Baslermarsch intonierten.

Gar nicht bitter schmeckte der «Amère» der «Verschnuuffer» als Aperitiv vor den jubilierenden (50 Jahre!) «Gugge-Mysli». An ihnen kann es zweifellos nicht gelegen haben, dass zwei Tische vom Berichterstatter entfernt Arthur Cohn sanft einschlummerte. Immer wieder gern gehört danach «Liberty Bell» der «Aagfrässene mit de Rosshofspatze», gefolgt vom «Dupf-Club» mit dem «Waggis». Zackig die «Marching Drummers» der «Pfluderi», bevor es mit dem «Ohremiggeli» der «Olympia» wieder sanfter wurde. Mit dem «Hypokras» der «Märtplatz» und «The Blue Opti-Mist» von den «Optimischte» ging es in die Pause.

Ausgeläutet wurde diese von den «Lälli» mit einer Darbietung, die musikalisch, aber vor allem optisch (Riesen-Drehorgel als Kulisse, der rasante Abbau eine logistische Meisterleistung!) genau so ein Genuss war wie die nachfolgenden «Basler Bebbi» mit «Once apon a time in the east» (grossartig arrangiert von Michi Robertson!). Überhaupt wechselten traditionelle Stücke wie «die neye Schwyzer» – allerdings stark feministisch angehaucht – von den «Naarebaschi» oder «Muggedätscher» mit «L’Esacalade» in bunter Folge mit speziellen Bühnen-Arrangements wie «Tango updated» by «Seibi» oder der Sci-Fi-Show (nicht zu verwechseln mit Saifi-Opere) der «Rätz-Clique» unter dem Titel «Double Fantasy». Den Schluss machten die «Die Versoffene Deecht» mit dem Marktplatz-Stilleben «Schlauracher» und der «Central Club» ganz klassisch mit «So wie friehner» und anschliessender Gesangseinlage.

Alles in allem ein sehr gutes Monstre, dass – schon aufgrund der grösstenteils sehr guten Leistungen der unzähligen Aktiven eigentlich einen vollen Saal verdient hätte. An der Abendkasse vorbeigehen dürfte sich für Spontane und Kurzentschlossene zweifellos lohnen.